Rüsselkäfer als große Bedrohung von Palmen

17. Jänner 2012, 12:17
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In Österreich werden die Genetik von Palmen und Methoden zur frühzeitigen Erkennung gefährlicher Schädlinge erforscht

Wien - "Die Dattelpalme muss mit dem Fuß im Wasser und mit dem Kopf in den Flammen stehen" - dieses alte arabische Sprichwort verdeutlicht, dass Dattelpalmen die Energie der Sonne einfangen, um daraus die Früchte aufzubauen. Die Nutzpflanze liefert Nahrung, Holz und Brennstoff, aber auch Flechtmaterial. In Österreich wird die Genetik der Palme erforscht und untersucht, warum Rote Palmenrüsselkäfer den Baum rasch absterben lassen können.

Unterscheidung von Dattelsorten

Die wichtigste Dattelsorte Pakistans ("Aseel") hat Berthold Heinze vom Institut für Genetik am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) gemeinsam mit Mitarbeitern der International Center for Chemical and Biological Sciences der Universität von Karachi untersucht und die Genomsequenz der Chloroplasten in der Dezember-Ausgabe des Journals "Plant Molecular Biology Reporter" veröffentlicht. Im Vergleich mit einer kurz zuvor publizierten DNA-Sequenz einer saudiarabischen Sorte ("Khalas") konnten winzige Unterschiede gefunden werden, die zukünftig eine Identifizierung dieser und weiterer Dattelsorten möglich machen.

Da Spuren von Chloroplasten, mikroskopisch kleinen Zellbestandteilen mit eigenem genetischen System, praktisch in allen Pflanzenteilen vorhanden sind, können mit diesen Methoden auch Datteln im Handel und andere verarbeitete Produkte, ja selbst Kerne, untersucht werden. Mit der entsprechenden Vergleichsdaten-Grundlage können damit Herkunftsbezeichnungen der im internationalen Handel angebotenen Datteln verifiziert werden und kann die Verbreitungsgeschichte der Nutzpflanze untersucht werden.

Rüsselkäfer als große Bedrohung von Palmen

Seit der Einschleppung von Roten Palmenrüsselkäfern (Rhychnophorus ferrugineus) in den 1990er Jahren aus Südostasien in den mediterranen Raum hat sich der Schädling zunehmend ausgebreitet. Die Käfer besitzen einen robusten Körperbau, starke Flügel und können auch mal bis zu fünf Zentimeter groß werden. Ein Weibchen kann sehr rasch eine Vielzahl von Eiern (200 bis 300 Stück) in einen Baumstamm legen - dies erfolgt meist nahe der Krone oder an einer Stelle, an der die Baumrinde bereits geschädigt ist. In Südostasien wird die Larve - "Sagowurm" genannt - von indigenen Völkern als Eiweißlieferant genutzt. Die Larven fressen sich durch das Gewebe der Palme und können den Baum innerhalb weniger Wochen quasi von innen heraus zum Absterben bringen.

Wie die Schädlinge effizient bekämpft werden können, wird am Institut für Waldschutz des BFW erforscht. Zum Einsatz kommen neben Insektiziden auch schonendere Varianten wie Pheromonfallen oder natürliche Feinde wie Nematoden (Fadenwürmer). In jüngster Zeit werden vor allem bioakustische Methoden im Rahmen des EU-Projekts "Q-Detect" untersucht. Ziel ist es, präventive Maßnahmen in verschiedenen Ländern zu treffen, damit dort Quarantäneschadorganismen frühzeitig erkannt und bekämpft werden - und diese erst gar nicht in den EU-Raum gelangen. Derartig klassifizierte Organismen würden bei ihrer Einwanderung als Bio-Invasoren enorme wirtschaftliche und ökologische Schäden verursachen.

Bio-Akustik und Spürhunde

Die Methode der Bio-Akustik ermöglicht neben der frühzeitigen Erkennung gefährlicher Schädlinge auch die zerstörungsfreie Untersuchung von verdächtigem Material. Mikrofone werden beispielsweise mit Knetmasse am Baum angebracht und ermöglichen es ForscherInnen, die Kaulaute von Larven und Käfern zu hören. Zur automatischen Bestimmung unterschiedlicher Käferarten wird eine Software eingesetzt. Die Methode kann nicht nur bei lebenden Bäumen eingesetzt werden, vielmehr kann der Pflanzenschutzdienst damit auch Import-Holz, -Verpackungsmaterial aus Holz und -Pflanzen auf einen möglichen Befall mit Quarantäneschadorganismen untersuchen.

Dem BFW zufolge haben sich aber auch Hunde als erfolgreiche Partner beim Aufspüren von Rüsselkäfern und anderen Schadkäfern erwiesen. Mit Hilfe toter (getrockneter) Larven, Puppen und Käfer werden die Spürhunde darauf trainiert, kleinste Geruchsspuren der Käfer aufzuspüren und anzuzeigen. So werden im BFW die Spürhunde derzeit auf Asiatische Laubholzbockkäfer und Citrusbockkäfer trainiert. Die Schädlinge befallen beinahe alle Laubgehölze, der Citrusbockkäfer zudem Zitruspflanzen und Ziergehölze. Die Einschleppung in den EU-Raum erfolgt beim Laubholzbockkäfer über Verpackungsholz, beim Citrusbockkäfer über Pflanzenware. (dy)

  • Rote Palmenrüsselkäfer setzen Palmen zu.
    foto: bundesforschungszentrum für wald (bfw)

    Rote Palmenrüsselkäfer setzen Palmen zu.

  • Die Schädlinge haben sich seit der Einschleppung in den 1990er Jahren im mediterranen Raum zu einer ernsten Bedrohung entwickelt - im Bild Larven und Kokon des Roten Palmenrüsselkäfers.
    foto: bundesforschungszentrum für wald

    Die Schädlinge haben sich seit der Einschleppung in den 1990er Jahren im mediterranen Raum zu einer ernsten Bedrohung entwickelt - im Bild Larven und Kokon des Roten Palmenrüsselkäfers.

  • Die Larven  fressen sich durch das Gewebe der Palme und können den Baum innerhalb weniger Wochen zum Absterben bringen.
    foto: bundesforschungszentrum für wald

    Die Larven fressen sich durch das Gewebe der Palme und können den Baum innerhalb weniger Wochen zum Absterben bringen.

  • Einem Präsentationspapier aus dem Jahr 2007 wurden diese Ausbreitungsbeispiele entnommen. Im Jahr 1993 (Bild1) sind Ismailia in Ägypten und der spanische Küstenstreifen Costa Tropical vom Roten Palmenrüsselkäfer befallen. Es folgen Israel, Palästina, Jordanien, Valencia in Spanien und die Toskana in Italien - Bild2 zeigt das Jahr 2004. Nach der weiteren Ausbreitung des Schädlings auf die Kanaren, in die Türkei und Griechenland ist im Jahr 2006 (Bild3) auch Frankreich betroffen.
    quelle: bundesforschungszentrum für wald

    Einem Präsentationspapier aus dem Jahr 2007 wurden diese Ausbreitungsbeispiele entnommen. Im Jahr 1993 (Bild1) sind Ismailia in Ägypten und der spanische Küstenstreifen Costa Tropical vom Roten Palmenrüsselkäfer befallen. Es folgen Israel, Palästina, Jordanien, Valencia in Spanien und die Toskana in Italien - Bild2 zeigt das Jahr 2004. Nach der weiteren Ausbreitung des Schädlings auf die Kanaren, in die Türkei und Griechenland ist im Jahr 2006 (Bild3) auch Frankreich betroffen.

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