Hoteliers sehen sich ins Abseits gestellt

17. Jänner 2012, 18:37
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Weil immer mehr Gäste online buchen, steigt auch die Abhängigkeit von (teuren) Plattformen. Die soll reduziert werden

Österreichs Hotellerie befürchtet, bei Weichenstellungen im Tourismus nicht gehört zu werden.

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Schladming - Das Krisengewitter, das sich nach der Ratingabstufung nun rund um den Schuldenberg Österreichs entlädt, wird auch die Tourismusbranche treffen. Darin war sich der Großteil der gut 600 Teilnehmer am Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Schladming einig. Nun gibt es zusätzlich die Befürchtung, bei wichtigen Entscheidungen für die Branche nicht mehr gehört zu werden.

"Der Marketingbeirat der Österreich Werbung (ÖW) ist abgeschafft worden. Erst im November will man uns informieren, wie es weitergeht im Tourismus", sagte ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn.

Mit Kopräsident Peter Peer forderte Schellhorn am Dienstag einen intensiveren Informationsaustausch. Dafür sei man auch bereit zu zahlen. Selbst eine Beteiligung der ÖHV an der ÖW käme infrage. "Wir sind für alles offen", sagte Schellhorn dem Standard.

Die ÖW, die über ein Marketingbudget von rund 43 Mio. Euro verfügt, gehört derzeit zu 75 Prozent der Wirtschaftskammer; 25 Prozent hält der Bund. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse mehr statt weniger geworben werden, sagt die ÖHV. Schellhorn: "Wir sind Praktiker, wir haben die Zimmer und wissen, worauf es ankommt."

Ungerechtfertigte Kritik?

ÖW-Chefin Petra Stolba hält die Kritik der ÖHV für "ungerechtfertigt". Auf die Expertise der Hoteliervereinigung werde nicht verzichtet. Wahr sei vielmehr, dass sich der nach dem Rückzug der Bundesländer aus der ÖW 2001 installierte Marketingbeirat überlebt habe.

An seine Stelle tritt ein neues Gebilde, die Allianz Tourismus Marketing. Sie besteht aus der sogenannten "Allianz der Zehn" (neun Landestourismusorganisationen plus ÖW) und sechs Arbeitsgruppen. Zu diesen sollen fallweise Experten beigezogen werden - bei spezifischen Fragen auch Vertreter der ÖHV. Von der Neustrukturierung verspricht sich Stolba Effizienzgewinne.

Weil Ende 2012 bereits jede dritte Hotelbuchung online erfolgen werde, fürchten Hoteliers auch eine zunehmende Abhängigkeit von Plattformen wie Booking, HRS und Co., verbunden mit hohen Provisionsabflüssen ins Ausland. Eine nationale Buchungsplattform sei ein Gebot der Stunde, meint die ÖHV.

"Geht nicht", sagt Stolba. Die ÖW scheide als Trägerin aufgrund des Beihilfenrechts aus. Außerdem kämen Entwicklung und laufender Betrieb einer mit niedrigen Provisionen arbeitenden Plattform viel zu teuer.

In der Schweiz versucht die ÖHV-Schwesterorganisation Hotelsuisse gerade, die Akzeptanz für Myswitzerland.com zu heben. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)

  • Von der Idylle, die heimische Tourismus-Werber gern vermitteln, ist 
derzeit nichts zu spüren. Die Hoteliers beklagen, dass sie in der Österreich 
Werbung ins Abseits gedrängt werden.
    foto: kärnten werbung

    Von der Idylle, die heimische Tourismus-Werber gern vermitteln, ist derzeit nichts zu spüren. Die Hoteliers beklagen, dass sie in der Österreich Werbung ins Abseits gedrängt werden.

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