Kommentar von Eric Frey

Das Ost-Risiko ist unbestreitbar

Kommentar | Eric Frey, 17. Jänner 2012, 21:15

Der Fall Ungarn zeigt, dass Österreichs Banken nicht auf der sicheren Seite sind

Seit der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman im April 2009 eine Staatspleite Österreichs wegen der Ostengagements der heimischen Banken in den Raum stellte, kämpfen österreichische Banker und Politiker gegen den Eindruck an, von der Oststrategie von Raiffeisen, Erste Group und Bank Austria gehe für die Volkswirtschaft ein unkontrollierbares Risiko aus. Nach Jahren der Ruhe hat die Ungarn-Krise neue Zweifel an der Auslandsstrategie der Banken erweckt; für die US-Ratingagentur Standard & Poor's ist die starke Verflechtung mit dem Nachbarland einer der Hauptgründe für die Aberkennung des Triple-A-Ratings.

Banker wie RZB-Chef Walter Rothensteiner schlagen nun ähnlich schrille Töne wie 2009 an: Die Argumentation von S&P sei "Unfug" und eine "generelle Schlechtmache Osteuropas" . Und Kanzler Werner Faymann wischt das Ostrisiko mit dem Hinweis vom Tisch, dass Nationalbank und FMA ohnehin schon "an einer Stabilisierung der Situation" arbeiten. Wirklich beruhigend klingt das nicht.

Offenbar verstehen die heimische Eliten das Wesen von Risiko nicht, oder sie verzerren in ihren Rechtfertigungsversuchen bewusst die Fakten. Niemand behauptet heute, dass ganz Osteuropa pleitegehen wird, dass die Banken in ihrer Existenz gefährdet sind oder dass sich Österreich eine neuerliche Bankenrettung nicht leisten kann.

Aber die Region an sich ist volatil, wie auch die "Wiener Initiative" feststellt. Ungarn ist ein Kandidat für eine Staatspleite, und die drei Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission erhöhen diese Gefahr. Die Kommission fordert von Premier Viktor Orbán eine Kehrtwende in Kernbereichen seiner Politik, was sein Einlenken sehr unwahrscheinlich macht. Setzt Orbán stattdessen auf Konfrontation, dann dürften die ausländischen Banken wie bei der Zwangsumwandlung der Frankenkredite erneut zur Zielscheibe seines Populismus werden.

Die Ungarn sind nicht die einzigen Problembären. Rumänien, wo die Erste Group stark engagiert ist, steht wirtschaftlich und politisch auf der Kippe, und die Ukraine ist völlig unberechenbar. Selbst im stabilen Polen wächst die Gefahr finanzieller Turbulenzen. Und Fremdwährungskredite haben in der ganzen Region Sprengpotenzial.

Nun stimmt es, dass ein Großteil der im Osten vergebenen Kredite durch lokale Einlagen gedeckt ist. Ein Großteil, aber nicht alles, und gerade die neuen Richtlinien der heimischen Aufsicht, die Kredite einzuschränken, sind ein Zeichen dafür, dass Darlehen oft zu rasch und leichtfertig vergeben wurden. Sonst wäre diese Anweisung, die in Brüssel und in betroffenen Staaten auf Kritik stößt, ja nicht notwendig.

Knapp 40Prozent des österreichischen BIPs würde ein Totalkollaps des Ostgeschäfts der Banken kosten. Das wird zwar nicht passieren, aber allein die theoretische Möglichkeit ist ein Grund zur Vorsicht. Die Oststrategie der Banken war zweifellos richtig und hat in früheren Jahren viel Gewinn gebracht. Doch hohe Profite sind bekanntlich immer nur dort möglich, wo auch viel Risiko eingegangen wird.

Nichts anderes als das hat S&P behauptet. Österreich bleibt mit einem AA+-Rating eines der sichersten Länder der Welt. Aber die Unvorhersehbarkeit der Entwicklung im Osten und die massiven Folgen eines Finanz-Tsunamis auf Österreichs Wirtschaft geben jenen recht, die Länder wie Deutschland, Finnland oder die Niederlande noch etwas sicherer einschätzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)

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i-tüpfelchen-reiter
04
18.1.2012, 18:10
Die Oststrategie der Banken war zweifellos richtig und hat in früheren Jahren viel Gewinn gebracht.

bin ich aber froh, dass sie früher viel gewinn gemacht haben - leider hab ich halt nichts davon gehabt (denn die haben ja trotz immenser gewinne nicht einmal steuern bezahlt!)
dass dieses engagement nun (unter anderem) schuld ist, dass ich zukünftig mehr steuern zahlen werd müssen (die teureren zinsen müssen ja irgendwie finanziert werden - vielleicht eh gleich kredite bei diesen banken aufnehmen, so dass sie weiterhin ordentlich verdienen!) ist halt mein anteil an deren gewinnen
(und da rede ich noch nicht einmal von dem was ich alles zahlen muss, wenn durch mich ein bankencrash verhindert werden muss)

könnte bitte jemand diese banken zerschlagen - in einen inlandsanteil, der meinetwegen staatlich gesichert ist, und den rest?

