TU Wien

Die flüssigste aller Flüssigkeiten

17. Jänner 2012, 19:11
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    foto: tu wien

    Wasser (blau) weist eine geringere innere Reibung auf als Honig. Es geht aber noch "flüssiger".

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    foto: cern

    Darstellung eines simulierten Quark-Gluon-Plasmas im Rahmen einer Blei-Ionen-Kollision am Kernforschungszentrum CERN.

Das ultraheiße Quark-Gluon-Plasma könnte noch geringere Viskosität aufweisen, als bisher für möglich gehalten wurde - Neue These von Forschern der TU Wien soll nun überprüft werden

Es gibt Flüssigkeiten wie Wasser, die sehr dünnflüssig sind. Andere Substanzen wie etwa Honig weisen hingegen ein hohes Maß an Viskosität auf, die wiederum von den inneren Reibungskräften abhängt. Sogenannte Quantenflüssigkeiten wie suprafluides Helium erreichen die geringsten Viskositäten. Solche Supraflüssigkeiten verlieren bei sehr tiefen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt von rund 273 Grad Celsius jede innere Reibung.

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass es aufgrund der Quantentheorie eine absolute Untergrenze für Viskosität gibt. Während etwa supraflüssiges Helium diesen Schwellenwert klar überschreitet, bleibt das sogenannte Quark-Gluon-Plasma, das bei energiereichen Teilchenkollisionen im Large Hadron Collider des Cern hergestellt werden kann, nur ganz knapp darüber. Quark-Gluon-Plasma bildete sich aber auch Sekundenbruchteile nach dem Urknall.

Bei Temperaturen, die Hunderttausend mal heißer sind als das Zentrum der Sonne, fanden Elementarteilchen wie Quarks und Gluonen noch nicht zu Protonen und Neutronen zusammen, sondern bewegten sich frei. Dominik Steineder vom Institut für Theoretische Physik der TU Wien zeigte nun in seiner Dissertation, dass sich die theoretische Untergrenze für die Viskosität in bestimmten Fällen sogar noch unterbieten lässt.

In den bisherigen Berechnungen nahm man an, dass das Plasma symmetrisch ist und von allen Seiten gleich aussieht, also "isotrop" ist. Tatsächlich sei aber ein Plasma, das Kollisionen in einem Teilchenbeschleuniger entsteht, ganz am Anfang nicht isotrop, behauptet der TU-Forscher mit seinem betreuenden Professor Anton Rebhan im Fachblatt Physical Review Letters: Weil die Teilchen entlang einer bestimmten Richtung beschleunigt und zur Kollision gebracht werden, zeigt das dabei entstehende Quark-Gluon-Plasma unterschiedliche Eigenschaften, abhängig von der Richtung, aus der man es betrachtet.

Die Physiker der TU Wien fanden nun eine Möglichkeit, diese Richtungsabhängigkeit mitzuberechnen. Die Viskosität könne damit niedriger sein als der Wert, den man bisher für die absolute Untergrenze hielt, sagt Steineder. Seine theoretischen Vorhersagen sollen nun durch die bereits begonnenen Quark-Gluon-Plasma-Experimente am LHC getestet werden. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 18.01.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Forrest
00
19.1.2012, 10:45
Manche Kommentare hier

ähneln stark denen von Sheldon Cooper

:)

e_Neutrino
 
00
19.1.2012, 04:58
In der Grundlagenphysik scheint ja einiges in Bewegung zu sein,...

.
so man den Ausführungen folgen mag... ;)

Physikalische Theorie Was verleiht Elementarteilchen Masse?...
http://www.focus.de/wissen/wi... 02394.html

Quelle: http://www.fli-leibniz.de/www_kog/r... ysics.html

Erinnert mich irgendwie an Dr. Plichtas Arbeiten,.. ;)

Berater Gerald Ruschka
00
18.1.2012, 19:36
Ich übe mich in Zurückhaltung

Und werde den blödsinn von wegen UHBK und "überflüssig" NICHT posten!

Corello
 
00
18.1.2012, 17:05
"Darstellung eines simulierten Quark-Gluon-Plasmas im Rahmen einer Blei-Ionen-Kollision"

...und wie macht man das zu Hause nach?

