Versorgung in Georgien nicht gesichert
Wien - Wenn es ihr schlecht geht, braucht Anastassja K. einen Rollstuhl. Das war zuletzt öfter der Fall: Die 62-jährige Georgierin leidet schwer an der Schüttellähmung Parkinson. Diabetes und erhöhten Blutdruck hat sie auch. Doch um nach Tiflis abgeschoben zu werden sei sie fit genug, befand am Montag ein Amtsarzt, der Anastassja und ihren gleichaltrigen Ehemann Tariel (Namen geändert) in der Schubhaft auf der Rossauer Lände untersuchte.
Somit war zu Redaktionsschluss absehbar, dass das Ehepaar Dienstagfrüh mit dem Flieger in die alte Heimat starten werde. Die Abschiebbarkeit Frau K.‘s sei gegeben, solange sie ihre Medikamente nehme, steht dem Vernehmen nach in dem amtsärztlichen Gutachten. Dass sie sich die Pillen in Georgien nicht wird leisten können, weil sie und ihr Mann völlig mittellos sind, spielt laut einem Innenministeriumssprecher keine Rolle. Auch dass es dort keine mit Mitteleuropa vergleichbare Krankenversicherung gibt, sei unwichtig.
"Zu prüfen war nur, ob in Georgien theoretisch eine Behandlungsmöglichkeit für Frau K. existiert. Das ist der Fall. Auch sonst wurden alle Rechtsmittel ausgeschöpft" , meint der Sprecher. Tatsächlich sind alle drei aufeinanderfolgenden Asylanträge Anastassja und Tariel K.‘s rechtskräftig abgelehnt worden. Humanitärer Aufenthalt wurde ihnen nicht gewährt.
Geld für Medikamente nachschicken
Das Paar - er ist halb Ossete, halb Georgier -, dessen Bauernhof im georgisch-ossetischen Krieg 2008 zerstört wurde, lebte seit der Flucht nach Österreich in Wiener Neustadt. Nach dem zweiten abschlägigen Asylurteil und Streichen der Grundversorgung hielt es sich durch Spenden und die Erlöse des Mannes aus dem Verkauf der Straßenzeitung Augustin über Wasser. Ein erster Abschiebeversuch war, wie der Standard berichtete, im vergangenen September gestoppt worden: Ein Wiener Neustädter Fremdenpolizist und ein Amtsarzt hatten Anastassja K. als zu krank bezeichnet. Das sei nun anders, heißt es im Innenministerium: "Damals nahm sie ihre Tabletten nicht, jetzt schon."
Bei der Flüchtlingshilfsgruppe Suara, die die K.s in Österreich unterstützt hat, plant Obmann Alexander Wuppinger, Geld für die Pillen künftig nach Tiflis nachzusenden. Andernfalls bestehe für Anastassja K. Lebensgefahr. (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2012)