Justizverwaltung lässt Reporter-Besuch zu
Angol - Eine Gruppe von Anführern der Volksgruppe der Mapuche in
Chile will trotz ihrer Inhaftierung an ihrem Kurs der "Konfrontation"
festhalten. "Wir wollen nicht mit der Regierung verhandeln, wir wollen die
Rückgabe unserer Ländereien - und wenn es sein muss, werden wir das auf dem Weg
der Konfrontation erreichen", sagte der Mapuche-Führer Ramon Llanquileo, den ein
Reporter der Nachrichtenagentur AFP im Gefängnis von Angol 700 Kilometer südlich
von Santiago de Chile besuchen konnte. Bild- und Tonaufzeichnungen waren
allerdings nicht erlaubt.
Llanquileo und zwei Gesinnungsgenossen wurde im vergangenen Jahr zu acht
Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie den Fahrzeug-Konvoi eines Staatsanwaltes
angegriffen haben sollen. Sie gehören zur Gruppe Arauco-Malleco-Koordination
(CAM), deren oberster Anführer Hector Llaitul eine Haftstrafe von 14 Jahren
verbüßt. Llaitul wolle sich nicht vor Journalisten äußern, weil er weitere
juristische Verfolgung befürchten müsse, erläuterten sie.
Die Region Araukanien gehört zu den Stammländern der Mapuche, deren Zahl
heute auf rund 700.000 geschätzt wird. Die Bewegung CAM wurde 1998 gegründet.
Ihre inhaftierten Anführer erläuterten, dass die CAM-Mitglieder in den
vergangenen Jahren zahlreiche Landbesetzungen vorgenommen hätten und
Sabotage-Akte auf Unternehmen verübten, die die Wälder rodeten.
Die Bewegung CAM wolle traditionelle Mapuche-Ländereien zurückgewinnen, die
Ende des 19. Jahrhunderts enteignet worden seien. Dabei verübten sie keine
Gewalt und begingen keine Brandstiftungen. Die Mapuche-Anführer sehen sich als
"Verteidiger eines Volkes", das von den spanischen Kolonialherren und dem
chilenischen Staat diskriminiert worden sei. "Wir lehnen die westliche Erziehung
ab, die unserer Kinder kolonialisiert", sagte Llanquileo. (APA)