"Das Ziel ist Verdichtung"

22. Jänner 2012, 16:34
  • Im Sommer am Donaukanal radeln, oder in Ljubljana... In mehr als 60 Städten weltweit hat sich das Citybike Wien-System durchgesetzt.
    foto: gewista

    Im Sommer am Donaukanal radeln, oder in Ljubljana... In mehr als 60 Städten weltweit hat sich das Citybike Wien-System durchgesetzt.

Mit knalligen Logos verzierte Fahrräder mit Körbchen prägen das Stadtbild - Hinter der Verdichtung des urbanen Radelns stehen Hans-Erich Dechant und sein Team

"Hallo, ich rufe wegen dem verschwundenen Fahrrad von vor drei Jahren an." - "Ja, ich kann mich erinnern ..." - "Das habe aber gar nicht ich gestohlen, das ist nämlich mir gestohlen worden." - "Aha." - "Jetzt ist es wieder aufgetaucht, und die Richterin hat gesagt, ich soll es zurückgeben." - "Wo ist es denn aufgetaucht?" - "In meinem Keller. Ich weiß auch nicht, wie ..."

Bei der Rückgabe des Fahrrades fragte der Reuige dann nach einem Job bei Citybike Wien. Daraus wurde nichts, "die Vertrauensbasis war leider nicht gegeben", sagt Projektmanager Hans-Erich Dechant. Der Hochradbauer und Aktivist in der Fahrrad.Selbsthilfe.Werkstatt des WUK ist ein "Urgestein" der Wiener Fahrradszene und vielen auch als "HAE" bekannt.

"Viel geschlafen habe ich nicht"

Ende Jänner 2003 war es, als die Gewista den Zuschlag für ein Fahrradverleihsystem in Wien bekam. Dechant erhielt im März den Auftrag, bis Mai ein elektronisches Sicherheitssystem auf die Füße zu stellen, das den Ansprüchen von Nutzern und Anbietern genügt. "Viel geschlafen habe ich in dieser Zeit nicht", erzählt Dechant. Es habe zwar bereits einen Prototyp für das Terminal im Labor gegeben, allerdings mit unkomfortabler Bedienung.

Die entscheidende Idee kam von Gewista-Projektleiter Dieter Matuschek: die Fahrrad-Entlehnung mittels einer Karte, die man ohnehin in der Tasche trägt - also Bankomat- oder Kreditkarte. Darüber hinaus kann man auch eine eigene Citybike-Wien-Card oder eine Touristenkarte in Anspruch nehmen.

Learning by doing

Als im Mai 2003 die erste Citybike-Wien-Station eröffnete, entlieh der damalige Verkehrsstradtrat Rudi Schicker (SPÖ) medienwirksam das erste Rad. Hans-Erich Dechant erzählt: "Ich stand mit dem Handy im Hintergrund und habe laufend das IT-Büro informiert: Jetzt drückt er auf diesen Knopf ... jetzt auf diesen ... Es ist alles gutgegangen."

Allerdings nicht für alle Menschen, die in den Anfängen Räder ausleihen wollten. "Da wir nur zwei Monate Zeit für die Entwicklung hatten, war das System nicht perfekt. 20 Prozent der Entlehnungen haben mit einer Fehlermeldung geendet. Die Nutzer haben dann sofort bei uns angerufen. Und das war gut so!", sagt Dechant. "Zum einen war die Entwicklung des Systems während der Nutzung eine unserer Stärken, zum anderen haben wir dadurch in der Startphase eine gute Bindung zu unseren Nutzern erhalten."

Heute rufe dagegen kaum noch jemand an, wenn eine Störung auftrete. Die Betroffenen gehen einfach zur nächsten Station. Was bei derzeit 92 Standplätzen in Wien relativ einfach ist. Auf Störungen muss das Citybike-Wien-Team nun meist selbst draufkommen. Im Sommer fahren sieben Servicetechniker - darunter seit 2011 auch zwei Technikerinnen - mit dem Fahrrad täglich 80 Prozent der Stationen ab, im Winter wird jede Station durchschnittlich einmal pro Woche besucht.

