Linz - Die börsenotierte Oberbank hat 2011 den Konzernjahresüberschuss
vor und nach Steuern jeweils um 5,5 Prozent auf 121 Mio. beziehungsweise auf 104
Mio. Euro erhöht. Wachstumstreiber waren einmal mehr die Kommerzfinanzierungen,
berichtete Generaldirektor Franz Gasselsberger in einer Pressekonferenz am
Dienstag in Linz aufgrund von bisher vorliegenden Zahlen. Für heuer ist er trotz
verhaltener Einschätzungen der Prognoseinstitute optimistisch.
Die Bilanzsumme der Oberbank ist 2011 um 4,5 Prozent auf 17,5 Mrd. Euro
gestiegen, das Betriebsergebnis um 6,5 Prozent auf 174 Mio. Euro. Das gesamte
Kreditvolumen weitete sich um 4,1 Prozent auf 10,9 Mrd. aus. Die
Kommerzfinanzierungen wuchsen um 5 Prozent auf 8,9 Mrd. Euro. Das
Leasinggeschäft legte insgesamt um 6,5 Prozent auf 1,4 Mrd. zu, das Neugeschäft
dabei um 26 Prozent auf 500 Mio. Euro.
Primäreinlagen
Die Primäreinlagen wurden um 1,6 Prozent auf 11,3 Mrd. Euro erhöht. Mit den
Kundeneinlagen und Mitteln der Kontrollbank verfüge die Oberbank über
Refinanzierungsmittel von 12 Mrd. Euro. Damit könne sie ihr gesamtes
Kreditvolumen refinanzieren und habe trotzdem noch eine Liquiditätsreserve von
1,1 Mrd. Euro, rechnete Gasselsberger vor. Die Kernkapitalquote sei um 0,8
Prozentpunkte auf über 11,3 Prozent noch einmal deutlich angestiegen. Damit
brauche die Oberbank keine Staatshilfe, im Gegenteil zahle sie mehr als 22 Mio.
Euro Steuern plus 6 Mio. Bankenabgabe.
Die Zahl der Mitarbeiter ist im abgelaufenen Jahr um 60 auf insgesamt 2.000
gestiegen, vor allem durch 8 neue Filialen - 4 in Wien, je 2 in Bayern und der
Slowakei. Insgesamt hat das Geldinstitut nun 150, davon wurden 50 in den
vergangenen 5 Jahren gegründet. Die "Bank für Oberösterreich und Salzburg" habe
in ihrem Kerngebiet immer noch jeweils 60 Prozent des Volumens und der Erträge.
Aber Wien mit aktuell 16 Filialen sei der "dynamischste Markt". Gasselsberger
will dort "noch sichtbarer werden" mit später 25 bis 30 Filialen. Die
Bundeshauptstadt und Bayern (22 Filialen) seien die wichtigsten
"Kreditlieferanten". In Tschechien (18 Filialen) seien immer schwarze Zahlen
geschrieben worden. Die Slowakei (5 Filialen) entwickle sich sehr gut.
Ungarn
Ungarn (6 Filialen) befinde sich in einer Sondersituation: Die Verluste aus
der Rückzahlung von Fremdwährungskrediten würden maximal 200.000 Euro ausmachen,
seien also "überschaubar". Im Gegenzug würden Kunden, die derartige Kredite bei
anderen Banken vorzeitig tilgen wollen, die Oberbank-Filialen stürmen und diese
könnten sich gute Bonitäten aussuchen. Filialschließungen und Personalabbau bei
großen Mitbewerbern würden großes Kundenpotenzial bedeuten. In Ostösterreich
verspüre die Oberbank zudem einen starken Kapitalzufluss aus Ungarn.
Im Ausblick auf 2012 stellte Gasselsberger fest: "Die angesagte Rezession
findet nicht statt." Gespräche mit den Firmenkunden zeigten, die Unternehmen
seien recht optimistisch, ihre Auftragslage sei sehr gut, die Lagerstände in der
Industrie niedrig. Zusammen mit einer Wohnbauoffensive im Privatkundenbereich
plant der Generaldirektor ein Kreditwachstum von bis zu 6 Prozent ein.
"Insgesamt soll 2012 das ausgezeichnete Ergebnis des Jahres 2011 wieder erreicht
werden", sagte er.
Der AAA-Verlust Österreichs sei wegen der engen Vernetzung mit Ungarn und
Italien sowie wegen des international wahrgenommenen Stillstandes in der
Bundespolitik erfolgt. Das eine sei ein externer Effekt, den man nicht
beeinflussen könne, merkte Gasselsberger an. Zu anderen sagte er: "Das hätten
wir billiger haben können, wenn vor Weihnachten etwas geschehen wäre". Weil
keine Schuldenbremse in der Verfassung verankert wurde, sei die erste Chance,
das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen, vergeben worden, jetzt habe die
zweite begonnen. "Die Politik soll jetzt nicht lamentieren, sondern die
Rückstufung als Ansporn sehen, als eine Motivation, schnellstens überzeugende
Konzepte zu liefern, wie die Staatsschulden reduziert werden", sagte er. Jetzt
sei es wichtig, das aktuelle Einstufungsniveau abzusichern, denn der Ausblick
sei negativ. (APA)