Kritik

Rechnungshof zerpflückt Salzburger Festspiele

Thomas Neuhold , 17. Jänner 2012, 18:28

Mangelhaftes Rechnungswesen, mangelhafte Revision: Der Rechnungshofbericht ortet jede Menge Schwachstellen im Millionenbetrieb der Salzburger Festspiele

Deren Präsidentin, Helga Rabl-Stadler, ist geschockt.

Salzburg - Rechnungshofpräsident Josef Moser war am Dienstag persönlich an die Salzach gereist, um den - nach den inzwischen bei der Staatsanwaltschaft anhängigen Malversationen rund um die Osterfestspiele - mit besonderer Spannung erwarteten Prüfbericht über die Sommerfestspiele vorzustellen: Die Salzburger Festspiele mit einem Gebarungsumfang von 50 Millionen Euro "erfüllen nicht einmal die Voraussetzungen, die ein Verein erbringt, der einen Gebarungsumfang von einer Million Euro hat", fasste Moser die Kritik in einem Satz zusammen.

Jeder Verein der Größenordnung von einer Million oder mehr Umsatz sei verpflichtet, einen Jahresabschluss mit Bilanz sowie mit Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen, heißt es im Prüfbericht. Die Festspiele hingegen würden sich auf eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung beschränken. Sie verfügten "über kein Rechnungswesen, "das der finanziellen Bedeutung und ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Stellung gerecht wird".

Ferner bemängeln die Prüforgane Defizite in der internen Kontrolle und in der Revision. Die interne Revision sei "systemwidrig dem Kuratorium und nicht dem Direktorium" unterstellt.

Als gänzlich ungeeignet beurteilen die Prüfer auch die Konstruktion des Festspielfonds. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) vertrete als Kuratoriumsvorsitzende den Fonds nach außen "und konnte auch operative Geschäfte abschließen". Das Direktorium wiederum hatte die laufenden Geschäfte des Fonds zu führen. Fazit: Es habe "keine strukturelle Trennung der Aufsichtstätigkeit des Kuratoriums von der operativen Tätigkeit des Direktoriums" gegeben.

"Interessenkollisionen"

Beim Festspielfonds, beim Erhaltungs- und Nutzungsverein, bei der Haus für Mozart GmbH und den Osterfestspielen seien dieselben Personen - Landeshauptfrau und Bürgermeister der Stadt - in mehreren Funktionen tätig, hält der Bericht fest. Es bestehe die Gefahr, dass "gegenläufige Interessen" nicht gewahrt würden.

Und weiter zum selben Thema: "Die Steuerberaterin des Vereins erstellte den Jahresabschluss und war gleichzeitig als Rechnungsprüferin tätig", heißt es im Bericht. Präsident Moser: "Die Steuerberaterin prüfte sich selbst."

Auch das Vier-Augen-Prinzip vermisst der Rechnungshof. Die entsprechenden Zeichnungsregeln seien großteils weder beim Fonds noch beim Erhaltungs- und Nutzungsverein der Festspielhäuser eingehalten worden. Zudem habe man es auch mit dem Vergaberecht nicht so genau genommen. Gleich zwölf Beschaffungsvorgänge mit einem Volumen von insgesamt rund 1,6 Millionen Euro hat der Rechnungshof gefunden, wo das Bundesvergaberecht umgangen worden sei.

"Penible Rechnung"

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ist vor allem über den Vorwurf eines mangelhaften Rechnungswesens "geschockt". Man habe eine "penible Einnahmen-Ausgaben-Rechnung", verteidigte Rabl-Stadler im STANDARD-Gespräch die bisherige Praxis. Freilich: Über die geforderte Bilanzlegung "kann man reden", fügt sie an. Dies wohl auch in Richtung Rechungshofschef Moser: Dieser hatte den Festspielen "hinhaltenden Widerstand" und Reformunwillen vorgeworfen.

Keine Freude hat die Festspielpräsidentin mit den im Bericht vorgeschlagenen dreijährigen Rahmenförderungsverträgen. Real würde dies für Salzburg eine Verschlechterung bringen, da bis jetzt im Festspielgesetz ohne genauere Bezifferung nur geregelt sei, dass Bund, Land und Stadt Salzburg sowie der Tourismusfonds "den Abgang" zu übernehmen hätten.

Detailliert will Helga Rabl-Stadler am Donnerstag zu den einzelnen Punkten des Prüfberichtes Stellung beziehen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 18. Jänner 2012)

Kommentar posten
18 Postings
S.Peschina
00
20.1.2012, 08:59
Stellungnahme?

Gibt's irgendwo einen Bericht über die für gestern angekündigte Stellungnahme der Präsidentin?

