Ausgegliederte Schmutzkübel

Michaela Kampl, 17. Jänner 2012, 16:44
  • Auch bei der TV-Debatte am Montagabend in Myrtle Beach mussten sich Gingrich und Romney für ihre Angriffe aufeinander rechtfertigen.

  • Das Video von Romneys Super PAC "Restore our Future" gegen Newt Gingrich.

  • Romney verteidigt sich: Er könne das Super PAC nicht beeinflussen und außerdem wären die gegen Gingrich vorgebrachten Vorwürfe inhaltlich korrekt.

  • "When Mitt Romney came to Town" - Die Retourkutsche von Gingrich: Teil I

  • Und Teil II

Damit sich die Kandidaten ihre Hände nicht dreckig machen, übernehmen Super PACs die Schlammschlacht - Ein Beispiel

Noch vier Tage, dann entscheiden auch die Republikaner in South Carolina über ihren Wunschkandidaten für die Präsidentschaftswahl im kommenden November. Fünf Kandidaten sind noch im Rennen. Die besten Aussichten hat derzeit Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachussetts. Bei der jüngsten TV-Debatte am Montagabend war Romney der erklärte Gegner der anderen Kandidaten. Bei solch offiziellen Anlässen wird zwar hart in der Sache, aber meist ohne Schläge unter die Gürtellinie gegeneinander argumentiert.

Wer die Dreckkübel füllt

Sobald aber die großen Fernsehstationen ihre Kameras und Mikros eingepackt haben und die Studiolichter abgedreht sind, ziehen die Kandidaten ihre Samthandschuhe aus. Der schmutzige Infight wird allerdings überwiegend im Netz ausgetragen. Hier macht sich freilich auch nicht direkt das Team des jeweiligen Kandidaten die Hände schmutzig. Die Dreckkübel füllen sogenannte Super PACs (Political action committees): Unterstützungskomitees, die zwar unbegrenzt viel Geld für einen Kandidaten sammeln dürfen, offiziell aber nicht unter dessen Kontrolle stehen. So haben es die Bewerber um die Präsidentschaft leicht, sich von den negativen Spots über Mitbewerber zu distanzieren. Frei nach dem Motto: Das ist zwar eine Gruppe, die mich unterstützt, aber ich habe keinen direkten Einfluss auf sie. Ich kann von ihnen also auch nicht fordern, die Kampagne gegen XY einzustellen. Sorry.

Anschauungsbeispiel: Der Angriff

Als eines von vielen Praxisbeispielen dient diesmal der republikanische Vorwahlkampf. Die zwei Hauptdarsteller sind Mitt Romney und Newt Gingrich. Die Auseinandersetzung begann Anfang Dezember des Vorjahres, als das für Romney arbeitende Super PAC "Restore our Future" ein Video ins Netz stellte, das den Mitbewerber Newt Gingrich als - Überraschung - inkompetent, von Wirtschaftsinteressen gesteuert und unentschlossen charakterisiert. Laut Informationen des Guardian hat die Negativkampagne bis zu vier Millionen US-Dollar gekostet.

Die Verteidigung

Gingrich war natürlich not amused. Der langjährige Kongressabgeordnete und Sprecher des Repräsentantenhauses forderte von Romney vehement die Einstellung der Attacken. FoxNews griff das Thema mehrfach auf und ließ Romney zu diesem Thema auch nach der TV-Debatte am Montagabend zu Wort kommen. Romneys Verteidigungslinie war erneut: Die Fakten würden stimmen und außerdem habe er keinen Einfluss auf dieses Super PAC.

Der Rückschlag

Anfang Jänner tauchte die Retourkutsche von Gingrich im Netz auf. Verantwortlich für das Video, das Romney als Jobvernichter porträtiert, ist "Winning our Future" - ein Super PAC, das Gingrich unterstützt. In einem fast halbstündigen Video mit dem Titel "When Mitt Romney came to Town" wird Romneys Wirken als Mitgründer von Bain Capital, einem Finanzinvestor mit Sitz in Boston, dargestellt. Die Hauptaussage dieses Films: Romney sei ein gieriger Vertreter des Großkapitals und habe während seiner Zeit bei Bain Capital tausende Jobs in ganz Amerika vernichtet.

