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"Überwältigende" Unterstützung gegen die Vorratsdatenspeicherung

Interview | 24. Jänner 2012, 12:10
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    foto: ak vorrat / (CC-Lizenz)

    4.471 Unterschriften wurden an die Parlamentsdirektion übergeben, seither kann die Initiative gegen die Vorratsdatenspeicherung auch online unterstützt werden.

Andreas Krisch, Obmann des Arbeitskreises Vorrat, über die Bürgerinitiative "Stoppt die VDS"

Seit vergangenem Oktober haben alle Österreicher die Möglichkeit, Bürgerinitiativen mit mehr als 500 schriftlichen Unterstützungserklärungen auch online mitzuzeichnen. Mit einer solchen Initiative richtet sich der Arbeitskreis Vorrat (AK Vorrat) gegen die "EU-Richtlinie zur verdachtsunabhängigen Vorratsdatenspeicherung (2006/24/EG)", deren Umsetzung der Nationalrat im vergangenen April beschlossen hat. Im Petitionstext zu "Stoppt die Vorratsdatenspeicherung" wird das Hohe Haus aufgefordert, die Bundesregierung mit der Intervention gegen das Gesetz im EU-Ministerrat zu beauftragen.

Die Vorratsdatenspeicherung sieht eine sechsmonatige unbegründete Aufzeichnung von Verbindungsdaten bei Telefongesprächen, Kurznachrichten und Internetnutzung vor und erlaubt der Exekutive, zu Ermittlungszwecken in diesen Datensätzen zu recherchieren. Über 43.000 Unterschriften zählt die Initiative mit Stand 24. Jänner 2012. Zum Vergleich: Die bisher größte Petition in Deutschland erreichte mit jener gegen die Internetsperren im Jahr 2009 143.000 Mitzeichner.

Unterstützt wird die Initiative unter anderem vom Ludwig-Boltzmann-Institut, der Piratenpartei, den Grünen und mehreren Datenschutzvereinen. derStandard.at sprach mit dem Obmann des AK Vorrat, Andreas Krisch.

***

derStandard.at: Auf der Projektwebsite zeichnemit.at zeigt ein grüner Balken die Zahl der Unterstützungserklärungen an. Zu Beginn der Aktion wäre er bei 10.000 Mitzeichnern voll gewesen, nun wurde der Counter auf 40.000 Unterschriften erhöht - wächst Ihr Ziel mit der Zeit?

Andreas Krisch: Wir werden ständig von der Wirklichkeit überholt, es ist überwältigend, was hier passiert. Unser erstes Ziel im vergangenen Oktober war es, die 500 Unterschriften auf Papier zu sammeln, damit auf der Website des Parlaments auch online mitgezeichnet werden kann. Das haben wir innerhalb kürzester Zeit erreicht, und 48 Stunden nachdem wir online waren hatten wir 10.000 Mitzeichner. Das war eigentlich unser damaliges Ziel bis zum Ende der Zeichnungsfrist.

derStandard.at: Wann endet die Frist?

Krisch: Die Initiative kann noch unterschrieben werden, bis der Petitionsausschuss des Parlaments zusammentritt. Das wird voraussichtlich Mitte März sein.

derStandard.at: Sie stellen auf Ihrer Website in Aussicht: "Hilf mit, die Vorratsdatenspeicherung abzuschaffen!" Wie realistisch ist ihre Abschaffung wirklich, nachdem das Gesetz den Nationalrat schon passiert hat?

