Der Handelskonzern stellte völlig überraschend die Gespräche zum Verkauf der Tochter "bis auf weiteres" ein
Düsseldorf - Der österreichische Immobilienunternehmer Rene Benko gibt die Hoffnung auf eine Übernahme der Warenhauskette Kaufhof nicht auf. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", kommentierte der Mann die Entscheidung des Kaufhof-Eigentümers Metro, die Verkaufsgespräche auf Eis zu legen. Benko soll 2,1 Milliarden Euro für die Warenhauskette geboten haben und von einem baldigen Abschluss des Deals ausgegangen.
Gespräche bis auf weiteres eingestellt
Der ist allerdings vorerst geplatzt. Metro hat seine langwierigen Gespräche mit Investoren "bis auf weiteres" eingestellt. Hintergrund sei die schwierige Lage an den Finanzmärkten, teilte die Metro AG am Dienstag in Düsseldorf überraschend mit. "Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion", erklärte der neue Metro-Vorstandschef Olaf Koch. "Aus heutiger Sicht können wir das Ertragspotenzial besser selbst heben als durch einen Verkauf." Metro hatte zuletzt mit dem österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko (Signa Holding) sowie dem Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen über einen Verkauf der Warenhauskette verhandelt.
"Wir haben immer betont, dass ein Verkauf das Potenzial von Galeria Kaufhof reflektieren muss", betonte der ehemalige Metro-Finanzchef Koch, der seit Jahresbeginn den Konzern führt. Aus heutiger Sicht könne Metro das Potenzial der Kette aber besser selbst heben - Metro wolle nun zunächst an einer "weiteren Wertsteigerung" der Kette arbeiten. An der "bisherigen Portfoliostrategie (...) ändert diese Entscheidung nichts", unterstrich der neue Konzernchef und machte damit deutlich, dass auch für ihn nur die Cash&Carry-Großhandelsmärkte sowie Europas größter Elektronikhändler Media-Saturn zum Kerngeschäft gehören.
Immobilien in deutschen Innenstädten
In der Branche wurde der Unternehmenswert von Kaufhof 2011 auf 2 bis 3 Mrd. Euro taxiert. Besonders werthaltig sind dabei die Immobilien in den deutschen Innenstädten. Kaufhof erzielte 2010 einen Umsatz von 3,6 Mrd. Euro und einen um Sonderfaktoren bereinigten operativen Gewinn von 138 Mio. Euro.
Die Metro veröffentlicht nicht, was ihre Töchter unter dem Strich verdienen. Neben mehr als 100 Warenhäusern und 16 Sporthäusern in Deutschland betreibt Kaufhof 15 Filialen in Belgien unter der Marke "Inno".
Auf den Abbruch der Verkaufsgespräche reagierte die Metro-Aktie mit Kursverlusten. Dass jetzt die Verkaufsverhandlungen ausgesetzt wurden, lege den Verdacht nahe, dass das Metro-Management nicht den erwünschten Preis habe erzielen können, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer kommentierte: "Das ist sehr schlecht, denn einige Investoren hatten auf die Ausschüttung einer Sonderdividende nach dem Verkauf spekuliert."
Metro gab zugleich vorläufige Umsatzzahlen für das abgelaufene Jahr bekannt. Nach einem schwach verlaufenen Weihnachtsgeschäft sanken die Erlöse 2011 im Konzern um 0,8 Prozent auf 66,7 Mrd. Euro. "Das vergangenen Jahr war durch außerordentliche Entwicklungen stark beeinträchtigt", berichtete Koch in einer Mitteilung. Insbesondere die Staatsschuldenkrise, hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern Europas hätten die Kauflust der Verbraucher gebremst. Dies konnte die Metro am Ende des Jahres nicht mehr wett machen.
"Trotz eines guten Endspurts war das Weihnachtsgeschäft insgesamt enttäuschend", sagte Koch. Im vierten Quartal sank der Umsatz um 1,3 Prozent auf 19,5 Mrd. Euro. Die drei letzten Monate des Jahres sind normalerweise die umsatz- und ertragsstärksten für den Handel.
Jahresprognose gestrichen
Der frühere Metro-Chef Eckhard Cordes, der zum Jahreswechsel seinen Posten geräumt hatte, hatte nach einem schwachen Start in das für Handelsunternehmen entscheidende vierte Quartal bereits die Jahresprognose der Metro zusammengestrichen: Der Konzern gehe für 2011 von einem Umsatz leicht unter dem Vorjahreswert von 67,3 Mrd. Euro aus, beim operativen Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren erwarte Metro ein Ergebnis leicht unter dem Wert von 2010 in einer Höhe von 2,4 Mrd. Euro. Dieses Ziel hat die Metro wohl erreicht: Der Konzern bekräftigte die Ebit-Prognose am Dienstag.(Reuters)