S&P stuft herab

Downgrade des Rettungs­schirms lässt Märkte kalt

17. Jänner 2012, 12:18

Der EFSF sammelte bei der ersten Anleiheauktion nach dem Downgrade problemlos Geld zu guten Konditionen ein

Luxemburg/Berlin - Der europäische Rettungsfonds EFSF hat bei der ersten Anleiheauktion nach dem Downgrade durch S&P problemlos Geld zu günstigen Konditionen eingesammelt. Die Versteigerung von Wertpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten spülte laut EFSF 1,501 Milliarden Euro in die Kassen. Die Anleger erhalten dafür einen durchschnittlichen Zins von 0,2664 Prozent. Die Nachfrage war stark: Die Auktion war mehr als dreifach überzeichnet. 

Herabgestuft von AAA auf AA+

Nach der Herabstufung von neun Euro-Staaten schätzte Standard & Poor's am Montag auch die Kreditwürdigkeit des Rettungsschirms EFSF schlechter ein. Die Bonität wird nun noch mit der zweitbesten Note AA+ bewertet. Über den Schritt war bereits in Expertenkreisen spekuliert worden.

Der EFSF wies nach Bekanntgabe der Entscheidung von S&P darauf hin, dass die beiden anderen Bonitätswächter, Moody's und Fitch Ratings, den Fonds weiterhin mit dem Spitzenrating bewerteten. "Keine der beiden Ratingagenturen hat irgendeine Entscheidung über den EFSF in unmittelbarer Zukunft angekündigt", hieß es.

EFSF-Chef Klaus Regling erklärte, die Kreditkapazität von 440 Milliarden Euro werde durch die Herunterstufung durch S&P nicht verringert. "Der EFSF hat genug Mittel, um seine Verpflichtungen unter den laufenden und potenziellen künftigen Anpassungsprogrammen zu erfüllen, bis der ESM seine Arbeit im Juli 2012 aufnimmt." Der französische Finanzminister Francois Baroin stieß ins gleiche Horn. Auch nach der Herabstufung bestehe keine Notwendigkeit, den Fonds aufzustocken. "Die Verleihkapazität des EFSF ist weiter intakt. Es gibt genügend Mittel und Garantien, um die derzeitigen und künftigen Verpflichtungen zu erfüllen", sagte Baroin.

Kein Engpass bei der Kreditvergabe

Auch der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, wies darauf hin, dass die Euro-Länder auch nach dem S&P-Rundumschlag keinen Engpass bei der Kreditvergabe an taumelnde Schuldensünder sehen. "Die Entscheidung von S&P wird die Ausleihkapazität des EFSF von 440 Milliarden Euro nicht verringern", schrieb der Vorsitzende der 17 Euro-Finanzminister in einer Aussendung. Der Rettungsfonds verfüge über ausreichend Geld, um die laufenden und geplanten Hilfsprogramme - für Portugal, Irland und Griechenland - zu stemmen.

Auch Juncker verwies darauf, dass auch nach dem Verlust der Bestnote durch S&P der Rettungsfonds noch die Höchstbewertung der beiden anderen großen Ratingagenturen Moody's und Fitch besitze. "Keine der beiden Ratingagenturen hat für die nahe Zukunft eine Änderung der Note angekündigt." Über die Konsequenzen der S&P-Entscheidung würden die Euro-Finanzminister beraten. Bei ihrem Treffen am nächsten Montag (23. Jänner) in Brüssel werden die Minister voraussichtlich über politische Maßnahmen diskutieren.

Der luxemburgische Premier wies darauf hin, dass bereits im Sommer der dauerhafte EFSF-Nachfolger ESM am Start sein wird. Aufgrund seines Eigenkapitals hänge er weniger vom Rating der Euro-Staaten ab. Im März würden die Minister entscheiden, ob die geplante Ausstattung von 500 Milliarden Euro für den ESM ausreiche.

Entscheidung war absehbar

Standard & Poor's hatte Frankreich und Österreich am Freitag vom Spitzenrating herabgestuft sowie sieben weiteren Euro-Staaten wegen wachsender Risiken in der Schuldenkrise schlechtere Noten verpasst. Da die Bestnote für den EFSF maßgeblich durch die entsprechende Bewertung von sechs der 17 beteiligten Euro-Staaten abhängt, war absehbar, dass auch der Fonds zurückgestuft würde.

Der EFSF wurde im Mai 2010 geschaffen, nachdem Griechenland als erster Euro-Staat mit einem Kreditpaket der Partnerstaaten vor der Pleite gerettet werden musste. Er nimmt mit Garantien seiner Mitgliedstaaten Kredite am Kapitalmarkt zur Finanzierung hoch verschuldeter Euro-Länder auf, die sich nicht mehr selbst zu tragbaren Kosten finanzieren können. Portugal und Irland waren die ersten Nutzer des Fonds, auch Griechenlands zweites Rettungspaket wird über den EFSF gestemmt. Im Juli soll er aber vom permanenten Rettungsmechanismus ESM abgelöst werden.

