Harmlose Substanzen regen natürliche Widerstandskräfte an - Auch Insektenfraß wirkt
Neuenburg - Forscher der Universität Neuenburgin der Schweiz haben
mit einfachen, harmlosen Substanzen die natürlichen Abwehrkräfte von Pflanzen
angeregt und gleichsam in Alarmbereitschaft versetzt. Die Wissenschafter konnten zum ersten Mal nachweisen, dass auf diese Weise behandelte
Pflanzen ihre erhöhte Widerstandsfähigkeit auch an ihre Nachkommen weitergeben.
Die Forscher um Brigitte Mauch-Mani gossen mehrere Exemplare der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) mit Wasser, das entweder
mit Beta-Aminobuttersäure versetzt war oder ungefährliche Bakterien enthielt,
wie der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) "Plant Survival" am Dienstag
mitteilte. Kontrollpflanzen wurden nur mit Leitungswasser gegossen. Es sei
bereits bekannt gewesen, dass die verwendeten Substanzen die Fähigkeit der
Pflanzen erhöhten, sich gegen Krankheitserreger zu wehren, wurde Mauch-Mani in
der Aussendung zitiert. Die Behandlungen wirkten nicht direkt auf die Gene,
sondern auf Moleküle, die in der Umgebung der Erbsubstanz DNA angesiedelt seien.
In ihrer im Fachmagazin "Plant Physiology" publizierten Studie haben die
Forscher zum ersten Mal nachgewiesen, dass diese Stimulationen vererbt werden.
Die Nachkommen der behandelten Pflanzen wehrten sich besser und rascher gegen
falschen Mehltau und ein Bakterium als die Nachkommen der mit Leitungswasser
gegossenen Pflanzen.
Abwehr-Wirkung über mehrere Generationen
In derselben Ausgabe von "Plant Physiology" berichtete Sergio Rasmann, ein
ehemaliger Forscher des NFS "Plant Survival", dass eine Stimulation der
Abwehrkräfte auch gegen schädliche Raupen wirkt. Die Wirkung, ausgelöst mit der
Substanz Methyljasmonat, hält zwei Nachfolgegenerationen an. Laut Rasmann lässt
sich die Stimulation aber noch einfacher erreichen: Die Versuchspflanzen
entwickelten auch eine erhöhte Widerstandskraft, wenn sie verstärktem
Insektenfraß ausgesetzt wurden. "Diese Methode könnte es ermöglichen, den
Einsatz von Pestiziden zu verringern", sagte der Forscher, der an der
Universität Lausanne arbeitet.
Die Idee: Wenn man weniger Pflanzenschutzmittel auf die Felder bringt, werden
die Pflanzen häufiger von Schädlingen angeknabbert und gefressen. Paradoxerweise
verstärken jedoch die Verletzungen die Widerstandskraft der Pflanze - und jene
ihrer Nachkommen. Dass dies funktionieren könnte, zeigen laut Rasmann Studien
bei Tomaten. Das macht die Methode zu einem vielversprechenden Verfahren für
eine umweltschonende Landwirtschaft. Das Phänomen sei allerdings reversibel,
sagte Mauch-Mani. Werde die zweite Pflanzengeneration nicht stimuliert,
verringere sich die Resistenz der Nachkommen stark und erreiche schließlich
wieder den Normalzustand. (APA, red)