"Wir haben das Autonomiestatut ja nicht gestohlen"

Interview | 17. Jänner 2012, 19:12
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    foto: apa/parigger

    Luis Durnwalder klopft wieder einmal einem italienischen Premier auf die Finger: Das Statut muss respektiert werden.

Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder erklärt, warum Bozen wieder Krach mit Rom hat

Bei seinem Besuch in Wien will er Aufklärung über den Brennerbasistunnel. Mit Durnwalder sprach Gianluca Wallisch.

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STANDARD: Die Südtiroler Volkspartei hat Italiens Premier Mario Monti zuletzt nicht mehr das Vertrauen ausgesprochen. Warum?

Durnwalder: Ganz stimmt das nicht: Bei der Vereidigung haben wir das sehr wohl gemacht. Es sah anfangs so aus, als ob Monti tatsächlich den Mut hätte, zur Gesundung des italienischen Haushalts beizutragen. Deswegen haben wir für ihn gestimmt. Bei einer zweiten Abstimmung hat er aber Finanzmaßnahmen propagiert, bei denen er das Mailänder Abkommen ignoriert hat. Dieses verlangt das Einvernehmen zwischen Rom und Bozen. Über diesen Vertrag hat er sich einfach hinweggesetzt. Daher haben wir gegen ihn gestimmt. Wir sagen auch heute zu Monti: "Wir vertrauen dir, sind auf deiner Seite. Aber so geht es nicht." Monti hat seinen Fehler auch eingesehen, doch wir haben trotzdem gegen ihn gestimmt - als Zeichen dafür, dass man so nicht mit uns umgehen darf. Wenn wir in Zukunft wieder Einigkeit erzielen können, werden wir wieder für ihn stimmen.

STANDARD: Montis Kurs ist aber prinzipiell für Sie in Ordnung?

Durnwalder: Der Kurs ist gut, sehr gut sogar. Es muss Ernst gemacht werden, sonst enden wir wie Griechenland! Italien ist nicht in einer so schlechten Lage, das Land kann sich selbst retten. Es wird Opfer brauchen, das müssen auch die Gewerkschaften einsehen. Die Wirtschaft soll einen Schub bekommen, dann aber auch Steuern zahlen. Es kann nicht sein, dass man einen Maserati fährt und dann beim Finanzamt 8000 Euro Jahreseinkommen angibt.

STANDARD: Greift Rom die Autonomie Südtirols an?

Durnwalder: Gewisse Minister in Rom lassen schon erkennen, dass sie die Sonderregelungen der autonomen Regionen in Italien abbauen möchten. Diese müssen aber eingehalten werden. Wir Südtiroler haben unser Autonomiestatut schließlich nicht gestohlen! Wir sind bereit, für nötige Reformen Opfer zu bringen. Es muss aber alles mit uns abgestimmt werden. Italien kann nicht einseitig unsere Autonomie abändern, denn sie ist international bestimmt worden: einerseits mit dem österreichischen Nationalrat und andererseits mit der Uno.

STANDARD: Hat Monti die politische Brisanz des Südtiroler Autonomiestatus unterschätzt?

Durnwalder: Ja, Monti hat als Technokrat vor lauter Reform- und Sanierungseifer zu wenig politisch gedacht. Ich erwarte mir von diesem Finanzexperten keine großen politischen Taten, aber zumindest ein klares Bekenntnis zur Autonomie Südtirols. Er muss einfach erkennen, dass es in Italien gewisse Realitäten gibt.

STANDARD: Wie stehen Sie zur Idee Ihres SVP-Parteikollegen, Wirtschaftslandesrat Thomas Widmann, Südtirol von Italiens Schuldenlast "freizukaufen" ?

Durnwalder: Das ist eine Diskussionsgrundlage mit nur wenig realistischem Sinn. Es ist nicht sinnvoll, dass wir - auf Basis der Gesamtbevölkerungszahl gerechnet - ein Prozent der italienischen Schulden übernehmen. Damit hätten wir auf einem Schiff eine Kabine, die schuldenfrei wäre, aber wir wären immer noch Teil des Schiffes - auch wenn es untergeht. Hier fehlt einfach der Nutzen einer Gegenleistung.

STANDARD: Österreich ist die Schutzmacht der Südtiroler. Wollen Sie mit Ihrem Besuch in Wien Druck auf Rom machen?

Durnwalder: Ich möchte meine Termine mit Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Michael Spindelegger schon als Signal verstanden wissen: Wir wollen Wien informieren, wie es in dieser bewegten Zeit bei uns aussieht. Österreich hat schließlich einen Vertrag mit Italien unterschrieben. Ich fahre aber nicht nach Wien, um jemanden anzuklagen oder anzuschwärzen.

STANDARD: Es ist anzunehmen, dass Sie auch das Thema Brennerbasistunnel ansprechen werden ...

Durnwalder: Natürlich. Ich wüsste gern, ob es die Regierung wirklich ernst meint, wenn Verkehrsministerin Doris Bures meint, Österreich habe wichtigere Vorhaben als dieses. Immerhin gibt es internationale Verträge. Italien jedenfalls steht zu diesen Verträgen.

STANDARD: Wie wird sich Südtirol in den nächsten Jahren entwickeln?

Durnwalder: Das Land ist gut gerüstet. Zum einen können wir wegen der Autonomie flexibel agieren und eine Politik betreiben, die wirklich tagtägliche Probleme löst. Zum anderen haben wir kaum Schulden und Arbeitslosigkeit. Auch das hilft uns: Wir müssen nicht alle Ressourcen einsetzen, bloß um Schulden zurückzahlen zu können.