"Winning our Future" wurde zwar bereits am 13. Dezember 2011 gegründet, zu diesem Zeitpunkt dürften aber die Kriegskassen kaum gefüllt gewesen sein. Bis zum 4. Jänner lagen die Ausgaben des PAC bei knapp 800.000 US-Dollar. Anfang Jänner dieses Jahres pumpte der Casino-Besitzer und langjährige Unterstützer von Gingrich, Sheldon Adelson, fünf Millionen US-Dollar in Gingrichs PAC. Damit war ausreichend Geld da, um das Anti-Romney-Video zu finanzieren, berichtete die New York Times.

Laut der aktuellen CNN-Umfrage von Anfang Jänner ist Mitt Romney mit 37 Prozent der klare Favorit bei den Vorwahlen am Samstag in South Carolina. Gingrich kommt auf 18 Prozent. In Umfragen aus dem Dezember des Vorjahres lag Gingrich noch eindeutig an erster Stelle. Ob Gingrichs Schmutzkübelkampagne helfen kann, das Ruder in South Carolina noch herumzureißen, wird sich zeigen. Der Einfluss von "negative campaigning" auf die Wähler ist nicht eindeutig geklärt. Aber solange sie sich nicht als eindeutig wirkungslos erweisen, werden Kandidaten - egal aus welcher politischen Richtung - wohl kaum auf sie verzichten. (mka, derStandard.at, 17.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
rph1
00
18.1.2012, 17:29
wo ist das problem?

die superpacs bringen doch ein wenig würze in den wahlkampf....im vorwahlkampf wurden nun auch schon so ziemlich alle möglichen schlammschlachten geschlagen

der "revolution-pac" von ron paul hat echt einige gute spots gemacht...hier der krasseste: http://youtu.be/XKfuS6gfxPY

kühner reiher
 
00
18.1.2012, 21:55

Ich muss sagen den Spot finde ich auch gar nicht schlecht, Ron Paul wäre aufgrund dieser Ansichten kein schlechter Kandidat.
Auf anderen Gebieten kann er mich jedoch nicht überzeugen, sodass doch andere als geringeres Übel bleiben.

helge schneider
10
18.1.2012, 17:07
alle jahre wieder...

glaubt die medienwelt, daß in den usa gewählt wird.

nur leider wierden dort nur stimmen abgegeben, gewählt wird nicht.
zum wählen müsste man die wahl haben, die amerikaner haben keine wahl.

der pres. ist nur eine marionette, und wers nicht glaubt der soll sich mal obamas wahlversprechen ansehen. nix kann sich der pres. aussuchen, die macht ist in der wallstreet, der fed und der weltbank.

aber viele seiten kann man füllen.

ich find schade dass nicht palin und bachmann ins weisse haus einziehen, dann würde man (wie bei bush - iq von 65, reagan -iq 55) besser sehen dass der pres nur eine handpuppe der wirtschaftsinteressen ist.

King Nikochan
00
29.1.2012, 16:53

Nicht nur der prase - alle Politiker sowie gesetze werden in den USA gekauft und verkauft.

Und wer glaubt dass es bei uns so viel anders ist der wird sich noch wundern. Ist ja auch logisch es gibt jede Menge von Wirtschaftsinteressen welche enormes return on investment in Politiker haben. Weil: Politiker sind billig zu haben, Gesetzesänderungen können enorme Profite zur Folge haben.

Goldman Sachs hat ihre Leute überall... Hört sich nach Verschworungstheorie an, ist aber tatsache...

Kühnemund
00
18.1.2012, 19:46

Reagan IQ 55?
Wo hast du das her? Seriösen Link bitte! Danke.

