Airline-Caterer Favorit für Zugbewirtschaftung ab April - Stückgutverkauf geplatzt
Wien - Die Präsentationen und Hearings der Bewerber sind abgeschlossen, nur
die offizielle Verkündigung der Entscheidung steht noch aus. Die Wahl des neuen
ÖBB-Caterers fiel laut gut unterrichteten ÖBB-Kreisen auf den Favoriten der
ÖBB-Führung: Künftig kocht Do & Co für die ÖBB.
Der Airline-Caterer und Demel-Betreiber soll die ÖBB-Fahrgäste ab 1. April
nicht nur im Railjet bekochen, sondern in allen Schnellzügen mit Getränken und
Snacks versorgen. Der Vertrag gilt, wie berichtet, bis Ende 2015 mit Option auf
Verlängerung. Do & Co hat sich damit gegen Konkurrenten wie die
Wagon-Lits-Tochter New-Rest, die zur Lufthansa gehörende LSG SkyChefs und den
aktuellen ÖBB-Zugbewirtschafter E-Express durchgesetzt. Airest mit TV-Köchin
Sarah Wiener an Bord war bereits ausgeschieden.
Die ÖBB bestätigte die Wahl nicht. Wohl seien die Präsentationen
abgeschlossen, die Entscheidung sei aber ebenso wenig gefällt wie der Zuschlag
für die Zugbewirtschaftung erteilt, betonte eine Sprecherin auf
Standard-Anfrage.
Ob die Kulinarik im Zug besser und billiger wird für die ÖBB, wie als Ziel
der Ausschreibung postuliert worden war, bleibt abzuwarten. Billiger für die
Konsumenten sollten zumindest Kaffee, Mineralwasser und Bier werden, denn
diesbezüglich gab es in der Ausschreibung Vorgaben. Nicht sinken dürfte die
Zuzahlung der ÖBB zum Bordservice. Im Gegenteil. Das sogenannte
Dienstleistungsentgelt, das die Staatsbahn für unrentable Services zuzahlt,
dürfte mit der Auslieferung der letzten Railjet-Tranche sogar steigen, laut
Standard-Recherchen von 16 auf 23 Millionen Euro, davon mindestens 3,5 Mio. für
Railjet-Services. Die werden, wie berichtet, mit jenem in "gemeinen"
ÖBB-Schnellzügen "harmonisiert". Heißt auf gut Deutsch: Ab April wird dem
aufwändigen Premium-Service mit häppchenweise serviertem Gratisessen ein
Downgrade auf die übrige erste Klasse verpasst.
Ladenhüter Stückgut
So weit wie beim Speisewagenservice im ÖBB-Personenverkehr ist die Bundesbahn
bei der Sanierung des defizitären Stückgutbereichs im ÖBB-Güterverkehr noch
nicht. Der angestrebte Verkauf des Geschäfts mit Lagerung und Zustellung von
Weiß- und anderen (Versand-)Waren an die niederländische Raben-Group ist
geplatzt. Die notwendigen Investitionen in die ÖBB-Logistikcenter seien nicht zu
verdienen. Ob sich nun die ursprünglich geplante Ausgliederung samt Hereinnahme
eines internationalen Partners noch realisieren lässt, ist offen. (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2012)