Strassenverkehr

Studie belegt: Mehr Unfälle durch Kopfhörer

17. Jänner 2012, 11:54
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    foto: apa/stadler

    Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, in diesem Fall unschuldiges Kopfhörermodel.

Studie in den USA - Die mentale Verarbeitungskapazität des Gehirns ist durch multiple Stimulation eingeschränkt

Die Zahl Kopfhörer tragender Fußgänger, die schwere Verletzungen aus Unfällen davontragen, hat sich in sechs Jahren mehr als verdreifacht. Das geht aus einer neuen Studie der University of Maryland School of Medicine und des University of Maryland Medical Center in Baltimore hervor. Häufig können Fußgänger die Hupgeräusche von Autos und Zügen nicht hören. In fast drei Vierteln der Fälle erliegen die Opfer ihren Verletzungen.

Ablenkung und ausgeblendete Umgebungsgeräusche

"Jeder ist sich des Risikos bewusst, das der Gebrauch von Mobiltelefonen oder das Verfassen von Textmitteilungen im Straßenverkehr mit sich bringt. Trotzdem sieht man immer mehr Teenager, die sich Kopfhörer tragend mit ihrem neuesten Gerät beschäftigen und abgelenkt sind", so einer der Hauptverfasser der Studie, Richard Lichenstein. "Da wir immer verlockendere Geräte entwickeln, steigt auch das Risiko von Unfällen, die auf Ablenkung und ausgeblendete Umgebungsgeräusche zurückzuführen sind."

Analyse von Fallstudien

Lichenstein und seine Kollegen untersuchten nachträglich erstellte Fallstudien des nationalen elektronischen Überwachungssystems für Verletzungen (NEISS), der US-Kommission für die Sicherheit von Verbraucherprodukten (CPSC) sowie der Google News Archives und der Forschungsdatenbanken des Westlaw Campus.

Die zwischen 2004 und 2011 publizierten Berichte beziehen sich auf Unfälle, in denen Fußgänger bei Kollisionen mit Zügen oder motorisierten Fahrzeugen Verletzungen davontrugen oder zu Tode kamen. Fälle, in denen der Gebrauch von Kopfhörern im Spiel war, wurden isoliert betrachtet und zusammengefasst. Die Untersuchung wurde am 17. Jänner im Fachmagazin "Injury Prevention" veröffentlicht.

Keine Wahrnehmung der Hupsignale

Die Wissenschafter überprüften insgesamt 116 Unfälle, bei denen Fußgänger nachweislich von Kopfhörern Gebrauch machten. 70 Prozent der Unfälle endeten für die Fußgänger tödlich. 68 Prozent aller Unfallopfer waren männlich, 67 Prozent unter 30 Jahre alt. Mehr als die Hälfte der in Unfälle involvierten Fahrzeuge waren Züge und 29 Prozent der Fahrzeuge hupten unmittelbar vor dem Unfall.

"Unaufmerksamkeitsblindheit"

Die über die Jahre gestiegene Unfallhäufigkeit geht mit der nachweislich steigenden Beliebtheit von akustischen Technologien mit Kopfhörerunterstützung einher. Die Studienleiter weisen auf zwei Ursachen hin, die mit derartigen Verletzungen und Todesfällen in Verbindung stehen sollen: Ablenkung und sensorische Deprivation.

Diese durch elektronische Geräte verursachte Form der Ablenkung wird auch als "Unaufmerksamkeitsblindheit" bezeichnet, wobei es durch multiple Stimulation zu einer Einschränkung der mentalen Verarbeitungskapazität des Gehirns kommt.

Tragischer Unfall als Anstoß

Anstoß für die Studie war ein tragischer Unfall, bei dem ein Teenager bei der Überquerung von Bahnschienen verunglückte. Er hatte Kopfhörer getragen und war dem sich nähernden Zug trotz akustischer Warnsignale nicht ausgewichen. Eine erneute Prüfung des Sachverhalts deutete auf weitere Fälle hin, nicht nur in Maryland, sondern auch in den übrigen US-Bundesstaaten.

"Als pädiatrischer Unfallarzt und Person, die sich grundsätzlich für Sicherheit und Prävention interessiert, sah ich dies als Gelegenheit, um Eltern von Teenagern und junge Erwachsene zumindest auf das potenzielle Risiko aufmerksam zu machen, das mit dem Tragen von Kopfhörern in unmittelbarer Nähe von fahrenden Fahrzeugen verbunden ist", sagt Lichenstein. (red, derStandard.at)

Literatur:

R. Lichenstein, D. Smith, J. Ambrose, L. Moody: "Headphone use and pedestrian injury and death in the United States: 2004-2011"

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 346
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Der da halt
00
24.1.2012, 15:55
"Mehr als die Hälfte der in Unfälle involvierten Fahrzeuge waren Züge und 29 Prozent der Fahrzeuge hupten unmittelbar vor dem Unfall."