EZB-Chef kritisiert Draghi

EZB-Chef Mario Draghi hat die Ratingagenturen generell kritisiert. Bei einer Debatte im EU-Parlament in Straßburg sagte Draghi, "im Grunde genommen sollten wir versuchen, ohne Ratings zu leben". Zumindest sollte die Bedeutung der Ratingagenturen "doch sehr viel eingeschränkter" sein als heute.

Die Ratingagenturen hätten in der Krise der letzten Monate viel von ihrem Ruf verloren. Er wolle generell keinen Kommentar zu den Ratings an sich abgeben, "aber man muss die Frage stellen, wie wichtig sind die Ratings für Investoren, Märkte und die regulierenden Behörden". Tatsächlich hätten die Märkte den Ratings schon vorgegriffen und Vermögen auch anders bewertet, "so als ob die Herabstufung schon vor einiger Zeit stattgefunden hätte", so Draghi.

Kritisch äußerte sich der EZB-Präsident, dass "es erst einmal keinen Wettbewerb der Ratingagenturen gibt." Dem entgegenzuwirken, wäre eine posittive Maßnahme. Die Regulierungsbehörden "sollten auch ohne Ratings arbeiten können. Wir sollten zumindest die Kreditwürdigkeit so bewerten können, dass die Ratingagenturen nur eine von vielen Komponenten darstellen. Wir dürfen nicht hundertprozentig abhägen von diesen Ratings".

Staatsanleihen und Euro stabil

Unbeeindruckt von dem Rundumschlag zeigten sich die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen. Die Renditen blieben großteils stabil und waren nur von geringfügigen Anstiegen gekennzeichnet. Italienische Zinsen notierten mit 6,581 Prozent sogar unter dem Vortageswert.

Österreichische Renditen blieben mit 3,014 Prozent nur leicht über dem Montag-Wert. Auch deutsche Zinsen gingen - obwohl das Land nicht nur das Triple-A behält, sondern auch als einziges Euro-Land auch einen positiven Ausblick erhielt, leicht nach oben und notierten zuletzt mit 1,797 Prozent. Lediglich griechische Renditen gingen wieder klar nach oben. Auch der Euro hat sich am Dienstag in der Früh deutlich von seinen Verlusten zum Wochenschluss infolge des Rundumschlags der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) erholt. Gegen neun Uhr notierte die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,2759 Dollar und damit deutlich über dem Montag-Richtwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von 1,2669 Dollar.

Auch Europas Börsen bleiben heute entspannt (siehe Marktberichte) (Reuters/APA/red)

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Oddo Wolf
00
17.1.2012, 22:39
Aktien kaufen? Wenn, dann gleich. Nicht erst bei 8000, da gehn wir schon wieder raus.

-
Bernake, Draghi, auf die Plätze fertig los.
Wir (die Märkte) werden in Dollars und Euros ersaufen.

Der Dax klettert auf 9500, die Kleininvestoren steigen nach langem zaudern bei 8000 ein. Hurra die Krise ist vorbei, S&P bezwungen, erfolgreiche Kleinaktionäre wachsen wie Eierschwammerl, die ersten Tropfen fallen herunter, verdampfen auf den Köpfen der "Kleinen Leute" - so heiß wars noch nie. Geschafft, wenn auch knapp.

Doch wo sind die Getreidepreise hingeflogen? Schhhhaaaaiiiiß Spekulanten !!

Wiesen Barbara
00
17.1.2012, 18:13
Für alle …

… die‘s satt haben: www.youtube.com/watch?v=v... re=related

DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
10
17.1.2012, 17:31
Kieberei in die Finanz - oder Fachleute als Minister gesucht!

Wer ist schuld? Natürlich auch eine Finanzministerin der man Schlussrechnungen nicht zutraut weil sie so gschert redet. Es wäre besser hier wirkliche Fachleute einzusetzen anstatt ParteigängerInnen aus NÖ, gerade in Zeiten wie diesen!

Oddo Wolf
01
17.1.2012, 23:30

Wie soll der Wähler erkennen wer ein "wirklicher" Fachmann ist? Den meisten fehlt so grundlegendes Wissen, daß sie das gar nicht beurteilen können. Der Kanditat muß die Mehrheit überzeugen und gegen andere antreten die solvente Sponsoren und Wahlkampfmanager mit Medienkampagne hinter sich haben.
Ohne die Medien an der Seite der Mehrheit hat die Demokratie da wenig Chancen. Die Medien sind aber auf der Seite einer kleinen Minderheit ohne deren Geld ihre Existenz in Frage gestellt ist.

Der Auftrag des ORF wär ein Ausweg. Wie bitte? Man muß in Krisenzeiten etwas mehr auf die Wünsche der Großkunden eingehen. Aha.

Wahrscheinlich gibts im Internet eh schon Foren wo über Demokratiereform und alternative Geldsysteme diskutiert wird. Mal schaun.

Walter Bimini
01
17.1.2012, 19:32
nachdem österreich seit jahrzehnten einen immer schneller wachsenden schuldenberg vor sich herschiebt,

kann niemand mehr den bankrott aufhalten. gschert oder wienerisch - übrigens ein besonders häßlicher dialekt - hat nichts mit den fähigkeiten eines menschen zu tun. am schlimmsten ist die ideologie des falsch verstandenen keynesianismus.

