"AQA.Austria"

Qualitätskontrolle für heimische Hochschulen wird vereinheitlicht

17. Jänner 2012, 13:42

"Agentur für Qualitätssicherung" löst bisherige Agenturen ab - Bedenken bei Privatunis und Industriellenvereinigung

Wien - Mit 1. März wird die Qualitätssicherung für die öffentlichen Unis, Fachhochschulen (FH) und Privatunis auf neue Beine gestellt: Ab dann ersetzt die neue "Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria" (AQA.Austria) die bisher zuständigen Einrichtungen (FH-Rat, Akkreditierungsrat, Qualitätssicherungsagentur AQA). Am Montaghat das 14 Mitglieder umfassende "Board" der AQA.Austria seine Arbeit aufgenommen und Anke Hanft von der Universität Oldenburg (Deutschland) zur Vorsitzenden gewählt, ihr Stellvertreter ist Wolfgang Mazal von der Uni Wien.

Akkreditierung von neuen Studien

Dieses Gremium ist künftig dafür zuständig, neue FHs oder Privatunis bzw. neue Studien dieser Einrichtungen zu akkreditieren und bei bestehenden FH und öffentlichen Unis alle sieben Jahre durch Audits deren interne Qualitätsmanagementsysteme zu überprüfen. Damit leiste das Board "ein gutes Stück Pionierarbeit", so Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) in einer Aussendung. Die Mehrheit der Board-Mitglieder war dabei bereits in den bisher existierenden Qualitätssicherungsorganisationen in Österreich engagiert.

FHs müssen nicht mehr alle fünf Jahre Reakkreditieren

Die AQA.Austria bringt Neuerungen für alle drei Hochschultypen (die Pädagogische Hochschulen, die im Unterrichtsministerium angesiedelt sind, werden nicht erfasst): Für bestehende FHs fällt die Pflicht weg, alle fünf Jahre um Reakkreditierung anzusuchen. Die Unis müssen sich hingegen zusätzlich zur schon länger verpflichtenden internen Qualitätssicherung von der AQA.Austria dabei auf die Finger schauen lassen - in der Praxis haben das allerdings viele schon bisher freiwillig gemacht. Und für die Privatuniversitäten ist nunmehr genauer festgelegt, welche Voraussetzungen sie für eine Akkreditierung erfüllen müssen. So muss etwa ihr Angebot mindestens zwei Bachelorstudien und ein Masterstudium umfassen.

Im Vorfeld der Nominierung des Boards dürfte es zu Differenzen zwischen den Mitgliedern der aus Hochschul-Interessenvertretungen und Sozialpartnern bestehenden Generalversammlung der AQA.Austria gekommen sein. Sowohl die Privatuniversitäten, als auch Sozialpartner sollen ihre Interessen nicht ausreichend vertreten gesehen haben. Die Unstimmigkeiten waren dabei immerhin so gewichtig, dass der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, beim uniko-Neujahrsempfang alle Beteiligte aufforderte, bei der AQA.Austria "die Sache vor die diversen Interessen" zu stellen.

Unbehagen bei Privatunis

"Für uns ist das Board die Aufsichtsbehörde, die über Sein oder Nichtsein von Privatuniversitäten entscheiden kann. Wir sind also völlig abhängig davon, dass dieses Gremium den Privatuniversitäten gegenüber eine grundlegend positive Haltung einnimmt", begründet Marianne Betz, Vorsitzende der Privatuniversitäten-Konferenz (ÖPUK) ihr Unbehagen. Sie hofft nun, dass "möglichst viele mit einer grundlegend positiven Einstellung und einer sehr guten internationalen Erfahrung in dieses neue Board hineinkommen".

Industriellenvereinigung fordert Nachbesserung

"Der Prozess ist nicht optimal gelaufen", bestätigt man in der Industriellenvereinigung (IV) Probleme in der Entstehungsgeschichte der AQA.Austria. Insgesamt gebe es noch "beachtlichen Handlungsbedarf", wenn den Abnehmern aus der internationalen Wirtschaft verlässliche Standards geboten werden sollen, so Gerhard Riemer von der IV: Das Qualitätssicherungsgesetz für die Hochschulen müsse nachgebessert und die Zusammensetzung der Gremien inhaltlich und strukturell verbessert werden. (APA)

Heinz Huber8
20
18.1.2012, 18:10
Titelkauf ?

Ja ich studier an einer Privatuni, zahl Geld dafür krieg dafür aber top Qualität von der Uni geboten. Ich wurde keinen Cent zahlen wenn die Leistung der Privatuni nicht stimmen würde. Das refelexartige Argument das das Titelkauf ist nervt und ist völliger Quatsch . Im Gegensatz zu öffentlichen Unis werden Privatunis schon seit Jahren streng kontrolliert, die öffentlich erst jetzt allerdings ohne Konsequenzen bei Missständen. Also um diesen neidigen politisch motivierten Blödsinn zu beenden her mit den Beweis: wo kann man Titel kaufen und was kostet es?

Triple C
01
19.1.2012, 15:09
"Ich wurde keinen Cent zahlen wenn die Leistung der Privatuni nicht stimmen würde."

Beim Titelkauf geht's eher darum, was die Studenten leisten müssen.

kleiner Schelm
00
22.1.2012, 20:02

Titelkauf ist an einigen Privatunis zwar gang und gebe.

Allerdings ist das größte Problem vieler Privatunis die fehlende Breite und Tiefe der Ausbildung.
Es fehlt Personal, das aktiv Forschung betreibt. Oft wird - wie an vielen FHs - einfach nur gesammelt was einigermaßen was zusammenstammeln kann und glaubt etwas zu sagen zu haben. Dritte Garde eben.

Chr. Hoc.
02
17.1.2012, 15:02
Soll ich das Unbehagen von Privat-Unis als Qualitätsmerkmal betrachten?

Freilich freue ich mich über jede Aktion, die den Titel-Kauf in Titel-Schmieden schwieriger macht. Aber ob das der Fall sein wird..

Kurt Kunislav Kupfer
01
17.1.2012, 16:27

Die Privatuni-Akkreditierung hat bisher ganz gut funktioniert, was man daran erkennt dass die meisten Anträge abgelehnt wurden, zwei bestehende Privatunis vom ÖAR "abgeschossen" wurden und z.B. das dubiose Doktoratsprogramm der UMIT eins vor den Latz bekommen hat. Mal sehen, wie das mit der AQA weitergeht.

Leider war z.B. die de-facto-Privatuni Krems ("Donau-Uni") niemals unter Kontrolle des ÖAR. Dort müsste längst eine Flurbereinigung stattfinden, die von den 200 Lehrgängen bestenfalls 20 überlässt, das Personal rigoros aussiebt und die Aufnahmebedingungen denen einer echten Hochschule angleicht (und damit meine ich nicht die Gebühren).

Resilienzfaktor
00
17.1.2012, 14:23

Ich bin für eine externe "Agentur für Qualitätssicherung" für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden! Qualitätskontrollen in diesem Bereich sind längst überfällig!!!

Der Chronist
02
17.1.2012, 14:21

Die IV will endlich die Sozial- und Geisteswissenschaften zerstört sehen.

Transalpin2
00
... schön, wenn man noch stabile Feindbilder hat!

Das reduziert Komplexität und macht in der neuen Unübersichtlichkeit so manchen wieder handlungsfähig (zumindest beim Posting).

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