Wer hupen kann, kann auch bremsen.

wurzen sepp
 
00
19.1.2012, 16:39
entscheidend ist

die verstärkung der abschottungswirkung durch tief in das gesicht gekämmte stirnfransen, evtl auch schirmkappe und existentialistisch nach vorn gebückte haltung.

Pierre d´Aubusson
00
19.1.2012, 08:10

Multiple Stimulation? A neue Krankheit?
Zahlt die Krankenkasse? Wer verkauft das notwendige Diagnoseequipment? Wird neues Personal eingestellt? Wer macht sich da wichtig?

Die einfache Erkenntnis, daß z.B. im toten Winkel Fahrzeuge zwar nicht gesehen, wohl aber gehört werden? Ich überleg mir garnicht, wie oft ich erst durch Geräusche auf etwas aufmerksam wurde. So einfach ist die Erklärung.

waldenoderlebenindenwäldern
 
20
18.1.2012, 18:35
Heut wirds immer Ärger

heut redet man Leuten ein die keine Hämorriden haben es fehle ihnen an Signalmasten.Ich geh cocooning.

Got Your Nose!
00
18.1.2012, 15:22

großangelegte studie belegt: nichts zu hören erschwert die akustische wahrnehmung!

es gibt schon ein paar schauer....

Kra Wuzikabuzi
02
18.1.2012, 14:12
und wie schauts bei augenbinden aus ?

oder bei sack über dem kopf, oder wenn beide schuhe zusammengebunden sind ?

bin ich froh dass ich täglich in dieser intelligenten zeitung so viel lernen kann...

QModus
41
18.1.2012, 12:41
Oje - da lauert schon das nächste Verbot...

Ist aber auch kein Wunder, wenn man sich hochsubventionierte Kuratorien leistet, die nichts anderes tun, als letztlich die totale Reglementierung zu betreiben, Schritt für Schritt.

Jede Woche eine neue Verbots-Idee, und die Medien sind willfährige Komplizen ob der billig befüllten Zeilen.
Der Österreicher genießt jede Einschränkung, die nur den anderen trifft scheinbar - die dadurch fortschreitende Selbstfesselung zu erkennen, scheint er zu blöd zu sein (> Krone-Leserbriefe!).

Wie viele lebensgefährliche Unfälle könnten verhindert werden durch Helmpflicht und Einbahnregelungen für Fußgänger!
Dann noch GPS-Chips rein, noch mehr Videokameras, und das undiszplinierte Herumgerenne hätte endlich ein Ende!
Ja, KfV - ??
-
pereat mundus!
*seufz*

Harald Bruckner
00
18.1.2012, 13:00
StVO

verbietet Verkehrteilnehmern Kopfhöhrer zu benutzen, die die akustische Wahrnehmung beeinflussen.

Kra Wuzikabuzi
00
18.1.2012, 14:14
ich gehe mal davon aus, dass nahezu 100% Kopfhörer sind

kenne wenige die mit den Füßen hören...

Harald Bruckner
00
18.1.2012, 15:05
???

Befreier von Butter und Eier
01
18.1.2012, 12:31

Dazu braucht man eine Studie?????
Hier genügt der Hausverstand, ihr lieben Studierten.

Hellex
00
18.1.2012, 12:14
Studie belegt: Mehr Unfälle durch Kopfhörer

interessanterweise werden die Unfälle mit den Kopfhörern gar nicht erwähnt.
Jetzt hatte ich mir schon Bilder gewünscht mit den Dingen in der Nase oder sonst wo.
Schade...

cu.exe
00
18.1.2012, 12:03
An den Kopfhörern liegt das sicher nicht

eher an zu lauter Musik und Ablenkung durch Fummelei an irgendwelchen Geräten.

system1
20
18.1.2012, 11:59
studie belegt: weniger todesfälle durch

gefährliche eitrige mittelohrentzündungen verhindert von kopfhörern.

Truth is a Troll
00
18.1.2012, 11:49

Also wenn man am Straßenverkehr teilnimmt und an relevanten Stellen nichtmal ein Mindestmaß von aufmerksamkeit besitzt, ist dies gefährlich.

