Stimulierte Pflanzen geben Abwehrkräfte an Nachkommen weiter

17. Jänner 2012, 17:03
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Harmlose Substanzen regen natürliche Widerstandskräfte an - Auch Insektenfraß wirkt

Neuenburg - Forscher der Universität Neuenburgin der Schweiz haben mit einfachen, harmlosen Substanzen die natürlichen Abwehrkräfte von Pflanzen angeregt und gleichsam in Alarmbereitschaft versetzt. Die Wissenschafter konnten zum ersten Mal nachweisen, dass auf diese Weise behandelte Pflanzen ihre erhöhte Widerstandsfähigkeit auch an ihre Nachkommen weitergeben.

Die Forscher um Brigitte Mauch-Mani gossen mehrere Exemplare der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) mit Wasser, das entweder mit Beta-Aminobuttersäure versetzt war oder ungefährliche Bakterien enthielt, wie der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) "Plant Survival" am Dienstag mitteilte. Kontrollpflanzen wurden nur mit Leitungswasser gegossen. Es sei bereits bekannt gewesen, dass die verwendeten Substanzen die Fähigkeit der Pflanzen erhöhten, sich gegen Krankheitserreger zu wehren, wurde Mauch-Mani in der Aussendung zitiert. Die Behandlungen wirkten nicht direkt auf die Gene, sondern auf Moleküle, die in der Umgebung der Erbsubstanz DNA angesiedelt seien.

In ihrer im Fachmagazin "Plant Physiology" publizierten Studie haben die Forscher zum ersten Mal nachgewiesen, dass diese Stimulationen vererbt werden. Die Nachkommen der behandelten Pflanzen wehrten sich besser und rascher gegen falschen Mehltau und ein Bakterium als die Nachkommen der mit Leitungswasser gegossenen Pflanzen.

Abwehr-Wirkung über mehrere Generationen

In derselben Ausgabe von "Plant Physiology" berichtete Sergio Rasmann, ein ehemaliger Forscher des NFS "Plant Survival", dass eine Stimulation der Abwehrkräfte auch gegen schädliche Raupen wirkt. Die Wirkung, ausgelöst mit der Substanz Methyljasmonat, hält zwei Nachfolgegenerationen an. Laut Rasmann lässt sich die Stimulation aber noch einfacher erreichen: Die Versuchspflanzen entwickelten auch eine erhöhte Widerstandskraft, wenn sie verstärktem Insektenfraß ausgesetzt wurden. "Diese Methode könnte es ermöglichen, den Einsatz von Pestiziden zu verringern", sagte der Forscher, der an der Universität Lausanne arbeitet.

Die Idee: Wenn man weniger Pflanzenschutzmittel auf die Felder bringt, werden die Pflanzen häufiger von Schädlingen angeknabbert und gefressen. Paradoxerweise verstärken jedoch die Verletzungen die Widerstandskraft der Pflanze - und jene ihrer Nachkommen. Dass dies funktionieren könnte, zeigen laut Rasmann Studien bei Tomaten. Das macht die Methode zu einem vielversprechenden Verfahren für eine umweltschonende Landwirtschaft. Das Phänomen sei allerdings reversibel, sagte Mauch-Mani. Werde die zweite Pflanzengeneration nicht stimuliert, verringere sich die Resistenz der Nachkommen stark und erreiche schließlich wieder den Normalzustand. (APA, red)

  • Untersuchungen an der Ackerschmalwand zeigten, dass Pflanzen, die sich in erhöhter Abwehrbereitschaft befinden, diesen Zustand auch an ihre Nachkommen weitergeben.
    foto: standard

    Untersuchungen an der Ackerschmalwand zeigten, dass Pflanzen, die sich in erhöhter Abwehrbereitschaft befinden, diesen Zustand auch an ihre Nachkommen weitergeben.

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