Wirtschaft & Recht

Kommission plant EU-Pass für Risikokapital

Roman Rericha, 17. Jänner 2012, 18:11

Auch für Venture-Capital-Fonds soll Konzession in einem Mitgliedsstaat genügen

Risikokapital spielt eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung innovativer Klein- und Mittelunternehmen (KMU), die aufgrund ihres Risikoprofils kaum Zugang zu Kapitalmärkten und Bankfinanzierungen haben. Im Jahr 2010 betrug das Investmentvolumen europäischer VC-Fonds rund vier Milliarden Euro.

Im Unterschied zu Investmentfonds (UCITS IV-Richtlinie) und Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFM-Richtlinie) existieren für VC-Fonds derzeit keine europaweit vereinheitlichten rechtlichen Rahmenbedingungen. Die grenzüberschreitende Geldmittelbeschaffung und Vornahme internationaler Investments erfordert - aufgrund unterschiedlicher Vorgaben der einzelnen Mitgliedstaaten - zumeist komplexe und kostenintensive Parallelstrukturen in mehreren Staaten und ist daher für "kleinere" VC-Fonds meist ausgeschlossen.

Um das europaweite Angebot von VC-Finanzierung zu vergrößern und den Wettbewerb der VC-Fonds zu stärken, erwägt die EU-Kommission nun die Einführung eines europaweiten Passporting-Systems, vergleichbar mit dem der AIFM-Richtlinie. Nach der Vorstellung der Kommission sollen VC-Fonds, die in einem Mitgliedsstaat reguliert sind, künftig ohne besondere rechtliche oder bürokratische Hürden in sämtlichen Mitgliedsstaaten Geld einwerben und Investments tätigen dürfen.

Die geplante Regulierung wird sowohl die Manager von VC-Fonds als auch die Fonds selbst umfassen. Ist ein Fondsmanager einmal konzessioniert, soll er berechtigt sein, weitere EU-weit tätige VC-Fonds aufzusetzen, ohne diese separat registrieren zu müssen; eine Notifizierung an die zuständige Behörde soll genügen.

Dadurch würden einerseits die Finanzierungskonditionen für KMUs verbessert werden. Anderseits würden VC-Fonds erleichterten Zugang zu einem breiten Investoren- und Unternehmenspool erlangen, weshalb sie ihr Portefeuille besser diversifizieren und somit im Ergebnis die Rendite steigern könnten.

Eine europaweite Regulierung von VC-Fonds ist, insbesondere aufgrund der anhaltenden Finanzkrise und des daraus resultierenden erschwerten Zugangs zu Fremdkapital, für KMUs dringend geboten. Die Initiative der EU-Kommission ist dementsprechend zu begrüßen; man darf auf die konkrete Ausgestaltung des rechtlichen Rahmens also gespannt sein. (Roman Rericha, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.1.2012)

MMag. Roman Rericha, Brandl & Talos Rechtsanwälte.

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