In Wien proben Reporter den Aufstand - beispiellose Übergriffe auf Medien in Afrika

Blog | Rubina Möhring, 18. Jänner 2012, 15:28

  • Es ist ein Vergnügen, sich die Videobotschaft wieder und wieder anzusehen: 55 ORF-RedakteurInnen treten für Unabhängigkeit und gegen Postenschacher ein.

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    foto: ap/farah abdi warsameh

    Geschlossen wegen unliebsamer Berichterstattung: Horn Cable TV

ORF-RedakteurInnen wagen sehr ernsthaft eine kesse Lippe

Sie wagen hochprofessionell und sehr ernsthaft eine kesse Lippe, die RedakteurInnen des ORF. Es ist ein Vergnügen, ihre privat produzierte Videobotschaft an den Generaldirektor und an alle ORF-affinen Politiker sich wieder und wieder anzusehen. Damit ist die Konfliktschraube um etliche Windungen weiter gedreht. Hoffen wir, dass das nicht bei Daumenschrauben endet.

Offensichtlich ist im größten Kommunikationsbetrieb unseres Landes kein fruchtbares Gespräch zwischen dem direktierenden Hausherrn und seinen problemorientierten MitabeiterInnen möglich. Stattdessen wirft man sich über andere Medien Freundlichkeiten zu und gibt damit zugleich tiefe Einblicke in das Betriebsklima. Längst, so scheint es, geht es im 6. Stock primär um die Chef-Ehre und null Bock auf vermeintlichen Gesichtsverlust. Schade, damit ist eine große Chance vertan. Der ORF wird auch das, zwar lädiert aber trotzdem, irgendwie überstehen. Schließlich leben wir in Österreich. Und hier ist der oberste Fernsehmann von der Regierung wohlgelitten.

Schon einmal den Namen Hargeysa gehört? Das ist die Hauptstadt von Somaliland, jener de-facto-Präsidialrepublik, die sich vor 20 Jahren einseitig und ohne völkerrechtlichen Sanktus von Somalia losgesagt hat. In Hargeysa ließ dieser Tage die Regierung kurzerhand den Fernsehsender Horn Cable TV wegen unliebsamer Berichterstattung schließen und dessen Ostafrika-Direktor Mohamed Abdi Sheik ins Gefängnis stecken. Der Offizier, der die Aktion leitete, konnte zwar keine entsprechende Vollmacht vorweisen, doch er vollstrecke, so sagte er, einen Befehl "von oben". Der Besitzer des Senders wurde vorgestern zu einem Gespräch ins Präsidentenbüro beordert. Laut Präsident Ahmed Mohamed Siilaayon sei die Berichterstattung von Horn Cable TV für das Land destruktiv gewesen und habe regierungsfeindliche Propaganda betrieben.

100 Polizeibeamte hatten am 14. Januar den Sender gestürmt, die Redaktionen nach Art des Innenministeriums aus dem Haus komplimentiert und die Tore geschlossen. Kurz darauf waren auch die Leitungen unterbrochen. Horn Cable TV sendet seitdem nicht mehr.

Als die Redaktionsmitglieder tags darauf eine Demonstration vor dem Präsidentenpalast abhielten, wurden acht festgenommen. Ebenso 13 KollegInnen anderer Medien, die ebenfalls protestierten, darunter sechs Frauen. Nach 24 Stunden kamen sie auf Befehl des Innenministers wieder frei. Die Verhaftungen sollten offensichtlich Warnschüsse sein und zu regierungstreuer Berichterstattung animieren.

Dass die Regierung von Somaliland mit den Medien auf Kriegsfuß steht, hatte sich schon Anfang Januar angekündigt. Mehrere JournalistInnen wurden unter fadenscheinigen Behauptungen inhaftiert. Vier sitzen noch immer hinter Gittern. Reporter ohne Grenzen International spricht von beispiellosen Übergriffen gegenüber Medien.

Andere Länder, andere Sitten mögen hierzulande manche sagen. Afrika ist weit weg und Somaliland, wie man so schön sagt, eine Bananenrepublik. Bei uns ist Unverfrorenheit gegenüber Medien angeblich weder ein Kavaliersdelikt noch eine Bananenschale, auf der Politiker ausrutschen wollen. Demnach sind auch parteipolitische Postenbesetzungen beziehungsweise Posten-Neuschöpfungen in öffentlich-rechtlichen Medien allenfalls auf fachlichen Sachzwängen basierenden Entscheidungen.

morgen war gestern
01
18.1.2012, 09:47

da aber zur zeit in den ORF-nachrichten mehr oder weniger mainstream und apa-texte gebetet werden, garniert mit "experten für alles", ist es einerlei, ob dann die politik auch noch dafür bezahlt, dass sie gut wegkommt. von den sanften tönen gegenüber wirtschaft und banken ganz zu schweigen.

und das wächst nicht nur am misthaufen der führungsetage, das ist auch ein homegrow der redaktionen.

austromir
 
01
18.1.2012, 09:12
Warum in die Ferne schweifen?

Sieh, das Gute liegt so nah. Warum Somaliland, wenn wir doch Ungarn vor der Haustür haben?

Radagast ist ein rarer Gast.
01
18.1.2012, 00:12

alle achtung vor diesem protest...aber ich wünschte, die zib könnte mehr als bloß ständig gebetsmühlenartig die floskeln der wirtschaftspolitik runterrattern.
der atx schließt mit einem leichten rückgang von 3 punkten, der wallstreet gehts gut, wir bedanken uns bei den zusehern von 3sat, schönen abend noch.

das ist fix
114
17.1.2012, 18:08

Die ORF-RedakteurInnen stehen am gut gefüllten ORF-Futtertrog - und werden diesen auch nicht verlassen - egal wie da gepackelt wird, daher sollte man die Anstalt vollständig auflösen - die Welt würde mit Sicherheit nicht untergehen, Hansi Hinterseer würde eine andere Plattform für seine Show finden und informativ ist der ORF sowieso auch nicht mehr.

hiaslbua
27
17.1.2012, 18:26
Wenn du wissen willst,

wie die Fernsehlandschaft im Allgemeinen und die "kritische" Berichterstattung im Speziellen aussieht, wenn es keinen starken öffentlich-rechtlichen Sender gibt, dann brauchst du nur Fox-News zu gucken!

Dein Kommentar lässt allerdings nicht darauf schließen, dass du dich ernsthaft mit der Materie auseinandersetzt.

das ist fix
00
21.1.2012, 10:41

Mit der Materie befasse ich mich sehr - jedoch lasse ich mir nicht die Sinne von der ORF-Propaganda vernebeln.

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