STANDARD: Sie sind seit 1973 im Landtag und seit 1989 Landeshauptmann - und Sie scheinen noch nicht amtsmüde zu sein. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Durnwalder: Ich habe eigentlich nicht die Absicht, im Jahr 2013 noch einmal zu kandidieren. Es sei denn, man braucht mich für eine kurze Zeit, etwa für eine Übergangsregierung. Sicher ist auf alle Fälle: In fünf Jahren bin ich nicht mehr Südtiroler Landeshauptmann. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)

Luis Durnwalder (70) ist Landeshauptmann der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol. Er hält heute, Mittwoch, in Wien einen Vortrag vor der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik und die Vereinten Nationen (ÖGAVN). Außerdem trifft er mit Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Michael Spindelegger zusammen.

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Posting 1 bis 25 von 69
1 2
ja-nein-weiß-nicht-hab-angst
10
26.1.2012, 09:25

natürlich, "die dort in rom" hab nix anderes im sinn als ständig südtirol zu schikanieren. dieser durnwalder ist echt scho so zum kotzen, deutschnationale haben wir eh scho genug in österreich.

e g c
01
22.1.2012, 18:08

Jede Regierung (egal ob links oder rechts), die über eine solide Mehrheit im Parlament verfügt, ist für die SVP&Co der größte Feind, weil sie dann nämlich nicht mehr mit 1-2 Stimmen bei jeder einzelnen Abstimmung mehr Macht für sich erpressen können.

e g c
00
22.1.2012, 16:57
ach, der landesfürst regt sich ja nur auf ...

... weil er jetzt nicht mehr mit einer stimme 1000 zugeständnisse erpressen kann, wie unter berlusconi und prodi ...

partysan
21
19.1.2012, 19:30
die meisten Südtiroler wollen weg von Italien

also eigentlich wollen mitlerweile fast alle Südtiroler Parteien die Selbstbestimmung und einen unabhängigen Staat, sogar die Unitalia und die Grünen springen mittlerweile auf diesen Zug auf, und die SVP hat ein neues Konzept vorgestellt, Ziel sei die Vollautonomie (was fast das gleiche wäre), jedoch wächst, vor allem bei der ländlichen Bevölkerung auch der Zuspruch zu einer Wiedervereinigung mit Österreich. Bei einer Probeabstimmung im Ahrntal (organisiert von der proösterreichischen Südtiroler-Freiheit, nicht zu verwechseln mit den Freiheitlichen) stimmten 95 % für die Selbstbestimmung... http://www.selbstbestimmung.com/index.php... &Itemid=57

Dirty Sanchez i.R.
 
11
18.1.2012, 16:31
Mander, s'isch Zeit!

El Vez
31
18.1.2012, 15:49

die walschen sind mir doch wurscht!

e g c
01
23.1.2012, 11:27
warum beschimpfst du sie dann???

sog i eh
52
18.1.2012, 12:55

... weil ja unsere Volksgruppen in Österreich so einen guten Schutz haben. Vorbild Europas bla bla bla bla

sog i eh
52
18.1.2012, 16:23

wenn 150.000 Italiener kommen, haben sie ja ein Recht auf eine Autonomie, bekommen sie die? Oder wird dann so gemacht wie bei den Slowenen?
# oder dürfens dann Bomben legen mit ausländischer Hilfe, wie das die Südtiroler Terroristen gemacht haben?

john pell
10
18.1.2012, 12:04

Süd tirol ist in europa!!!

Paul Reis
00
18.1.2012, 15:04

Hmmm :-/

Eher ein Biotop innerhalb von Europa.

Porqué no te callas?
32
18.1.2012, 10:32

südtirol wär mir egal, nur das trentino hätt ich gern zurück. :)

Paul Reis
22
18.1.2012, 15:08

Danke für das Kundtun deines imperialistischen Großreichs Feuchten Traumes. Bist darin auch sicher Franz Joseph der II., gell?

Mahaloo
819
18.1.2012, 09:30
Südtirol ist Österreich!

asdf 1234
02
29.1.2012, 18:56
matto?

sog i eh
00
30.1.2012, 11:39

matto grosso

der_kleine_pariser
 
00
22.1.2012, 22:36

na gottseidank nicht.

Da gibt's so einen tollen laden in Bozen am Markt, mit Speck und Würsten aller art.

Wäre Südtirol bei Österreich, wäre das ein Handlgeschäft.

Magic Mike
35
18.1.2012, 15:23

die südtiroler sehen das aber anders...

Paul Reis
23
18.1.2012, 15:01

Was ist Österreich?

ka-r-li
52
18.1.2012, 14:31

die deutschsprachigen südtiroler fühlen sich weder als tiroler noch als österreicher sondern als deutsche.

sog i eh
00
18.1.2012, 14:44

sie fühlen sich als "deutsche" ?
also Anschluss ? habt ihr schon wieder großdeutsche Träume?

Im Exil
00
30.1.2012, 11:32

hab jetzt nicht so wahnsinnig viel mit südtirolern zu tun, aber die paar, die ich kenne, sagen (nach ein paar bier) tatsächlich genau das.

gibt eigentlich auch eine recht einfache erklärung dafür: als südtirol teil italiens wurde, gab es einfach noch keine österreichische nationalidentität - die kam ja eigentlich erst nach 45 - und die deutschsprachigen bewohner der monarchie sahen sich nun mal als "deutsche" und nicht als "österreicher".

ka-r-li
11
18.1.2012, 16:08

als südtirol ursprünglich italien zugeschlagen wurde, war der begriff "österreicher/in" noch nicht so verankert, man definierte nach (vorherrschender) sprache, also deutsch

sog i eh
00
18.1.2012, 16:14

seither sind fast 100 Jahre vergangen!

ka-r-li
00
18.1.2012, 19:30

das wissen sie und ich und alle anderen, interessiert dort aber niemanden.

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