Schade, dass es "wer bastelt mit" nicht mehr spielt.

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
18.1.2012, 18:03
hoffentlich nicht!

sonst wohnen bald nur mehr röntgenmediziner mit eigener praxis rund um ihr haus...

Deus Ex Coquina
00
18.1.2012, 16:46

Ihr solltet mal meinen Espresso sehen! ;-)

Michael Zehentner
02
18.1.2012, 16:12
Postings

Zum Glück schreiben Journalisten oder Autoren hier keine Kommentare...
Ich dachte derstandard.at hat gewisse Qualitäten, die aber offensichtlich die Leser mit ihren Kommentaren sinnlos stören! Leute das hier ist kein facebook!

besserwisser2895
12
18.1.2012, 17:30
LIKE! :)

Hairy Tongue
20
18.1.2012, 16:01

viel interessanter ist die genozentroide verphallisierung von quark-menoin-placentae in lubrider molasse, nicht wahr?

Kristof Grabmayer
00
18.1.2012, 15:42

... und dann kommt wieder so a unzivilisierter todel und kippt redbull oder cola dazu..

sed s/./_242_/g
00
18.1.2012, 14:06

Am flüssigsten sind immer noch gewisse Samstag Nächte...

pox vobiscum
00
18.1.2012, 10:08

So flüssig, dass es fast schon ein Gas ist...
Kann man so ein Quark-Gluon-Plasma eigentlich als Flüssigkeit sehen?

f l o
 
02
18.1.2012, 10:41

die definitionen verschwimmen hier etwas: auf englisch nennt man es jedenfalls "fluid". es ist tatsächlich komisch: die "perfekte flüssigkeit" ist ein plasma - also eigentlich ein ganz anderer aggregatszustand und keine "flüssigkeit" im klassischen sinn.

das kommt daher, dass die mathematische beschreibung der flüssigkeit (mit hilfe der viskosität) eben auch auf heißere materiezustände anwendbar ist.

Nick Tameer
00
25.1.2012, 21:24

Mir scheint dunkel, dass der Begriff Aggregatszustand vielleicht nur auf atomare und Molekulare Stoffe - mögen auch ein par Ionen, Anionen bzw. Elektronen mit rumschwirren - einen wirklichen Sinn hat.

metbaron
01
18.1.2012, 11:59

da muss ich kurz ein wenig klugsch...en: Plasma ist eigentlich kein eigener Aggregatszustand, weil es keinen Phasenübergang zwischen gasförmig und Plasma gibt - des Weiteren können unter bestimmten physikalischen Umständen auch Flüssigkeiten und sogar Festkörper als Plasmen beschrieben werden.

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
18.1.2012, 17:29
naja, bekanntlich ist ja alles relativ...

als phasenübergang kann man zb die aufbringung der energie zur trennung der +&- teilchen sehen, da gibt es unterschiedliche meinungen.
wo sie natürlich rechthaben (falls sie das gemeint haben) ist, dass man sich schwertun wird, eine eindeutige phasengrenze zu finden.
ein wenig plakativer:
nur weil überkritische fluide sowohl gas- als auch flüssigkeitseigenschaften aufweisen, würde ich auch nicht behaupten, dass gasförmig und flüssig gleichzusetzen ist.
man kann zb auch festkörper als gas beschreiben (aus der schule bekannt dürfte wohl das elektronengas sein?).

metbaron
00
18.1.2012, 19:33

nicht ganz - physikalisch sauber wäre ein Phasenübergang als Extremwert der Gibbschen Gleichung zu verstehen und den gibt es bei Ionisationsvorgängen nicht.