Toni Laddorfer
00
18.1.2012, 20:13
Ein Paradebeispiel der Korruption in unseren Land

Rot und schwarz bedienen sich in Eintracht. Das alles geschieht im Namen der Kultur. Umwegsrentabilität ist das magische Wort mit dem das Schmarotzertum gerechtfertigt wird. Eine Politikerin der 2. Generation wie Rabl-Stadler beherrscht die Palette der Manipulation aus dem effeff: Sie weiß wie man sich bedient.

Chrischarn
00
18.1.2012, 15:34
Präsidentin, Helga Rabl-Stadler, ist geschockt...

...und bleibt natürlich im Amt!

tablespace65
00
18.1.2012, 14:51
Und wieder einmal bekommt eine (ehemalige) ÖVP-Lichtgestalt "ihr Fett ab"...

Roberto Regina
00
18.1.2012, 14:39
Nichts neues

Gerard Mortier hatte dies alles schon in den neunziger Jahren festgestellt und denunziert. Er ging; Rabl-Stadler blieb.
Sic transit gloria mundi...

?und
01
18.1.2012, 13:14
gibt es noch einen bereich in unserem land, der nicht versaut ist?

Dr. Peter Ramsauer
00
18.1.2012, 10:37
Zur Information:

Auf dem Klagsweg wurde von mir versucht, die Einhaltung des Stellenbesetzungsgesetzes auch bei den Festspielen zu erwirken. In 8 ObA 1/11x hat der OGH zwar erkannt, dass die Festspiele hoechstwahrscheinlich (!!!) dem Stellenbesetzungsgesetz unterliegen, die Klage (auf Ausschreibung bzw. Feststellung derselben) aber abgewiesen.
Bemerkung am Rande: die beiden an der Entscheidungsfindung beteiligten Laienrichter waren zum Zeitpunkt der Entscheidung Mitglieder des Vorstandes der PVA, die von der gleichen Rechtsfrage betroffen war. Darin sah derselbe Senat des OGH allerdings keine Befangenheit, und wies die dagegen ergangen Nichtigkeits- bzw. Wiederaufnahmsklage ab.
Das Kuratorum hat Dr. Rabl Stadler's Vertrag ohne Ausschreibung verlaengert.

?und
00
18.1.2012, 13:16
das ist kultur, in diesem fall rechtskultur-

donna corleona
00
18.1.2012, 10:17

Also wenn man die merkwürdige Vorgangsweise bei den Bundestheatern (Evaluationsergebnisse wurden erst nach wiederholten Anfragen der Grünen offengelegt), die Skandale in Wiener Museen und die anhaltende Reformverweigerung bei den Salzburger Festspielen einigermaßen aufmerksam verfolgt,
--> http://www.salzburg.com/online/na... uenen.html
stellt sich schön langsam die Frage, ob nicht ein eigener Untersuchungsausschuss "Kunst-Korruption" angebracht wäre...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
18.1.2012, 08:26
Di eFrau R-S hat doch früher ein nicht ganz winziges Modegeschäft (aber immer noch wesentlich umsatzkleiner als dei Festspiele) geführt.

ist sie dort auch mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung durchgekommen bei der Finanz?

René Herndl
00
18.1.2012, 16:57
Gerüchten zufolge hat sie ...

... mit ihrem geschäft zweimal Pleite gemacht - ganauer gesagt stillen Ausgleich, was aber letztlich egal ist. Geschäftlich hat sich diese Dame jedenfalls keine Verdienste erworben.

afterthought
00
18.1.2012, 04:22

Warum ueberrascht mich das jetzt nicht sonderlich??

René Herndl
03
17.1.2012, 23:20
Und was wird sich bei den Festspielen ...

.... jetzt ändern? Gar nichts, weil dieser Selbstbedienungsladen politisch geführt bzw. beeinflusst ist, weil es hier Interessen gibt, die keiner Prüfung unbterzogen werden sollen. Warum wird, da ja Steuergeld für die Festspiele investiert wird, keine Bilanz veröffentlicht? Hat der Steuerzahler kein recht, zu wissen, wofür und wie sein Geld ver(sch)wendet wird? Warum werden Posten hier nicht öffentlich ausgeschríeben? Warum redet man immer über die Umwegrentabilität und lässt nicht endlich den "Umweg" weg? Warum wird eine Zusatzsteuer in Form einer Tourismusabgabe eingehoben? Ohne Kontrolle? etc.etc...

Tschikist
01
17.1.2012, 22:15

Aber Hauptsache der Kaufmännische Direktor wurde abgeschafft und Frau Rabl-Stadler hat auch noch die kaufmännische Direktion übernommen. Ein Hohn!

derfnam
01
17.1.2012, 19:09
frau rabl-stadler ist geschockt!

sowas aber auch....
unglaublich dreist.

Ar Mutschgerl
01
17.1.2012, 23:31
Frau Rabl-Stadler ist geschockt

Schließlich ist die ehemalige Abgeordnete von der ÖVP und kann demzufolge wirtschaften. Wie alle in der ÖVP.

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