Der Streit zwischen dem Bankenverband und der Regierung in Athen offenbart eine unangenehme Wahrheit
Griechenland steht vor dem Zahlungsausfall. Das Gezerre zwischen Regierung und den Banken um den Kapitalverzicht der Gläubiger droht das diplomatisch geschnürte zweite Rettungspaket für das hochverschuldete Land platzen zu lassen.
Der Streit zwischen dem Bankenverband und der Regierung in Athen offenbart eine unangenehme Wahrheit. Die geplante Umschuldung geht nicht weit genug. Sie sollte den Griechen Luft zum Atmen geben. Doch selbst nach der Umschuldung müsste das Land einen Schuldenberg stemmen, der 120 Prozent des Wirtschaftsprodukts ausmacht - das wäre nicht nachhaltig, selbst mit den notwendigen Strukturreformen als flankierende Maßnahmen.
Wenn das Ziel der europäischen Politik, Griechenland zu entschulden, erreicht werden soll, müssen auch Europas Regierungen und die Europäische Zentralbank ihre Bestände an Krediten und Schuldpapieren abschreiben. Sie haben Griechenland mehr als ein Drittel der ausstehenden Staatsschulden geliehen. Doch die Politik wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Verluste, die auch den Finanzministern in anderen EU-Ländern das Budget verhageln würden und sie politisch in Bedrängnis bringen.
Europa muss sich entscheiden. Will es für Griechenland einen Haircut, der weitreichend genug ist, den Verbleib Athens in der Eurozone ökonomisch zu ermöglichen? Oder will es das nicht? Es gibt keine dritte Option. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)