Die Definition eines Plasmas ist da in der Tat schwieriger (hat aber mit einem gasförmigen Zustand nichts zu tun). Meistens liest man in der Literatur von drei Kriterien, von denen zumindest zwei erfüllt sein müssen, um von einem Plasma zu sprechen:

1: die Anzahl von Teilchen in einer Debyekugel muss >> 0 sein
2: wT >> 1 (w... Plasmafrequenz, T Zeit zwischen 2 Stößen von Neutralteilchen) (kollektive Wechselwirkung)
3: n(e)=n(i)=n (Quasineutralität n(e)...Elektronendichte, n(i)...Ionendichte)

und das kann auch für Festkörper und Flüssigkeiten gelten

metbaron
00
18.1.2012, 19:58

edit: oder eine Unstetigkeit in der Gibbsschen Fundamentalform

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
18.1.2012, 22:05

Wenn Sie das oder weglassen könnt ich fast damit leben - es gibt noch andere thermodynamische Größen. Erst das Zusammenspiel der einzelnen Vorgänge macht ein Plasma aus (den Magnetismus an einem einzelnen Fe-Kern zu studieren gibt wohl auch nicht so viel her) und die Definition des Plasmas war wohl auch nicht primär daran orientiert, die Frage nach einer Abgrenzung zu anderen Phasenübergängen eindeutig zu beantworten (es gibt ja auch die nichtklassischen Aggregatzustände), bei den klassischen 3 war das evidenter. Da sie sich mit Literatursuche auskennen dürften, darf ich sie einladen, sich selbst ein Bild von der Diskussion zu machen!
Die klassische statistische Mechanik als physikalische Sauberkeit zu bezeichnen sei einmal dahingestellt:P

metbaron
00
18.1.2012, 22:43

naja, auch wenn man von der Quantenstatistik kommt, muss das Gleiche gelten.

Ich muss jetzt aber auch ehrlich zugeben, dass ich nicht wüsste, wie man einen Phasenübergang besser definieren sollte, denn Ionisierung ist sicher kein Phasenübergang... - auch keiner 2. Ordnung, weil auch dafür zumindest die zweite Ableitung unstetig sein muss.

Die Plasmadefinitionen sind natürlich unabhängig von der Phase (war, wie Sie richtig bemerkten auch nie der Vater des Gedankens) ;)

An einem Atom wird man auch keine Phase definieren können, oder auch keinen Magnetismus oder keine Temperatur.

Deswegen gilt ja auch für ein Plasma die Forderung, dass sich eine hinreichend hohe Anzahl von Teilchen in der Debye Kugel befinden muss.

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
18.1.2012, 23:04

die war eigentlich nicht gemeint, sondern ein leichtes über-den-tellerrand-schauen ;) es gibt halt mehr herangehensweisen als die schon ausgetretenen pfade, was einem die debatte in der literatur zeigt.
die physik ist expandierend - es kommt halt alles auf die betrachtungsweise an, ein kosmologe würd jetzt wahrscheinlich nach der relativität schreien.
btw, hab ich das nicht schon erwähnt - alles ist relativ ;)

metbaron
00
18.1.2012, 23:15

aber was war denn dann gemeint? - Wie würden Sie denn einen Phasenübergang definieren? Das würde mich jetzt interessieren, denn wenn es da eine bessere Definition gibt, dann hab ich sie leider nicht gefunden - aber ich lerne gerne Neues dazu.

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
19.1.2012, 10:56

na geh, jetzt hab ich so schön den bogen wieder zum anfang gespannt...
momentan heiß umfehdet ist die unterteilung des plasmatischen zustandes: http://lmgtfy.com/?q=plasma... allisation
davon ausgehend gibts natürlich verallgemeinernde spekulationen...

metbaron
00
19.1.2012, 11:43

ja, wenn man weiß wonach man suchen muss, gestaltet sich auch das googeln einfacher ;)

jedenfalls danke für die Quellen, die sind sehr interessant.

Aber die Arbeiten, die ich jetzt durchgelesen bzw. überflogen habe gehen eigentlich auch von der klassischen Definition des Phasenüberganges aus und soweit ich das sehen konnte (ich hab natürlich nicht jeden Artikel gelesen), entsteht die "plasma phase transition" nur in Systemen, die sich bereits im Plasmazustand befinden.

Die Phasenübergänge, die ich meinte, waren eigentlich zB gasförmig --> Plasma oder flüssig --> Plasma, ...

aber trotzdem sehr interessant das Ganze.

pox vobiscum
00
18.1.2012, 14:01

Plasma besteht ja ionisierten Teilchen und Elektronen.
Kann man dieses Quark-Gluon-Gemisch eigentlich als Plasma bezeichnen?
Da kann es ja noch gar keine elektrischen Ladungen geben, oder?

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