Karen-Rebellen

Präsident befahl Armee Ende der Angriffe auf Minderheiten

17. Jänner 2012, 15:28

Waffenstillstand mit Karen-Rebellen in Kraft

Naypyidaw - In einem weiteren Schritt der Öffnung des Landes hat Burmas Präsident Thein Sein der Armee befohlen, Angriffe auf ethnische Minderheiten einzustellen. Der Minister für Einwanderung und Bevölkerung, Khin Yi, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag, der Staatschef habe diesen Befehl einen Tag nach Abschluss des Waffenstillstands der Regierung mit der wichtigsten Rebellengruppe der ethnischen Minderheit der Karen ausgegeben. Der Befehl gelte "für das ganze Land". Die Waffenruhe mit der Karen National Union (KNU) war am vergangenen Donnerstag geschlossen worden.

Bereits im Dezember hatte Thein Sein das burmanische Militär aufgefordert, Vertreter der im Norden lebenden Kachin-Minderheit nicht mehr zu attackieren, die Kämpfe hielten jedoch an. "Manchmal erreicht der Befehl nicht die Basis", sagte Khin Yi dazu. Immer wieder seien Gruppen zufällig aufeinander getroffen und dann habe es wieder Schusswechsel gegeben. Die Verantwortung für die anhaltenden Kämpfe trügen daher "beide Seiten", sagte er.

Zivilregierung

Seit Burmas Unabhängigkeit im Jahr 1948 ist die Beziehung der ethnischen Minderheiten zur Zentralregierung von Konflikten und Kämpfen geprägt, durch die Zehntausende Menschen vertrieben und ganze Dörfer zerstört wurden. Bewaffnete Gruppen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr soziale und politische Rechte. Rund ein Drittel der 50 Millionen Einwohner gehört ethnischen Minderheiten an.

Im vergangenen Jahr hatte eine zivile Regierung unter Thein Sein die herrschende Militärjunta abgelöst und seitdem Beobachter mit einer Reihe von Reformen überrascht; der neuen Regierung gehören mehrere Ex-Generäle an.

Die Aussöhnung mit den Minderheiten ist auch eine der zentralen Forderungen von internationaler Seite. Im Dezember hatte die Regierung bereits mit der Rebellengruppe Armee des Staates Shan Süd ein Abkommen für einen Waffenstillstand unterzeichnet. Die Shan sind mit neun Prozent der Bevölkerung die größte Ethnie nach den Burmesen selbst. Die Armee des Staates Shan Süd zählt mehrere tausend Kämpfer. Die Regierung verhandelt nach eigenen Angaben auch mit anderen Rebellengruppen. Die Kachin-Minderheit etwa habe auf das Dialog-Angebot der Regierung bisher aber noch nicht reagiert, sagte Khin Yi.

"Wir sind bereit, mit allen Minderheiten über ein Abkommen zu sprechen", sagte der Einwanderungsminister weiter. "Wir mögen den Frieden, wir mögen den Rechtsstaat und wir wollen ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen." Sobald mit jeder Gruppe der ethnischen Minderheiten ein Abkommen geschlossen worden sei, sei eine nationale Konferenz geplant. "Wir wollen alle Gruppen vor dem Parlament vereinen." Das sei sein Plan, auch wenn er nicht sicher sei, ob dieser umsetzbar sei, sagte Khin Yi. (APA)

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