Friedman Tobin
00
18.1.2012, 19:40

Ihr Glaube, dass Sie nichts davon gehabt haben (und haben) ist ein Paradebeispiel für Naivität. Selbst wenn die Banken Null Steuern zahlen würden, sie stellen Leute ein, zahlen ihre Abgaben, machen Absatz für österr. Produkte im Ausland möglich, die Dividenden aus dem Ausland (sprich: das Geld der Osteuropäer) werden zT in Österreich ausgegeben usw. Jeder einzelne Österreicher wurde durch durch das Ostengagement indirekt reicher und das BIP ist dadurch deutlich höher als es sonst wäre. Und das Geschäft im Osten ist immer noch sehr profitabel, wenn und do wo es das nicht mehr ist ziehen sich die Österreicher von dort zurück. D.h. ihre Annahmen sind alle falsch.

i-tüpfelchen-reiter
00
19.1.2012, 08:53

Ihr Glaube, dass Banken in Österreich Leute einstellen, um im Osten zu expandieren ist ein Paradebeispiel für Naivität.
Glauben Sie wirklich, dass die Person, die in Ungarn hinter dem Schalter sitzt, in Österreich angestellt ist? Oder etwa, dass sie zwar in Ungarn angestellt ist, aber die Abgaben in Österreich entrichtet?
Oder glauben Sie, dass Ö irgendwelche Abgaben für im Ausland getätigte Investitionen hat? Und leider ist es gerade bei den Investitionen gerade umgekehrt - weil sie viel Geld im Ausland investiert haben, bleibt ihnen weniger Geld, um in Ö zu investieren.
Von im Ausland erwirtschafteten Dividenden haben nur die Eigentümer etwas, denn dass banken quasi keine steuern zahlen, brauchen sie nur den jahresabschlüssen entnehmen.

Standard Leser4
 
00
20.1.2012, 11:31

Ihre Antwort ist aber auch naiv, glauben Sie wirklich in einer Oesterr Bank in Ungarn, Slowakei oder Ukraine wird nur Geld aus Österreich verwaltet ? Sicherlich ist der Oesterr Anteil sehr gering, warum sollten daher die Angestellten dort aus Oesterr bezahlt werden. Wenn Sie aber die Direktorenliste von einer Oesterr Bank im Ausland ansehen, werden Sie viele Namen wiederfinden, die sicherlich von Oesterr stammen. Ausserdem wie bereits Tobin richtig gepostet hat, wenn eine Bank in 20 Laendern vertreten ist und in 18 Gewinne schreibt und in zwei geringe Verluste, ist es ein riesen Geschaeft und ein Vorteil fuer Oesterr.

i-tüpfelchen-reiter
00
21.1.2012, 11:29

auch für die österreichischen direktorennamen werden die steuern aber vermutlich im ausland bezahlt (im übrigen wäre das noch eine weitere möglichkeit um österreich um steuern zu bringen: meines wissens nach funktioniert das z.B. so: 5,5 Monate arbeitet der Direktor in Ö, 6,5 Monate z.B. in Georgien: somit ist er gesamt in georgien steuerpflichtig und zahlt dort die dort fälligen 20 % Einkommenssteuer - und nicht die 50 % in Ö)

und das habe ich auch schon geschrieben: was hat Ö davon, dass die bank in 18 Staaten gewinne macht, wenn - siehe geschäftsberichte - die bank konsolieidert zwar mehrere hundert mio gewinn macht, aber nicht einmal 50T€ steuern dafür zahlt

Friedman Tobin
00
20.1.2012, 01:59

Denken Sie noch einmal nach, vielleicht fällt Ihnen dann ein, wie das mit dem Einstellen gemeint war (nicht im Osten). Aber nein, egal ob ein Betrieb Erträge hat oder nicht, die Zahl der Angestellten ist immer die gleiche, na klar...Und das so verdiente Geld wird nie und nimmer in Heimatland ausgegeben, auch klar...Lauter geniale Ideen.