Krisch: Einige Parteien haben bereits beim damaligen Beschluss gesagt, dass sie sich für die Abschaffung auf EU-Ebene einsetzen werden. Das ist es, was wir einfordern. Derzeit findet in der EU außerdem eine Evaluierung der gesamten Richtlinie statt, weil sie in einigen Ländern nicht verfassungskonform ist. Die Kommission hat ja schon vergangenes Jahr einen Bericht vorgelegt und nicht beweisen können, dass diese Maßnahme für irgendetwas gut ist. Es gibt also Hoffnung, auch wenn kürzlich ein Papier der EU-Kommission an den EU-Rat durchgesickert ist, wonach sogar ein weiterer Ausbau dieser Maßnahme diskutiert wird. Dann könnten auch Inhalte wie Chats, Up- und Downloads überwacht werden.

derStandard.at: Könnten Sie sich vorstellen, auch selbst auf EU-Ebene demokratischen Protest zu erheben, sollte die Regierung abwinken?

Krisch: Wir sind seit längerem mit Datenschutzorganisationen in der ganzen EU vernetzt und setzen uns auf verschiedenen Wegen gegen die Vorratsdatenspeicherung ein. Wir haben schon in einer früheren Aktion europaweit 50.000 Unterschriften gesammelt und vorgelegt und stehen in Kontakt mit der zuständigen Kommissarin. Unmittelbare Maßnahmen, die man setzen kann, sind auf EU-Ebene aber nicht so einfach. Darum stellt sich die Frage, ob wir durch öffentlichen Druck und Medienarbeit nicht auf einem besseren Weg sind.

derStandard.at: In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Initiative sehr schnell, auf Twitter schrieben Sie selbst: "Das Socializing-Treffen heute war sehr fruchtsam. Macht euch auf einige tolle Kampagnen gefasst!" Würden Sie sagen, im weitesten Sinne so etwas wie Social-Media-Marketing zu betreiben?

Krisch: Es war für uns von Anfang an klar, dass wir den Schwerpunkt der Initiative online haben werden. Es ist einfach viel stärker unser Kommunikationsmedium, mit dem wir gut umgehen können. Ein konkretes Beispiel unserer Kampagne ist die Möglichkeit, Videos aufzunehmen und hochzuladen, wo die Leute sagen können, warum sie gegen die Vorratsdatenspeicherung sind. Wir hoffen, dadurch eine aussagekräftige Sammlung von Argumenten zu bekommen und dem Ganzen ein Gesicht geben zu können.

derStandard.at: Glauben Sie, die Bürgerinitiative ist im Netz deshalb ein Erfolg, weil es sich um ein Online-Thema handelt?

Krisch: Nicht nur. Ich glaube, dass die ganzen Anti-Terror-Maßnahmen den Menschen schon zu weit geht. Ich war sehr überrascht, als wir anfangs die Unterstützungserklärungen per Post bekommen haben: Darunter waren Briefe von Menschen mit Geburtsjahrgang 1936, die uns offenbar aus eigenem Antrieb unterstützen und nicht, weil sie das Enkerl überredet hat. 

derStandard.at: Im offiziellen Initiativentext sprechen Sie wie selbstverständlich von "Terrorgesetzen", die der Nationalrat zu evaluieren ersucht wird. Haben Sie nicht die Befürchtung, durch so eine Wortwahl zu plakativ und unseriös zu wirken?

Krisch: Ich denke nicht, dass es an einem saloppen Wort hängen wird, ob wir ernst genommen werden oder nicht. Die zehntausenden Unterschriften sind ein starkes Signal, dass viele Leute ähnlich denken, und wir legen ja auch sachliche und fachliche Argumente für unsere Sichtweise auf den Tisch.

derStandard.at: Woraus speist sich Ihre persönliche Motivation für eine wahrscheinlich nicht unaufwendige Sache?

Krisch: Wir sind im AK Vorrat hauptsächlich Leute, die mit dem Internet groß geworden sind und es regelmäßig nutzen. Vielleicht sehen wir deshalb das Gefährdungspotenzial der Vorratsdatenspeicherung kritischer. Wenn sie eingeführt wird, gibt es faktisch keine Möglichkeit mehr für vertrauliche Kommunikation. Bei den traditionellen Kommunikationsmedien wie dem Postverkehr wird das Briefgeheimnis aufrechterhalten, und wir wollen es uns bei den elektronischen Medien nicht wegnehmen lassen.

derStandard.at: In der Begründung für die Initiative zählen Sie mehrere Argumente gegen die Vorratsdatenspeicherung auf. Gibt es sonst noch Gründe, warum man mitzeichnen sollte?

