Bukarest - Am vierten Tag der Straßenproteste in Rumänien hat es keine gewalttätigen Ausschreitungen mehr gegeben. Dennoch setzte die Polizei in der Hauptstadt Bukarest erneut Tränengas ein. Auch in anderen Städten versammelten sich Hunderte Demonstranten, um erneut gegen die liberaldemokratische Regierung und den Präsidenten Traian Basescu zu protestieren, denen sie einen allzu drastischen Sparkurs in den vergangenen eineinhalb Jahren vorwerfen.
Die Regierung scheint derweil die Straßenproteste mit einem Einlenken bezüglich des vergangene Woche zurückgetretenen ehemaligen Unterstaatssekretärs Raed Arafat beruhigen zu wollen. Wie die Nachrichtenagentur "Mediafax" am Dienstagnachmittag meldete, wird Arafat nach einem Gespräch mit Gesundheitsminister Ladislau Ritli vom Ungarnverband (UDMR) und Premier Emil Boc von den regierenden Liberaldemokraten (PDL) ins Ministerium zurückzukehren.
Insgesamt waren landesweit 10.000 Personen auf den Straßen. In Pitesti wurde bei einer nicht autorisierten Demonstration ein Polizist verletzt. In Bukarest wurden laut der Bukarester Polizei 113 Personen festgenommen und auf Polizeireviere gebracht, nachdem bei Durchsuchungen weiße Waffen wie Messer, Stöcke, Schraubenzieher, Kugelpistolen, Ketten, Steine, aber auch Drogen sichergestellt worden waren. Insgesamt stieg die Bilanz der Festnahmen und Geldstrafen auf 247.
Die Proteste wurden vergangene Woche durch den Rücktritt Raed Arafats aus seinem Amt ausgelöst. Arafat hatte sich öffentlich gegen das später zurückgezogene neue Gesundheitsgesetz ausgesprochen. Insbesondere am Samstag und Sonntag gab es in Bukarest gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei und ausgebreitete Zerstörungen von öffentlichem Raum und Privatbesitz. Für Donnerstag kündigten Oppositionsvertreter in Bukarest eine Großdemonstration an.