Die Sporthilfe rudert zurück und kündigt an, die Förderungen für Olympioniken zu erhöhen und Richtlinien zu überarbeiten
Wien - Markus Rogan ist also doch Weltklasse. Und Dinko Jukic auch. Und
alle anderen österreichischen Sportler, die zu den Olympischen Spielen
nach London (ab 27. Juli) fahren. Zumindest werden sie, entgegen ersten
Plänen, von der Sporthilfe wohl unter "Weltklasse" eingestuft.
Sporthilfe-Geschäftsführer Anton Schutti, der sich am Mittwoch mit
Vertretern von Fachverbänden (Schwimmen, Leichtathletik, Turnen) traf,
sicherte zu, dem Sporthilfe-Vorstand einen dahingehenden Vorschlag zu
machen, der bis Ende Jänner abgesegnet sein soll. Die Einstufung jener,
die für London qualifiziert sind, gilt rückwirkend ab Jahresbeginn.
Demnach hätten sich die zunächst halbierten Rogan und Jukic
(Leistungsklasse: 220 Euro) auch schon wieder zurück-verdoppelt. Wäre
Zurückrudern eine olympische Disziplin, könnte sich die Sporthilfe
selbst prämieren. Noch mehr als Rogan und Jukic dürfte etwa ihre
schwimmende Kollegin Jördis Steinegger profitieren, die ebenfalls das
Olympia-A-Limit erbrachte und aus der "Sonderklasse" (150 Euro) in die
"Weltklasse" aufsteigen sollte.
Ähnliches gilt für die Turner Fabian Leimlehner und Barbara Gasser sowie
für etliche Leichtathleten. Unterschieden wird nur bei jenen, die zwar
schon einen Quotenplatz für Österreich holten, aber noch nicht fix damit
rechnen können, selbst nach London zu fahren - weil sie ein Teamkollege
noch überflügeln könnte. Sie fallen demnächst unter "Leistungsklasse"
(220 Euro), was in den allermeisten Fällen aber auch ein Upgrade
bedeutet. So verbessert es sich die Speerwerferin Elisabeth Eberl von 75
auf 220 Euro Sporthilfe-Unterstützung. Liegt sie auch am Ende des
Qualifikationszeitraums (8. Juli) vor ihrer rekonvaleszenten Kollegin
Elisabeth Pauer, erhöht sich ihre Förderung rückwirkend (ab
Jahresbeginn) auf 440 Euro.
Unklar ist, wieso die Sporthilfe die Fachverbände mit ihrem ersten, noch
dazu unmittelbar vor Weihnachten übermittelten Entwurf vor den Kopf
gestoßen hat. Thomas Gangel, Generalsekretär des Schwimmverbands (OSV):
"In den Jahren zuvor führten wir Gespräche, und dann wurde eingestuft.
Diesmal wurde eingestuft, und erst danach gab's ein Gespräch." Dieses
verlief am Mittwoch allerdings "sehr, sehr positiv", wie auch Hannes
Gruber bestätigt, der Sportdirektor des Leichtathletik-Verbands (ÖLV).
"Die Vorgangsweise ist vernünftig und fair", sagt Gruber, "die
Sporthilfe nimmt deutlich mehr Geld in die Hand, als sie ursprünglich
wollte." Gangel und Gruber freuen sich auch darüber, dass die
Förderrichtlinien der Sporthilfe überarbeitet werden sollen.
Seitens der Sporthilfe wird betont, dass der Umfang der Fördermittel
ständig zunehme (2,2 Millionen Euro 2010). Und dass sie kein Geld vom
Bund erhalte, sondern sich durch Sponsoren, Partnerschaften,
Veranstaltungen (Galanacht des Sports) und Fundraising
(Go-for-Gold-Armbänder) finanziere. Hauptsponsor der Sporthilfe sind die
Lotterien mit einem jährlichen Betrag von 1,3 bis 1,4 Millionen.
Seit heuer unterstützt die Sporthilfe, deren Präsident, Minister Norbert
Darabos, sich aus dem operativen Geschäft heraushält, auch
Behindertensportler. Dass sie deshalb in finanzielle Zwänge geriet und
partout sparen wollte, wird allerdings bestritten. Schutti will durch
zusätzliche Partnerschaften und Initiativen Geld für den
Behindertensport aufstellen. (Fritz Neumann; DER STANDARD Printausgabe 18.01.2012)