Krisch: Österreich hat sich immer wieder für die Menschenrechte starkgemacht, und ich glaube, dass es uns auch in diesem Punkt ganz gut anstehen würde, uns auf EU-Ebene für eine Wahrung der Menschenrechte und des Rechts auf Privatsphäre einzusetzen. (Michael Matzenberger, derStandard.at, 24.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2
Schwalbe
00
31.1.2012, 21:49
Ich habe keinen österreichischen Pass

und darf daher NICHT die Initiative gegen Voratsdatenspeichrung mit meiner Unterschrift unterstützen. - Bin ich trotzdem von der Voratsdatenspeicherung betroffen? Oder gilt die nur für Inländer?

Markus Hochstaffl=Wasserpfeiffenorschloch
00
26.1.2012, 11:40
Das umgehen der Vorratsdatenspeicherung leicht gemacht um 1€

Bin Computer -laie wenn jemand eine bessere Idee bzw. Vorschlag hat freue ich mich, und sicher auch andre Laien.
Danke:
Teil1Theorie: http://www.youtube.com/watch?fea... maZNx_ElKQ

Teil2 Praxis: http://www.youtube.com/watch?v=w... ure=relmfu

standarT
01
25.1.2012, 12:54
realistisch betrachtet

ich hab zwar mitgezeichnet, und auch meine Freunde, Oma und Schwester hab ich dazu bewegen können.. aber ich denke nicht dass sich etwas ändern wird am Beschluss.

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
25.1.2012, 15:23
nope ... weil unsere Politiker kuschen und machen was ihnen aus dem Ausland angeschafft wird!

justsmile2
012
25.1.2012, 10:47
Danke für den Bericht

was viele noch mehr freuen würde, wäre ein großes Bild davon auf der Startseite - z.B. statt Wahlkampf in USA mehr Infos über zeichnemit.at und div. ACTA-Entwicklungen...

AndiBacher1985
01
25.1.2012, 08:13

Hat jemand eine Referenz zu Infos, wie sich Vorratsdatenspeicherung auf online-eMail Konten wie gmail oder hotmail auswirken?

janeinvielleicht
01
25.1.2012, 04:31
berg zum propheten
 
01
24.1.2012, 23:22

https://www.torproject.org/
http://kevin-peter.de/index.php... anonymitat

1. Nicht für Filesharing/große Downloads
2. Bitte einen Knoten zur Verfügung stellen (je mehr es gibt, desto besser funktioniert's)

patentfree
00
28.1.2012, 12:15
ein paar kommen bald dazu

Der österreichische Geheimdienst hat bereits 10 zur Verfügung gestellt. Geht jetzt fix wie nix.

Ein paar Unternehmen - darunter M*, G*, A* - haben sich ebenfalls bereit erklärt, Server kostenlos online zu stellen. Die dahinterstehende Finanzierung wollte man nicht verraten. ;)

Die russischen Hacker sind sich noch unsicher. Kommt auf die Daten ... ähm ... die Umstände drauf an.

berg zum propheten
 
00
28.1.2012, 13:37

Darum braucht es massenhaft Knoten. Soweit ich es kapiert habe, kann die Verbindung nachvollzogen werden, wenn man sowohl den Einstiegsknoten als auch den Ausstiegsknoten kontrolliert (mit Vergleich der Zeit und der Datenmengen). Die Knoten sind über den Planeten verteilt und die Route ändert sich (dzt alle 10 min, aber es ist OSS, daher kann man das wahrsch. ändern). Es gibt auch schon die Möglichkeit der Knotenpools für zensierte User (zu denen wir bald zählen), welche nicht öffentlich verteilt werden. Auch Knotensperrlisten wären vorstellbar.

