Verkaufshit Volksmusik

Hunderttausende können nicht irren, oder doch?

Leser-Kommentar | 18. Jänner 2012, 09:39

Was ist "echt" an der klischeehaften Glückseligkeit der Volksmusik? Führen uns Stars wie Andreas Gabalier ein Spiegelbild unseres Landes vor Augen?

Andreas Gabalier begeistert: Er füllt Konzerthallen, führte 2011 mit "Herzwerk" die österreichischen Charts an und ist gerngesehener Gast bei Carmen Nebel und anderen Volksmusik-TV-Paraden. Etwas Mystisches scheint ihn zu umgeben, als ob etwas noch nie Dagewesenes von ihm ausginge ... Wie ist es sonst zu erklären, dass sich seine Fangemeinde kleidet wie er, wie er spricht und versucht, den Inhalt seiner Lieder "in sich zu tragen".

Was ist echt daran?

Jeder Kritiker wirkt klein gegen diese Millionenschaft an Anhängern - eine solche kann nicht irren. Und was, wenn doch? Was ist echt an dem so voll Hingabe konsumierten Produkt? Bleibt der Star, dieser Mittelpunkt von Verzückung, Rausch und Beifallsgeschrei, nicht, wie leider so oft, letztlich eine Kreation, eine Kunstfigur? Wirft dieses Licht, das ausgeht von Attraktion, Neuheit, Einzigartigkeit und Devotionalien, nicht einen langen Schatten der Täuschung und einer von Verdienstabsicht gesteuerten Mystifizierung?

Werbeguru statt Können

Kommerzieller Erfolg muss nicht zwangsläufig mit Qualität oder Klasse zu tun haben, das wissen wir. Gemeinhin reicht schlichtweg die Anzahl entsprechender Kontakte, die für eine vor allem mediale Präsenz notwendig ist. Phänomene der Kommerzmusik zeigen immer wieder, dass selbst absolute Talentlosigkeit von einer Masse gekauft und angebetet wird, verpacken sie Werbegurus nur fesch genug in Föhnfrisur und Dauerlächeln.

Will Kritik überhört werden?

Das Publikum ist begeistert. Der Umsatz stimmt. Und an all dem gibt es nichts Schlechtes zu finden. Denn freilich gehört mit Wohlwollen und Geld belohnt und bedankt, was mit Aufwand Menschen Freude bereitet. Trotzdem, wo sind die Stimmen des fachkundigen Publikums und der Kritiker? Wer erzählt, was hinter dem "Starschnittposter" steckt? Will es einem Publikum gleichgültig sein, dass "sein" beknieter Sänger nicht singen und "sein" bejubelter Spielmann nicht spielen kann?

Publikum lässt sich kaufen

Qualität ist in einer Schlager- und Volkstümeleibranche nicht nur Nebensache, tatsächlicher Live-Gesang von Gabalier & Co. beweist vielmehr, dass Erfolg selbst ohne einen Ansatz von Begabung möglich ist. Vermarktung ist alles. Auch jene Singstimmen, die in natura unerträglich klingen, lassen sich mit genügend Technik hitparadenkompatibel machen. Erfolg lässt sich kaufen. Publikum lässt sich kaufen.

"So wie das Land und die Menschen, so sind seine Lieder", heißt es auf der Homepage des Klischeebildes Gabalier. Und stellvertretend für viele sage ich: "Nein! Unser Land und wir Österreicher sind nicht wie diese Lieder! Wir schämen uns gar für sie!"

Es schadet unserem Land

Dass eine Musikindustrie solche "Retortenbabys" zu Stars hochzüchtet und leere, talentfreie Lächelhüllen als Marke verkauft, ist weithin bekannt und einerseits nicht verwerflich, vielleicht wäre es gar zu begrüßen, denkt man an die meinetwegen billigen, immerhin aber echten Millionen von Freuden und Glückseligkeiten.

In einem erheblichen Maße bedauerlich jedoch erscheinen diese Um- und Zustände vor dem Hintergrund, dass es in unserem Lande jede Menge fähige, qualifizierte Sängerinnen und Sänger gibt, die oft ein Leben lang als Gebrauchsmusiker arbeiten (müssen). In diesem Sinne schadet das ewige Neuerschaffen von "Almenland-Schlager-Rocker-Marionetten". Es schadet der Musik. Es schadet unserem Land. (Leser-Kommentar, derStandard.at, 18.1.2012)

Autor

Andreas P. Tauser, Jahrgang 1974, ist Autor, Musiker und Brauchtums-Instrumentenerzeuger und lebt in der Steiermark.