Jackie Treehorn
10
18.1.2012, 12:31

Schade, dass offenbar der einzig Vernünftigte Kanditat Huntsman absolut chancenlos ist. lAber Romney haben die Reps sich wohl verdient. Eine weitere Obama-Amtsperiode.

xEurocent
21
18.1.2012, 13:54

Huntsman ist auch nicht viel vernünftiger als die anderen, er war halt einfach in der Rhetorik gemäßigter. Trotzdem hat er extrem konservative und rechte Positionen zu vielen Themen. Steuersenkungen für Konzerne, Weitere Deregulierung der Finanzmärkte, Privatisierung des staatlichen Pensionssystems und Gesundheitssystems, usw.

Muffel
 
13
18.1.2012, 09:06

Irgendwie lustig dass in dem ansonsten sehr guten Artikel die "Aufklärungsarbeit" zu diesem Thema von Stephen Colbert nicht erwähnt wird, während die Poster hier alle anscheinend schon längst Bescheid wissen. ^^

BTW: Vote for Herman Cain in South Carolina!
;-)

Muffel
 
02
18.1.2012, 09:08

BTW: Colberts Satire zu dem Thema wäre auch einen Standard.at-Artikel wert.

kraeutrpolizei
01
18.1.2012, 12:09
Rumo von Zamonien
01
18.1.2012, 12:09
Sehr richtig.

Die Absurdität dieses Systems wird von Colbert wunderbar dargestellt.

Und nachdem jetzt John Steward der Leiter des Colbert-Super-Pacs ist wird's sicher noch besser.
:-)

austromir
 
12
18.1.2012, 08:59
US-Wahlkampf bei den Republikanern...

von Idioten für Idioten

Absurdio
00
18.1.2012, 13:52
von Idioten für Idioten

Ergänzungen

Von Gaunern für Idioten
von Heuchlern für Heuchler
von Betrügern für Betrüger
von Handlangern für Konzerne
von Reichen für Milliardäre
von Bigotten für Waffendindustrie
usw.

eins zwei drei
00
18.1.2012, 07:34

bitte liebe redaktion:

könnt ihr einmal einen aussenpolitischen beitrag machen, der nicht tage zuvor schon in der financial times erschienen ist ?

danke

Reblaus
06
18.1.2012, 10:30
Bitte liebe Redaktion:

Da ich im Gegensatz zu 123 kein Abo der Financial Times habe, könnts ihr ruhig solche Sachen weiterbringen.

Antwort der Redaktion
00
18.1.2012, 14:14

einen internetzugang haben sie offensichtlich, www.ft.com
und schon geht´s

)so(
00
18.1.2012, 01:57
Exzellent aufbereitete Hintergrundstory

Dank an Autor/in sowie (Chef-)Redaktion für's ermöglichen/zulassen.

Liebe Österreicher und Österreicher
00
17.1.2012, 23:03
Lotto Toto Roulette

hat sich WIN2DAY schon zur Durchführung dieser "WAHL" (hahahahahahahahahaha) bemüht?

Walter KURTZ
 
10
17.1.2012, 19:12

"King of Bain" hat übrigens gleich mal 4 Pinocchios eingeheimst...

desteufelsbeitrag
16
17.1.2012, 17:26
Die "unabhängigen" Super PACs...

Der eine Vorsitzende des Super PAC ist der Jurist vom kandidaten, der andere ein langjähriger Geschäftspartner. Alles sehr unabhängig und sicherlich fernab von Einflussnahme der Kandidaten...

Stephen Colbert zieht die Thematik schon seit längerem durch den Kakao und tritt in South Carolina jetzt auch an, inklusive SuperPAC, der von einer unbekannten Person namens Stewart oder so geleitet wird.

http://www.colbertnation.com/the-colbe... -attack-ad

Muffel
 
11
18.1.2012, 09:02

Diesen "Stewart" spricht man übrigens mit einem stummen "T" aus ;-)

nu4an
01
18.1.2012, 14:02

So wie auch den Colber Repor

Immer mit dem stummen T

Have fun!

nu4an

hmm..
02
18.1.2012, 11:36

wenigstens jmd der regelmäßig die sendung sieht..

allerdings mit zwei stummen "T" ;-)

Sewar :)

Barbara Schett
00
17.1.2012, 21:57

Großartig, lustig und erhellend. Warte nur noch drauf, dass wirklich einer von diesen Comedy-Hosts kandidiert.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.