Großer Fortschritt in der Malaria-Bekämpfung

Deutsche Wissenschafter entdecken die Möglichkeit zur Synthese des wichtigsten Wirkstoffes in der Malaria-Therapie

Potsdam/Berlin - Der effektivste Arzneimittel-Wirkstoff gegen die gefährliche Tropenerkrankung, Artemisinin, lässt sich jetzt kostengünstig und in großer Menge herstellen.

So wird es künftig möglich sein, die 225 Millionen an Malaria erkrankten Menschen in Entwicklungsländern zu erschwinglichen Preisen mit entsprechenden Medikamenten zu versorgen, teilte die deutsche Max-Planck-Gesellschaft mit.

Einfache Synthese von Artemisinin

Forscher des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und der Freien Universität Berlin haben eine sehr einfache Synthese von Artemisinin entwickelt, das Pharmaunternehmen bisher nur aus Pflanzen gewinnen konnten.

Als Ausgangssubstanz verwenden die Chemiker ein Abfallprodukt der derzeitigen Wirkstoffherstellung, das auch biotechnologisch in Hefe erzeugt werden kann, und verwandeln es in einem einfachen, aber sehr einfallsreichen Ansatz in die wirksame Substanz.

Das Verfahren wurde in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Angewandte Chemie" veröffentlicht und am 17. Jänner vor Medienvertretern in Berlin präsentiert. Der Hintergrund: Es gibt zwar eine wirksame Therapie gegen Malaria, aber längst nicht für alle der mehr als 200 Millionen Erkrankten weltweit.

Therapie für alle erschwinglich

Millionen von Infizierten können sich das effektive Kombinationspräparat, das als wesentlichen Bestandteil Artemisinin enthält, nicht leisten. Außerdem schwankt der Preis für das Medikament, weil diese Substanz aus dem vor allem in China und Vietnam wachsenden "Einjährigen Beifuß" (lateinisch Artemisia annua), isoliert wird.

Zwar engagieren sich die Bill-und-Melinda-Gates- sowie die William J. Clinton-Stiftung mit mehreren 100 Millionen US-Dollar im Kampf gegen Malaria, und letztere subventioniert in einigen Ländern auch die Abgabe von Malaria-Medikamenten. Dennoch sterben jährlich mehr als eine Million Menschen an der Krankheit, weil sie keine wirkungsvollen Medikamente erhalten.

Produktion nicht länger von der Gewinnung aus Pflanzen abhängig

Das könnte sich nun ändern. Denn Peter H. Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut in Potsdam und Chemie-Professor an der Freien Universität Berlin, und sein Mitarbeiter Francois Levesque haben einen einfachen Weg gefunden, das chemisch sehr anspruchsvoll gebaute Molekül Artemisinin, das als Malaria-Wirkstoff schon aus der traditionellen chinesischen Medizin bekannt ist, zu synthetisieren. "Somit ist die Produktion des Wirkstoffs nicht länger von der Gewinnung aus Pflanzen abhängig", sagte Seeberger. (APA)

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