Von Mai bis Oktober 2012 werden drei zusätzliche Servicetechniker engagiert. Sie überprüfen die Räder und Terminals, führen Reparaturen in der Liesinger Werkstatt durch und sorgen für die Verteilung der Räder. "Man muss Fahrräder reparieren können, den B-Führerschein und Verständnis für IT haben", wendet sich Dechant an alle Interessierten.

Verschwundene Räder

11.000 Anrufer wählten im Jahr 2011 die Citybike-Wien-Hotline. Mittlerweile kümmern sich die Mitarbeiter eines Callcenters um die Anliegen. Spezielle Themen landen aber nach wie vor bei Dechant und seinem zweiköpfigen Team im Büro in Wien-Landstraße.

Oft geht es um "verschwundene" Räder. Ein Klassiker: "Ich hab' so dringend aufs WC müssen und das Rad unabgesperrt vor dem Lokal stehen lassen, und eine Minute später war es weg." - "Wir finden es wieder", beruhigt Dechant. Nur vier von 1.400 Rädern sind 2011 nicht mehr aufgetaucht.

Verantwortung wird großgeschrieben. "Jeder haftet für das Rad, das er ausborgt. Das ist auch der Grund, warum das Ganze funktioniert." Ein verlorenes Rad kann bis zu 600 Euro kosten.

Das erste System seiner Art

In mehr als 60 Städten weltweit hat sich das Citybike-Wien-System bis heute durchgesetzt. Niemand behauptet, dass es das erste Fahrrad-Verleihsystem weltweit sei, es ist allerdings das erste seiner Art: Die persönliche Anmeldung an einem Terminal mit einer geläufigen Karte, ein Tarifsystem für kurze Gratisfahrten und höhere Preise für längeres Entlehnen sowie die hohe Verfügbarkeit der Räder sind in Wien erstmals realisiert worden. Weshalb in den letzten Jahren Delegationen aus Paris, Dublin und dem australischen Brisbane nach Wien gekommen sind, um das Citybike-Wien-System zu begutachten und zu übernehmen. Erst 2011 ist ein weiteres System in Ljubljana eröffnet worden.

Die Räder im Donaukanal

Bereits ein Jahr vor Citybike Wien, 2002, war Wien Leihradstadt. Das idealistische, weil auf Vertrauen basierende Projekt Viennabikes hielt sich aber nicht lange, wenn auch wesentlich weniger Räder im Donaukanal landeten als medial propagiert: "Die meisten Räder sind nach etwa drei Wochen wieder zu uns zurückgekehrt", sagt Dechant, der bereits bei diesem Projekt für die Logistik verantwortlich war. "Viennabikes war wichtig. Es hat bewiesen, dass die Zeit für Leihräder in Wien reif war, und das Thema Fahrrad in der Stadt medial eröffnet." Viel gelernt habe man daraus, etwa dass nicht nur die Motivation, ein Fahrrad auszuleihen, gegeben sein muss, sondern auch die, es wieder zurückzubringen.

Die Regeln

Die Regeln für die Entlehnung eines Fahrrades über Citybike Wien sind einfach: Man meldet sich persönlich für die Entlehnung an, zahlt für die erste Stunde nichts, für die weiteren Stunden proportional mehr und haftet für den Verlust des Fahrrads. Die meisten Radler nutzen das Gratisangebot. "Zwölf Minuten ist unsere häufigste Entlehndauer", sagt Dechant. Für stundenlange Fahrten ist das Citybike nicht konzipiert. "Es ist für urbanes Radfahren kurzer Distanzen von A nach B gedacht, und wir wollen auch nicht in Konkurrenz mit den klassischen Fahrradverleihen treten."

Citybike-Stationen in dicht besiedelten Bezirken mit rund 15.000 Einwohnern pro Quadratkilometer machen für Dechant und sein Team Sinn. "Bei Bezirken wie Floridsdorf oder Donaustadt mit 2.500 bis 3.000 Einwohnern pro Quadratkilometer funktioniert unser System nicht", erklärt er. "Die Leute fahren mit der U- oder Schnellbahn in die inneren Bezirke zur Arbeit, und da stehen wir mit unseren Rädern bereit." 1.400 Räder gibt es derzeit an 92 Stationen. Was die Förderung durch die Stadt Wien betrifft, soll per Vertrag bis 2015 auf 120 Stationen ausgeweitet werden. Eine Vorgabe, die Dechants Ambitionen nicht gerecht wird: Er will diese Zahl bis zur Velocity - also bis Juni 2013, wenn die internationale Fahrradkonferenz in Wien gastiert - erreichen. "Das Ziel ist Verdichtung."