Was ich gern wissen möchte, sind derartige Systeme bzgl. VDS einigermaßen vertrauenswürdig, und welche Alternativen gibt es (die müssten unter Kontrolle der User stehen und Open Source sein).

standarT
00
25.1.2012, 12:42
Tor

leider extrem langsam! hab mir gegen geringes Bares einen VPN Service gegkauft. Fast keine Einbuse beim Speed.

Schulterzuckender Atlas
05
24.1.2012, 19:35
Ich würde gerne zweimal unterschreiben ...

... aber mein Ehrgefühl sagt mir, daß 1x genug ist - sofern es überhaupt etwas bringen sollte ...

Trotzdem, auf auf Burschen und Mädel, dauert keine 3 Minuten!

Ty po gr af ie
00
24.1.2012, 14:47
"Über 43.000 Unterschriften zählt die Initiative mit Stand 24. Jänner 2012."

38868 Personen haben bereits mitgezeichnet!
4471 Unterstützungen auf Papier und 34397 online

hä?

dakakadu
02
24.1.2012, 15:56

Der Balken fasst 40,000 Unterschriften, derzeit sind 38946 Unterschriften eingereicht worden. Wenn die 40,000 erreicht sind, ist der Balken komplett grün...

Ty po gr af ie
10
27.1.2012, 22:16
Wer gibt dieser Antwort von dakakadu Grün?

Da wundert mich dann nichts mehr...
soll oder muss ich die das jetzt wirklich erklären?
:)

Bertee
02
24.1.2012, 14:36
Yepp

unterzeichnet. Die Parlamentspage ist übrigens insgesamt eine mittlere ZUMUTUNG!

jono
05
24.1.2012, 14:34
Tschechien, Rumänien

Immerhin haben die Verfassungsgerichte der beiden EU - Länder Tschechien und Rumänien die VDS für verfassungswidrig erklärt.

Haben die eine menschenrechtsfreundlichere Verfassung als Österreich oder hat bei uns noch niemand dagegen geklagt?

SagServus
00
24.1.2012, 16:24

Dort wird nicht gleich gekuscht wenn irgendwas von der EU beschlossen ist.

Unsere Politiker wollen aber in Brüssel als Liebkind dastehen und bücken sich halt vor jedem Gesetz das aus Brüssel kommt wo es nur geht. Egal ob das bei uns verfassungswidrig wäre oder nicht.

STiAT
00
24.1.2012, 14:02
"Dann könnten auch Inhalte wie Chats, Up- und Downloads überwacht werden."

Na das würde der Medienindustrie gefallen. Ein bisschen mehr Lobbying und diese Daten müssen Unternehmen für zivilrechtliche Klagen zur Verfügung gestellt werden....

Georg55
06
24.1.2012, 13:18
Vorratsdatenspeicherung = Vorbereitungshandlung zukünftiger staatlicher Straftaten !!!

nyb
04
24.1.2012, 13:08

warum habt den ihr so schrecklich angst vor mir?

Gerorg Kreisler:

http://www.youtube.com/watch?v=fkaYbUcqFU8

Markus Hochstaffl=Wasserpfeiffenorschloch
00
26.1.2012, 12:06
Genial "danke"

ü-strichal
134
24.1.2012, 12:58

selbst wenn all die 8 mio österreicherischen terroristen die unterstützung unterzeichnen würden, würde die vds trotzdem mit pauken und trompeten eingeführt, dazu sind einfach schon zuviele bestechungsmillionen in die büros der österreichischen volks(ver)treter geflossen

denn das dumme stimmvieh und die ganzen raubkopierkinderverzahrermörder gehören eingeschüchtert, bepsitzelt und überwacht dass sich die balken biegen

rolin
02
24.1.2012, 13:45

Ich glaube, du verwechselst die VDS mit ACTA! Abzulehnen ist aber beides!!

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