Friedman Tobin
00
18.1.2012, 19:44

Sie können nicht erwarten, dass wenn sie in zB in 20 Ländern tätig sind, es darunter keine einzelnen Länder geben wird, die im Laufe der Zeit keine Probleme haben werden. Das ist rein statistisch unmöglich.

clearlake
00
18.1.2012, 17:46
lokale Einlagen gibt es in Ungarn faktisch nicht mehr!!

Jeder Ungar der ein paar Forint gespart hat bringt sein Geld logischerweise in Sicherheit.... leider nicht nur nach AUT.....

Nobody fucks with Hos'i Gacki
00
18.1.2012, 16:43
Wie analysierte doch der "Gigant" Sonnleitner

2008 im ORF: Amerikas Krise kann uns nichts anhaben, wir sind im Osten gut aufgestellt...

PastaPasta
00
18.1.2012, 16:50

haha, geil

Nobody fucks with Hos'i Gacki
02
18.1.2012, 16:39
Die Krise ist nichts anderes, als eine Krise

der Hochfinanz.

Die "arbeitende Welt" kann die Leistung nicht mehr aufbringen, um die Renditen des Grosskapitals zu garantieren.

Dafür werden sogar ganze Staaten geopfert.

Irrer Wahnsinn
00
18.1.2012, 16:09
Das Freyrisiko,

wäre bestreitbar wenn nicht jede Aussage des "VWL" Experten für eh alles blanker Unsinn wären.

Dreistein
 
01
18.1.2012, 15:58
Die Liberalisierung

Es ist noch nicht allzu lange her, da durften nur 70 % der Einlagen als Kredit vergeben werden. Die Liberalisierung der Märkte hat aber neben anderen riskanten Neuerungen auch die Möglichkeit gebracht, mehr auszuleihen als man selbst hat. Der freie Geldmarkt hat dies ermöglicht und der ist auch einer der Gründe für den Abgrund, vor dem wir heute stehen. Daher ist die Einschränkung auf 110 % eigentlich noch immer weit von dem entfernt, was früher einmal als völlig normal und auch als nachvollziehbar angesehen wurde. Freilich, die Banken haben damals nicht so viel verdient und das ist auch der Hauptgrund dafür, dass wir nun alle zur Kasse gebeten werden.

angelvoices
00
18.1.2012, 12:03
das ist noch ein vorsichtiger Kommentar

es gibt viele Ungereimheiten
Herrr Treichl behauptet das Gegenteil
Herr Krugmann war nur neidig
BA-CA wurde vom Börsenhandel genommen und braucht wieder Geld
und der Kredit für das nächste Atomkraftwerk wurde nur für laufenden Betrieb gegeben...
und die Volksbank ist konkursreif...

okami
10
18.1.2012, 11:36
für die US-Ratingagentur Standard & Poor's ist die starke Verflechtung mit dem Nachbarland einer der Hauptgründe für die Aberkennung des Triple-A-Ratings

Da dachte ich mir, dass die Budgetsanierung wohl wenig mit dem Rating zu hat.

Aber: "Knapp 40Prozent des österreichischen BIPs würde ein Totalkollaps des Ostgeschäfts der Banken kosten".
Da sollten wir doch besser schnell zum sparen anfangen!

Burgess Shale
00
18.1.2012, 11:17

Die Behauptung eines Journalisten, ein Bankvorstand verstehe das "Wesen von Risiko" [sic] nicht, ist recht selbstbewußt und sollte durch Argumente uinterlegt werden. Die Aussage ist überhaupt recht neblig.

Nach einigem Geschwurbel, das Ungarn, Rumänien und die Ukrainie - ohne Argumente - als teils politisch, teils wirtschaftlich instabil klassifiziert, kommt man zum sensationellen Schluß, dass Deutschland, Finnland oder die Niederlande (also AAA Länder) sicherer einzuschätzen sind.

Ich glaube, das ist dem Rothensteiner auch bewußt.

Und was ist der Tipp? Auf gehts, versuchen wir die DB und CoBa aus ihrem margenträchtigen Heimatmarkt zu drängen?

Febobo
00
18.1.2012, 10:42
Kann mir einmal einer erklären

warum andauernd erwähnt wird, dass den Krediten auch Guthaben der Sparer gegenüberstehen.

Sind die Guthaben nicht Forderungen an die Bank? Sogar ziemlich ungünstige, da sie jederzeit fällig gestellt werden können? Sind die Guthaben deshalb nicht Fremdkapital, die Verluste aus ausgefallenen Krediten gar nicht tilgen können?