In Konkurrenz mit dem Altglascontainer

"Zuerst muss es einen öffentlichen Wunsch geben", erklärt Dechant auf die Frage, wie eine neue Citybike-Wien-Station entsteht. "Entweder wenden sich Anrainer an einen Bezirksvertreter und dieser in der Folge an uns. Oder der Bezirk, der seine neuen Citybike-Wien-Stationen übrigens auch mitfinanziert, tritt selbst an uns heran."

Der Bezirk kontaktiert Fahrradkoordinator Franz Blaha. Gemeinsam erkundet man, ob ein geeigneter freier Platz gegeben ist. Ein Antrag wird eingereicht, dann folgt eine Verhandlung, und am Ende steht im besten Fall eine Genehmigung. Dann können die Bauarbeiten beginnen. Die Stadt Wien - konkret die MA 28 - bietet finanzielle Unterstützung. 

Nach achteinhalb Jahren ist Citybike Wien etabliert und akzeptiert, aber die freien Flächen in der Metropole sind knapp bemessen. "Wir haben auch schon gegen Altglascontainer verloren", bedauert Dechant, "und auch gegen Autoabstellplätze." Obwohl er doch  ein unschlagbares Argument ins Feld führt: "Tatsache ist: Eine Citybike-Wien-Station hat eine wesentlich höhere Nutzungsintensität als ein Autoabstellplatz." (Eva Tinsobin, derStandard.at)

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Stellplätze im 3.Bezirk

Zwei Radanlagen - ein trauriges Ergebniss.

Mitten auf der Landstrasse (Nähe Galleria) ist Schluß - weiter hinten Anfang Baumgasse kommt der Rabenhof als ein potentielles Kundengebiet.
Vor dem Rabenhoftheater zum Beispiel gäbe es eine geeignete Fläche für die Radanlage - und sicher noch andere in Richtung Simmering - St. Marx, Gasometer da gibt es weit und breit keine Möglichkeit obwohl es einen gute Anbindung an die Radwege gibt.

Schade das da (von der Politik) gebremst wird.

2011: Weniger als 1 Mio Fahrten ... macht 0.1% Verkehrsanteil

gähn.

Selbst eine Verzehnfachung wäre noch lächerlich.

Und, wenn endlich mal wo eine neue Station gebaut wird, steht die, erraten, am Gehsteig..

und das obwohl die Grünen für die Verkehrsplanung zuständig sind

absolut FAIL

Hab mir auch einen Account zugelegt ...

aber es hat gedauert, nachdem ich im Winter bei der Anfangsphase des Projekts mich in der Stadt verlaufen hatte, doch dann sah ich eine City Bike Station, und dachte mir, fein - muss ich nicht so weit gehen bis zum Schwedenplatz ...

Tja, das Eingeben der Daten hat lange gedauert aber dann funktioniert ... aber ein Rad konnte ich mir aufgrund eines "internen Fehlers" nicht ausborgen ...

Hab dann mal die nächsten Jahre die Finger davon gelassen, und mich erst im September wieder daran getraut.

Eine Station in Floridsdorf wäre aber wirklich toll, zumindest am Spitz ...

Beschämend,...

...wie lange sich der Bezirksvorsteher des Fünften Bezirks gegen Fahrradstationen zur Wehr gesetzt hat. Zum Glück wurde er übergangen, hoffentlich wird er bei der näxten Wahl auch übergangen.

Herzelichst
Ihr Lappe

Gerade in 1050 hat sich einiges getan. Siebenbrunnenplatz, Matzleinsdorfer,...

Ja eh hat sich was getan. Aber erst in den letzten drei Wochen!

