Weil immer mehr Gäste online buchen, steigt auch die Abhängigkeit von (teuren) Plattformen. Die soll reduziert werden
Österreichs Hotellerie befürchtet, bei Weichenstellungen im Tourismus
nicht gehört zu werden.
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Schladming - Das Krisengewitter, das sich nach der Ratingabstufung nun rund
um den Schuldenberg Österreichs entlädt, wird auch die Tourismusbranche treffen.
Darin war sich der Großteil der gut 600 Teilnehmer am Kongress der
Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Schladming einig. Nun gibt es
zusätzlich die Befürchtung, bei wichtigen Entscheidungen für die Branche nicht
mehr gehört zu werden.
"Der Marketingbeirat der Österreich Werbung (ÖW) ist abgeschafft worden. Erst
im November will man uns informieren, wie es weitergeht im Tourismus", sagte
ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn.
Mit Kopräsident Peter Peer forderte Schellhorn am Dienstag einen intensiveren
Informationsaustausch. Dafür sei man auch bereit zu zahlen. Selbst eine
Beteiligung der ÖHV an der ÖW käme infrage. "Wir sind für alles offen", sagte
Schellhorn dem Standard.
Die ÖW, die über ein Marketingbudget von rund 43 Mio. Euro verfügt, gehört
derzeit zu 75 Prozent der Wirtschaftskammer; 25 Prozent hält der Bund. Gerade in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse mehr statt weniger geworben werden, sagt
die ÖHV. Schellhorn: "Wir sind Praktiker, wir haben die Zimmer und wissen,
worauf es ankommt."
Ungerechtfertigte Kritik?
ÖW-Chefin Petra Stolba hält die Kritik der ÖHV für "ungerechtfertigt". Auf
die Expertise der Hoteliervereinigung werde nicht verzichtet. Wahr sei vielmehr,
dass sich der nach dem Rückzug der Bundesländer aus der ÖW 2001 installierte
Marketingbeirat überlebt habe.
An seine Stelle tritt ein neues Gebilde, die Allianz Tourismus Marketing. Sie
besteht aus der sogenannten "Allianz der Zehn" (neun
Landestourismusorganisationen plus ÖW) und sechs Arbeitsgruppen. Zu diesen
sollen fallweise Experten beigezogen werden - bei spezifischen Fragen auch
Vertreter der ÖHV. Von der Neustrukturierung verspricht sich Stolba
Effizienzgewinne.
Weil Ende 2012 bereits jede dritte Hotelbuchung online erfolgen werde,
fürchten Hoteliers auch eine zunehmende Abhängigkeit von Plattformen wie
Booking, HRS und Co., verbunden mit hohen Provisionsabflüssen ins Ausland. Eine
nationale Buchungsplattform sei ein Gebot der Stunde, meint die ÖHV.
"Geht nicht", sagt Stolba. Die ÖW scheide als Trägerin aufgrund des
Beihilfenrechts aus. Außerdem kämen Entwicklung und laufender Betrieb einer mit
niedrigen Provisionen arbeitenden Plattform viel zu teuer.
In der Schweiz versucht die ÖHV-Schwesterorganisation Hotelsuisse gerade, die
Akzeptanz für Myswitzerland.com zu heben. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)