Kanns mir wer erklären?

gurki
00
20.1.2012, 16:44
Völliger Humbug!

Klingt natürlich logisch, auf der einen Seite Einlagen, auf der anderen Kredite.
Aber kann die Bank bei einem Ausfall von Krediten auf die Einlagen zugreifen? Natürlich nicht, die gehören ihr ja nicht. Also ist diese Argumentation völlig aus der Luft gegriffen.

Nestor Machno
 
00
18.1.2012, 18:43
Erstens ist nicht nur von „Sparguthaben“

die Rede, sondern von „Einlagen“. Das sind auch Guthaben auf Gehalts- und Firmenkonten und anderes bei der Bank aus irgendwelchen Gründen deponierte Geld.

An und für sich muß eine Bank ihre Kredite durch Einlagen irgendwie unterfüttern, darf also nur im Verhältnis zu ihren Einlagen Kredit vergeben. Weiter oben hat ein Poster erwähnt, daß sich im Zuge der Bankenliberalisierung dieser Kreditrahmen erhöht hat.

Da in osteuropäischen Ländern bei den meisten Leute nicht sehr viel überflüssiges Geld herumliegt, – bei den dortigen Gehältern kein Wunder –, so haben die Banken anscheinend auf die Einlagen des Gesamtkonzerns Kredite vergeben, und sind deswegen jetzt so „exponiert“. Ansonsten hätten sie viel weniger Kredit vergeben können.

mikromalist
 
00
18.1.2012, 12:25
Bilanzen: Eigenkapital und Fremdkapital

stehen auf der Passivseite (Mittelherkunft).
Wertpapier, Cash, ... auf der Aktivseite (Mittelverwendung).

Für die Bank sind Spareinlagen Passiva und Kredite Aktiva. Fallen Kredite aus, müssen diese Ausfälle wo ausgeglichen werden (hoffentlich aus Erträgen oder Kernkapital).

Deshalb interessiert die Bank die Eigenkapital/Fremdkapital Relation und das Risikoprofil meines Unternehmens und mich die Kernkapitalquote jener Bank die meine Depots und meinen Cash hält und ihr Risikoprofil.

Gehe ich pleite, belaste ich auch andere, geht die Bank pleite auch.

Althase
00
18.1.2012, 10:40

Na Herr Frey, da wird der Treichel aber sagen, dass sie von nix eine Ahnung haben ;-)

mike sierra
00
18.1.2012, 10:38
Das weltweite Risiko ist unbestreitbar.

siehe Weltbank-Prognose.

Das wird dann Deutschland treffen.

plebs et principes
01
18.1.2012, 09:59

wir können uns vormachen was wir wollen, das ganze ist fast ein vas-banque-spiel! die ganze region im osten ist extrem krisenanfällig - sie prodzuzieren gerne krisen und sind von außen extrem anfällig dafür. und ungarn geht sowieso den weg der ausgrenzung.

frey hat recht, es wird nicht alles zusammenbrechen! aber treichl hat vorgezeigt, wie die banken reagieren werden bei anhaltenden problemen: sie schreiben einbach ab und zahlen keine gewinnbasierenden steuern mehr. dadurch entgehen dem staate österreich milliarden. das ist doch schon schlimm genug!! oder?

mikromalist
 
10
18.1.2012, 09:11
Nur einmal prinzipiell:

ich glaube, es wäre einsichtsvoll zw. Risiko und Gefahr zu unterscheiden.
Gefahren sind, dass HUN zur totalen Diktatur wird, sich an nichts mehr hält, oder dass HUN (RUM; ..) bankrot gehen.

Ja, Risiko und Volatilität sind in Beziehung, aber das ist die Betrachtungsweise Risiko als "Kosten".

Ich hoffe aber, die Banken haben das Risiko subtiler gemanagt?

Zusammenfassend, ich glaube, da wird mit Horrorzahlen gehandelt?

Nestor Machno
 
00
18.1.2012, 18:49
Und warum ist ein Staatsbankrott

eine „Gefahr“ und kein „Risiko“?

Was ist eigentlich „Volatilität“ anderes, als daß dort jederzeit ein Crash stattfinden kann, weil die Wirtschaft in ausgesprochen schlechtem Zustand ist?

Was ist dann „Risiko“? Daß der überwiegende Teil der Schuldner ausfällt?

Irgendwie wirr, dein Beitrag.

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