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Andreas P. Tauser
 
00
21.1.2012, 13:37
TEIL 1

Die meisten Punkte, die Sie ansprechen, bedeuten bei künstlich hergestellten Kulturprodukten ja gerade das Problem. Jedem steht natürlich frei, nicht zu hinterfragen. Menschen jedoch, die kritisch konsumieren und reflektieren, erkennen ebenso in Retortenmusikern wie in den von Ihnen angesprochenen populistisch-politischen Strömungen Gefahren.
Mein Beitrag bezweifelt in keiner Weise den monetären Verdienst von "Fast Music", diesen fahren sie gewiss ein. Hier kann man nur neidlos gratulieren. Auch die stimmlichen Qualitäten eines Gabalier müssen nicht weiterhin Gegenstand sein, hier gäbe es Fachleute, die einen schaurig talentfreien Anteil durchaus bestätigen könnten. Der Rest ist Geschmackssache. Bedauerlicherweise, möchte man fast sagen.

Andreas P. Tauser
 
00
21.1.2012, 13:37
TEIL 2

Nicht nur im Volksdümmlichen, mitunter auch im Pop ist es Usus, schlichte Typen ohne viel Augenmerk auf Können zu Markenartikeln aufzublasen. Hier steht vor Hitparadenerfolgen kein 10, 15 Jahre dauerndes Musikmachen. All das wissen wir. Wer klar erkennt, kann dies nicht bestreiten. So weit so gut. Was aber sagt das über den Konsumenten aus? Was sagt das aus über eine Gefolgschaft, die populistische Erscheinungen (in Musik oder Politik) konsumiert ohne zu hinterfragen? Und wie weit bedeuten diese Erfolge von an sich Inhaltslosem nicht gar eine Rechtfertigungsinstanz für Ignoranz und Bequemlichkeit?

doktortakeiteasy
00
21.1.2012, 01:00
gabalier wirklich talentfrei? darum gings doch, oder?teil 3

teil 3)
gabalier ist 27 oder 28 jahre alt!!!
weil da auch immer vergleiche gezogen werden - mit fendrich und u. jürgens...
der typ hat sicher potential, ist grade mal knappe 3 jahre halbwegs in der öffentlichkeit, 2012 fährt er vermutlich seine erfolge heim (echo usw), schlechtestenfalls (für fans und den markt) hat er damit persönlich genug (verdient) *punkt* , bestengfalls entwickelt er sich weiter..........dann lesen wir uns wieder! ;-)
holaröduliö ;-)))

doktortakeiteasy
00
20.1.2012, 23:00
gabalier wirklich talentfrei? darum gings doch, oder?teil 1

teil 1) ich hatte das überraschende und (vorerst) unfreiwillige vergnügen ihn live zu erleben,bevor ich je was von ihm hörte, deswegen zweifel ich zu allererst daran,dass der verfasser des 'essays' sich tatsächlich mit gabalier und seiner musik und person je wirklich beschäftigt hat!?
der hat aus meiner persönlichen sicht einiges an talent!
a) überraschend sehr große, kräftige, ton treffende!,angenehme!, wiedererkennbare live stimme (trotz halbplayback feststellbar)
b) musiziert seit seiner kindheit :klavier(
gelernt), gitarre u. steir. harmonika autodidakt.-aber auch live
c) naturtalent in der interaktion mit seinem publikum
d) steht 100% hinter dem was er grade tut- inkl. adäquatem augenzwinkern
forts folgt...

doktortakeiteasy
00
21.1.2012, 00:42
gabalier wirklich talentfrei? darum gings doch, oder?teil 2

teil2 )
e) textet, komponiert alles selber-sicher!
f) marketing ist fast sowas wie sein hobby...(gem.interview-nicht kratky!)
g) extrem treue fangemeinde....österreichweit!
(das muss man sich wie auch immer mal erarbeiten!)
wäre hinter all dem und noch mehr 'nur' der bartelmus (gem.vorangfegangener mail), würde ich mich gerne von ihm 'zur konserve' machen lassen, 1 jahr nach seiner pfeife tanzen und gäbe ihm noch locker 70%...!!!
UND ja, gabalier polarisiert wie strache..keiner mag ihn und jeder kauft ihn..!??
dirndl u lederhose rulez in wien !?und?schlecht? auch mal NICHT intretpretieren, geht das auch??`!??
ok, bin frei zum abschuss ;-( *duck* :-)

Erika Rothen
01
19.1.2012, 14:11
Diesen gabalier nicht kennend, kann man darauf hinweisen,

dass es immer wieder "Superstars" gibt, die das, als was sie tituliert werden, objektiv nicht können, aber irgendwie trotzdem die Menschen erreichen.