Vorher hat der Kurti jahrelang sämtliche derartige Anfragen, Vorschläge und Anträge mit äußerst fadenscheinigen Begründungen abgeschmettert: kein Bedarf, kein Platz, würde Stellplatzverlust einer Parkbank bedeuten udergl.

Aber jetzt lässt er sich plötzlich als Held des Radverkehrs abfeiern... Unglubwürdig auf allen Ebenen dieser Mann!

Herzelichst
Ihr Lappe

Find ich interessant!

Ich fand den fünften immer sehr menschen- und radfreundlich (Bäume, Einbahnen offen,...) und dachte mir nicht dass Wimmer gegen Citybikes war/ist.

Bin 2002 nach Wien gezogen und habe auf den Viennabikes die Stadt kennen gelernt, das war sehr schön! Leider ist das alte System gescheitert, aber die Citybikes sind die wohl beste Lösung.

Bei den Autos funktioniert cas Car2Go-System ähnlich, habe ich auch schon ausprobiert, sehr gut.

Irgendwann wird sich die Gesellschaft wohl ganz auf diese Art der Mittelverwendung umstellen (müssen) – weg vom Eigentum, hin zum Erwerb eines Rechts, etwas zu Verwenden.

hallo hallo

beim auto sowieso, da mach ichs seit jahren genauso.
aber rad will ich mein eigenes :D

Oder wir lassen das mit der Umstellung... gefällt mir eigentlich besser.

Bleiben wir bei Eigentum und gut ists!

"Oder wir lassen das mit der Umstellung... gefällt mir eigentlich besser."

Ja, mir eigentlich auch.
Das mit der Umstellung war ein Vorschlag, den man mal eine Sekunde lang überdenken konnte - aber im Endeffekt: Nein, lieber nicht.

Warten Sie nur, bis jeder Mensch auf der Welt sein eigenes Auto hat... dann gibt es nämlich keine Welt mehr.

warten sie nur, bis jeder heute lebende mensch 10 (direkte oder indirekte) nachkommen hat, dann fällt das mit den autos auch nicht mehr ins gewicht.

Wird nicht passieren.

Wirtschaftskrisen, Kriege und Armut werden uns vor diesem Szenario wirkungsvoll schützen. :)

"weg vom Eigentum, hin zum Erwerb eines Rechts, etwas zu Verwenden."

ui, feuchte kommunistenträume.

oooooooh

*ANGST*, kommunisten!!!

Klar, da muss man sich

ja fürchten, der Kommunismus funktioniert für alle Zeiten tadellos, wie die zahlreichen Beispiele der Vergangenheit gezeigt haben und uns immer noch ein leuchtendes Vorbild der einzig waren Ideologie sind.
Und jetzt kommt sicher wieder: "Das war gar kein richtiger Kommunismus!"

Das war gar kein richtiger Kommunismus!

angst? eher belustigung.

Ob das künftig

auch für die Frau im eigenen Bett gilt? ;)

Da gilt sowieso die goldene Regel:
If it flies, floats or fucks - it's cheaper to rent it.

Na du mußt das so sehen:

was man nie besessen hat, braucht einem auch nicht mehr genommen werden.

Der Arbeitgeberbeitrag beim Gehalt ist da ein Musterbeispiel :)

Mehr Stationen noetig

Die Citybikes sollten vor allem in den Aussenbezirken wo die Oeffi-Anbindung nicht so gut ist ausgebaut werden. Gerade dort waere es optimal um von und zu den Oeffi-Stationen zu gelangen. In Paris, Lyon usw. gibt es wesentlich mehr Stationen, jedes Fahrrad wird dort wesentlich oefter genuetzt.
Wenn es in Pais moeglich war mehr als 1.000 Stationen innerhalb eines Jahres aufzubauen muss es in Wien moeglich sein 500 zu errichten. Fuer eine Stadt wie Wien muss das auch finanzierbar sein. Mit den Citybikes kann man sicher auch viele Autofahrer dazu verfuehren vom Auto auf die Kombination Citybike Oeffis umzusteigen.

jetzt nur noch das scheppern der räder abstellen

finde das system echt toll, aber die fahrräder sollten echt nicht so laut sein. wenn jemand in der seitenstraße auf einen zukommt hört man das von weitem am spezifischen scheppern

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