Boah ehy! Gut das wir das jetzt wissen. Haben meine Eltern und Kindergartenerzieher(innen) doch Recht gehabt. Muss ich ihnen direkt mal sagen.

Betty Davis
41
18.1.2012, 11:47
gilt nicht genau das gleiche für Autofahrer,

die in ihrer "abgeschlossenen Kugel" fahren als wären sie alleine auf der Welt.
Als passionierte Fussgängerin und Öffifahrerin erleb ich das jeden Tag in meinem Wohnbereich: in vollem Karacho blindlings und sensorisch depriviert links abbiegen über den Zebrastreifen um die nächste grüne Ampel zu erwischen, egal ob sich Fussgänger drauf befinden oder nicht, bei Regen völlig ohne Wahrnehmung der UMgebung durch die Lacken am Fahrbahnrand, die Fontänen voll auf die Fussgänger.
Also, lasst mich mit meinen Kopfhören in Frieden :-))

Harald Bruckner
01
18.1.2012, 13:02
völlig richtig

deswegen ist der Betrieb von lauten Geräten, wie Subwoofern verboten!

We're all mad here.
01
18.1.2012, 11:45
Bin immer mit Kopfhörern unterwegs

Stimmt schon, geräuschmäßig bekomm ich gar nix mit (Metal und große Kopfhörer schirmen da gut ab), aber ich schaue wo ich hinlaufe und ob da eventuell Autos kommen könnten.
Passiert is mir noch nie was und in den paar Situationen, in denen es knapp war, hätte es nichts geändert wenn ich ohne Hörer unterwegs gewesen wäre.

Betty Davis
00
18.1.2012, 11:41
gilt nicht genau das gleiche für Autofahrer,

kor-del
03
18.1.2012, 12:04
ab 2013

ist autofahren nur mehr mit offenen Fenstern erlaubt.

Ben Hemmens
12
18.1.2012, 11:41
Wenn man Kopfhörer verbietet, müsste man sich

konsequenterweise auch fragen, ob man die Verkehrsteilnahme von Menschen mit eingeschränktem Gehör auch entsprechend begrenzen soll.

Wohin man bei diesen Ablenkungsthemen blickt, tun sich solche Gleichheitsfragen auf, und daher ist es in Summe ein Bereich, wo man andere Methoden als Vorschriften finden muss, um einen intelligenten Umgang mit diesen Gefahren zu fördern.

Patrick Star3
12
18.1.2012, 12:00

In dem Beitrag ist kein Wort über ein Gesetz gefallen.

Setzt mal die Kopfhörer beim Lesen ab.

Ben Hemmens
00
18.1.2012, 14:00
Richtig, aber hierzulande führt jedes solche Thema zur Einführung neuer Vorschriften.

Man kann nicht so schnell schauen, wie das KfV zu sowas eine Studie herstellt und schwupp! kommt der neue Paragraph.

Es geht so weit, dass der Gesetzgeber Gesetze erlässt, bei denen er – im Gesetzestext selber! – zum Ausdruck bringt, dass er diese nicht ernst meint. So geschehen bei der Rad-Helmpflicht für Kinder, für die es 1) keine Strafbestimmung und 2) den versuchten Ausschluss zivilrechtlicher Folgen der Missachtung gibt.

Das ist äusserst schwindlig und wir müssen uns dringend damit beschäftigen, wie man Eigenverantwortung und eben einen intelligenten Umgang mit alltäglichen Gefahren anders stimulieren können.

Viktor Crowford
00
18.1.2012, 12:58
Aber gefährlich oft in den Kommentaren

Und mindestens ein Land hat dieses Verbot schon. Also die Bedenken sind schon gerechtfertigt.

Ben Hemmens
11
18.1.2012, 11:34
Ob es hierzulande einen ähnlichen Anstieg gegeben hat?

Vielleicht. Es ist aber kein Thema, wo ich einen Bedarf nach großartigen Studien sehe. Dass Ablenkungen zu Unfällen führen ist klar, und dass die neueren Generationen an mobilen elektronischen Geräten erhebliche Ablenkungswirkungen haben können, auch.

Man wird aber in diesem Bereich mit Vorschriften wenig erreichen, bzw. es ist schwer, welche auszudenken, die nicht Gleiches ungleich behandeln. So wünschenswert es ist zB dass Leute im Auto nicht mit Handy am Ohr telefonieren, so klar ist es auch, dass es viele andere Ablenkungen gibt, die gleich schwerwiegend sind: auch mit Freisprechanlage telefonieren oder überhaupt ein intensives Gespräch mit dem Beifahrer führen oder ein Brot essen.

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