Nehmen wir "Weltsuperstar" Robbie Williams: hat ein Fistelstimmchen, kann dieses Stimmchen auch nicht besonders gut führen, produziert von der musikalischen Substanz her eher seichte Liedchen, ist aber eben so ein Superstar.

Man würde ihn vielleicht eher als Entertainer bezeichnen, denn als Sänger, aber selbst unter diesem Titel könnte er sich nichtmal mit Gottschalk vergleichen...

Nein, das sind einfach Phänomene, welche der Gesellschaft einen Spiegel ihrer eigenen Unzulänglichkeit vorhalten.

Just N. Opinion
 
01
19.1.2012, 12:18
Kenn den Menschen gar nicht.

Begeistert also Hunderttausende, die nicht auf meinem Planeten wohnen. Soll sein.

Was heißt schon Volksmusik? Das unsägliche "I am from Austria" des Rainhard F. ist auch Volksmusik, das ebenso hurrapatriotische "Born in the USA" von Bruce Sp. genauso.

Wer sowas mag, hört entsprechende Radiosender. Wer nie Ö3 hört, bleibt davon verschont.

Leider spielt sogar 88.6 in Wien immer öfter den weinerlichen Schmarrn von Christl St. und Xavier N. mit ihren seichten, pseudotiefsinnigen Texten.

Muss mir einen neuen Lieblingssender suchen. Gut, dass es Webradio gibt.

Der Artikel gefällt mir
00
19.1.2012, 13:09
Musik ist natürlich Geschmackssache: aber Fendrich und Sprinsteen können zumindest selber Singen und ein Instrument spielen!

Im Gegensatz zu überraschend vielen Leuten in der ''völkstümlichen'' Musik!

Medikamente ohne Wirkstoff heissen ''Placebo''. Irreführende Produkte im Supermarkt heissen ''Mogelpackung''

Fesche Leute, mit Moonboots, oder Trompete, die nur vortäuschen ''Musiker'' zu sein, müßten eigentlich einen neuen Namen bekommen!

Erika Rothen
00
19.1.2012, 14:04
Fendrich und Springsteen können singen?

Wann haben die das gelernt? Kürzlich konnten sie es noch nicht ;)

Andreas P. Tauser
 
00
19.1.2012, 16:03

Fendrich war Sängerknabe. So oder: mit Gabalier kann man ihn jedenfalls nicht vergleichen.

imho1980
01
19.1.2012, 12:57
Born in the USA

ist absolut kein patriotisches Lied. Bitte mal den Text nachlesen ...

Just N. Opinion
 
00
19.1.2012, 21:21
Nicht?

roland-p
00

Nein, es ist ein kritisches Lied über die Armee, den Vietnamkrieg und den Umgang der USA mit ihren Kriegsveteranen ... und schon alleine das Plattencover dürfte US-Patrioten nicht so gefallen: http://www.google.at/imgres?q=... x=38&ty=55

clemens65
00
22.1.2012, 18:15
Nein :-)

Erika Rothen
00
19.1.2012, 14:13
Vor allem ist es kein Lied,

sondern ein Geschrei, bestehend aus ganzen 5 verschiedenen Tönen im Bereich einer bescheidenen Sext...

Joe_Chip
00
19.1.2012, 16:59

was eine bescheidene sext sein soll was die allwissende bestoftheworldforeverkulturgöttin Erika rothen aber alleine....

Erika Rothen
00
19.1.2012, 19:39
eine "bescheidene" sext ist

ein deutlich kleineres Intervall als beispielswise eine "stolze" duodezim...

Born in the USA, wenn man es in C-Dur nimmt: Booorn in (g) the (e) U (a) S A (g); I (e oder d) was (C) [luftholen] poooorn (g) ... usw.
Also: tiefster Ton - C, höchster Ton - a, ist gerade mal eine schlappe sext.
Schon mal bemerkt?: Der Tonumfang von Springsteens Songs ist fast immer ungewöhnlich klein, was vielleicht daran liegt, dass "The Boss'" (rofl) Stimme nur im Bereich einer kleinen terz halbwegs sauber klingt. Alles drüber und drunter ist schon mehr gewürgt als gesungen.

Jetzt verstanden?

