Auf einen Whiskey Sour mit Hugo Wolf

Gespräch17. Jänner 2012, 17:32
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Am Montag startet das Hugo Wolf Quartett einen Zyklus im Wiener Konzerthaus - ein Gespräch über den Reiz des Kollektiven

Wien - Manchmal ist es, wie wenn vier Schauspieler bei der Erarbeitung eines Stückes auch gemeinsam Regie führen: "Ich finde, dieses Motiv muss flüchtiger gespielt werden - wie eine Bemerkung von einem Nebentisch", schlägt etwa Sebastian Gürtler, der erste Geiger des Hugo Wolf Quartetts, vor. Manchmal drängen sich Sportvergleiche auf: "Bei dieser Steigerung müssen wir dicht am Wind bleiben", mahnt Cellist Florian Berner mehr Crescendo-Verve ein.

Manchmal hat man auch das Gefühl, dass da vier Maler zusammen an einem Bild arbeiten, hier Linien verstärken, dort mehr Farbe auftragen. In jedem Fall ist es in so einem Probenprozess eine ziemlich diffizile Sache, das kommunizierende System von vier gleichberechtigten Stimmen in einem Parcours der Leidenschaften wie in Bergs Lyrischer Suite akkurat abzustimmen, die Übergänge, die Höhepunkte in einem harmonischen und doch auch spannungsvollen Miteinander zu gestalten. Doch die vier haben Routine: Seit fast 20 Jahren gibt es das in Wien beheimatete Hugo Wolf Quartett; neben den Gründungsmitgliedern Florian Berner und Régis Bringolf (zweite Violine) sind seit 2004 Sebastian Gürtler und seit 2007 Gertrud Weinmeister mit von der Partie. Gut 50 Auftritte hat man pro Saison, aber auch bei Konzertfreiheit probe man etwa viermal die Woche vier Stunden, erklärt die Bratschistin. Das sei nötig, um in Form zu bleiben.

Alle vier bringen bei der belauschten Probe etwa im gleichen Ausmaß Verbesserungsvorschläge ein - ist das immer so? "Wenn jemand Kopfweh hat, sagt er natürlich weniger", meint Bringolf. "Und wenn ein Stück oder ein Komponist jetzt ein Steckenpferd von einem ist, bringt sich der mehr ein", so Berner. Aber auch bei einem Repertoirestück wie dem Berg werde nach neuen Facetten gesucht: "Es macht nicht viel Spaß, ein Stück wieder genauso zusammenzubauen, wie man es schon einmal gehabt hat."

Gibt es im Konzert dann noch der Tagesbefindlichkeit geschuldete Änderungen der Interpretation? Gesetzt den Fall, Herr Gürtler kommt frustriert ins Konzert und setzt Akzente im ersten Thema härter als üblich, müssen dann die Kollegen ebenfalls härter einsteigen? "Das ist ein heikles Thema ....", schmunzelt Gürtler. "Natürlich ist man manchmal in einer speziellen Laune", erläutert Bringolf, "und natürlich wird man das in einem gewissen Sinn auch hören. Aber es ändert nicht grundsätzlich die Interpretation."

Es sei ihnen allen wichtig, dass ihre Arbeit Relevanz besitzt und dass man einen Zyklus anmerkt, jemand habe sich da etwas überlegt. Die Initiativkraft der US-Veranstalter, die das Quartett jedes Jahr einladen, sei da ein Vorbild. So sind zu den jeweiligen Werken einführende Worte geplant; nach dem Konzert kann man mit dem Quartett einen heben gehen - in der Bar des Hotels Intercontinental kann mit den Musikern bei einem Whiskey Sour munter über das eben konsumierte Motivmaterial geplaudert werden. Cheers! (Stefan Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 18. Jänner 2012)

23. 1, 29. 2. und 30. 5.

  • Starten im Konzerthaus eine Reihe: Florian Berner, Sebastian Gürtler, Gertrud Weinmeister und Régis Bringolf.
    foto: nancy horowitz

    Starten im Konzerthaus eine Reihe: Florian Berner, Sebastian Gürtler, Gertrud Weinmeister und Régis Bringolf.

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