_ricko_
01
19.1.2012, 12:09
sinnlose musik

volksmusikfreunde schon beobachtet? sie schließen die augen, summen, schaukeln und verfallen in trance zu der immer gleichen sich ständig wiederholenden melodie gepaart mit texten der kategorie 'paranoide schizophrenie'.

ergo: volsmusik ist eine hardcore-droge

Erika Rothen
00
19.1.2012, 14:17
Haha,

und inwiefern unterscheidet sich das gehabe der Schlagerfans von jenem der Fans bei einem Hardrock-Konzert?
Ok, letztere summen nicht mit geschlossenen Augen, sie brüllen eher. Aber das Schaukeln (headbanging?) und die Trance zu ständig sich wiederholenden Geräuschen der kategorie "paranoide Schizophrenie" ist sonst ziemlich ähnlich, finden Sie nicht auch?

_ricko_
01
19.1.2012, 17:21

nein, die melodie und der text (rock ist per def dramatisch) variieren stark.
bei volksmusik könnens eins von 4 presets am keyboard aktivieren und dazu die schnulze singen - wird auch so gemacht.

her wig
12
19.1.2012, 11:55
Gabalier spielt Musik für seine Fans

Tauser nörgelt an anderen herum.

Schlussfolgerung: Gabalier ist ein populärer Musiker, Tauser ein grantiger Nörgler.

Macht Erfolglosigkeit eigentlich neidisch? Und warum weist Tauser nicht auf die Vorzüge seiner Musik hin? Kennt er sie nicht, gibt es keine nennenswerten?

Oder will er ohnehin nur seine Abneigung gegenüber diesen anderen Menschen kundtun, die einen so schlechten Geschmack und ein so schädliches Verhalten an den Tag legen weil sie nicht ausschliesslich seine, Tausers, Musik hören wollen.

Andreas P. Tauser
 
00
19.1.2012, 12:26

Sie kommen, glauben Sie mir, bestimmt viel eher zu einem produktiven Austausch, wenn die sich weniger in Emotionen und Annahmen zu meiner Person und meinen Absichten verlieren. www.bohemien.at.tt
Wie sage doch Kant so schön: "Den Nörglern und nur den Nörglern verdanken wir den Fortschritt."
Im konkreten Falle jedoch liegt Nörgelei noch nicht einmal vor.
Kritik und Fragestellung in Essayform nämlich hat, müssen Sie wissen, nichts zu tun mit Enttäuschung oder anderen von Ihnen angesprochenen Emotionen.
So sollten Sie, so meine ich, Textbeiträge und Fragestellungen stets auch vor einem sozialkulturellen Hintergrund betrachten.
Mutmaßungen über meine persönlichen Fähigkeiten nehmen Ihnen die Möglichkeit auf Sachbezogenheit. Liebe Grüße.

her wig
00
19.1.2012, 13:05

A propos Sachbezogenheit: kann Gabalier wirklich nicht singen? Werden seine Lieder von jemand anders gesungen, wie bei Milli Vanilli damals? Oder beklagen Sie sich nur darüber dass in den großen TV-Sendungen die Musik vom Band kommt?

Sie lamentieren lang und breit herum, ich würde das nicht Essay nennen, aber egal, jedenfalls sagen Sie kaum etwas sachliches, im Artikel steht eindeutig "das ist so schlecht" im Vordergrund.

Und nein, der Fortschritt kommt nicht vom Nörgeln sondern vom Fortschreiten.

Andreas P. Tauser
 
00
19.1.2012, 16:13

Ihren Kommentar bezüglich Nörgeln und Fortschritt müssen Sie an Kant richten, ich habe eben nur zitiert. Ach ich bin aber der Ansicht, dass vor dem Fortschreiten und Voranschreiten ein kritisches Hinterfragen der Gegenwart stehen muss.
Kultur und Kunst wird eben von unbequemen Geitern gemacht. Ich glaube, dass unsere beiden Kommentierarten eindeutig den Unterschied zeigen zwischen Kunstproduzent und Kunstkonsument.

Andreas P. Tauser
 
00
19.1.2012, 16:10

Geschätzter Herwig,
ich bin gerne bereit, Sie hier aufzuklären.
Freilich wird auf den Gabalier-Tonträgern die Gabalier-Stimme zu hören sein. Anders vermutlich, wie dereinst bei den Brüdern Morvan und Pilatus. Nun hat aber ein im Studio aufgezeichneter und bearbeiteter Ton nur mehr wenig mit dem original Gesungenen zu tun. Kennen Sie die tatsächliche Live-Stimme Gabaliers? Was in meinem Beitrag steht, ist nicht erfunden: sach- und fachkundiges Publikum lacht über diese Stimme, weil sie sie für einen bewussten Witz hält.
Playback ist kein Thema. Auch Rossi und Co. singen nicht immer live. Aber sie können es zumindest!
Das erkennen von Objektivität als solche kann ich Ihnen nicht näherbringen. Einfach lesen und lesen, leaning by doing.

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