Oddo Wolf
01
17.1.2012, 17:24

Was da an Aufklärungsarbeit über krebsartiges Wachstum von Zinsgeld und Geldschöpfen aus Luft geleistet wird ist bewundernswert und macht Hoffnung.

Ich meine die Poster hier im Forum. Wird Zeit, daß jetzt der ORF bei der Erwachsenen-Bildung endlich seinen Pflichten nachkommen. Passiert eh, aber sehr zögerlich.

"Kommt der Crash" CLUB2 ORF
http://www.youtube.com/watch?v=x0sWpjEMBIA

und ein schönes Interview mit Franz Hörmann, Professor an der WU "Banken erfinden Geld aus Luft" (Okt.2010) hab ich hier gefunden:

http://derstandard.at/plink/128... 184944860,

Walter B.Stechlich
00
17.1.2012, 15:25

wow, ganze 1,5 mill. euro.
damit zahlen die italiener geschätzte 3 wochen ihre zinsen.

googlehoopf
06
17.1.2012, 15:16
downgrading

die realwirtschaft gibt bekannt:

downgrading von "standard & poor's" auf "poor standards" - mit Ausblick auf "irrelevant"

DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
00
17.1.2012, 17:33
relevant!

natürlich ist es relevant wenn Wahlzuckerl für Zielgruppen und Ausgaben für Eigenmarketing die Verschuldung erhöhen, dazu braucht es keine Agenturen um das zu begreifen - es geht hier um einen Machtkampf zwischen Ökonomie und Polit-Haberei!

benjohnson1988
01
17.1.2012, 14:10

Haha! Wenn ich der EU - dem Wirtschaftsraum mit dem höchsten BIP der Welt - nicht zutraue seine Schulden zu bezahlen braucht man gar niemandem mehr Geld borgen.

Toad
00
17.1.2012, 13:54
Die Märkte..

...interessieren sich sowieso nur peripher für Ratingagenturen. Warum sonst zahlt Österreich bei einer gerateten Ausfallswahrscheinlichkeit von 0,02% mehr als 1% pa. Risikoaufschlag?

Mister Magister
 
01
17.1.2012, 13:51
Man sieht genau das womit zu rechnen war.

Die Ratingagenturen im allgemeinen und S&Ps im speziellen haben in den letzten Monaten den Bogen überspannt.
Von reinen Bewertern haben sie sich zu Akteuren entwickelt, die mit ihren Ausblicken, Herabstufungen und Ankündigungen massiv genau den Markt beeinflussen, den rein zu analysieren sie sich auf die Fahnen geschrieben haben. Man kann es sich vorstellen wie ein Thermometer, bei dem nicht die Anzeige auf minus steht weil die Temperatur unter null sinkt, sondern bei dem es kälter wird, weil die Anzeige auf minus gesetzt wurde.

Analysen die das beeinflussen was sie analysieren sind nicht hilfreich, ua. weil sie das System unvorhersehbar machen. Kurz: Die Staaten und Wirtschaft entziehen den Ratings mehr und mehr das Vertrauen.

Oddo Wolf
01
17.1.2012, 13:26

Haben die Europäischen Banken mehr Dollar- oder Euroassets in ihren Bilanzen?

Ist eher kein Krieg Euro gegen Dollar oder EU gegen USA sondern Papier gegen Sachwerte.

Was sollen die Banken mit der Flut an Geld von der EZB (500Mrd. €uro) sonst machen? Der FED bleibt nichts anderes übrig als nachzuziehen. Dann wieder EZB, FED, usw. immer schneller...
Da kanns schon auch passieren das der DAX über 8000 klettert.
In einer letzten Welle kann man aus den europ. Bürgern nochmal ein paar hundert Mrd. rausleiern, wenn die Medien der Mittelschicht die Geldschwemme als "Aufschwung" verkauft. Eine europaweite Kampagne dazu ist bereits angelaufen. Beispiel: Chart mit link zu Standard/Wertpapier in fast jedem online-artikel.

Bleib wachsam mein Herz.

marsellus
00
17.1.2012, 13:13

kauft Aktien,Leute !
Jetzt...

higgs - wozu?
01
17.1.2012, 13:50

brennen die besser und länger als das häuselpapier, daß wir so liebevoll "geld" nennen, oder was bewegt dich zu der annahme, daß ein papiertausch jetzt erforderlich wäre?

marsellus
00
17.1.2012, 14:19

Aktien( z.B. Versorger )können genauso ein Schutz vor Geldentwertung sein, wie Gold oder Immobilien.

higgs - wozu?
10
17.1.2012, 14:47

echt? ich dachte immer, aktien werden auch in geld bewertet - so kann man sich irren.

nix gegen unternehmensbeteiligungen - aber dann bitte bei unternehmen in der direkten umgebung, die man kennt, deren bussines ethik man mitragen kann, und wo man die struktur, den markt und die abhängigkeit von anderen unternehmen abschätzen kann - alles andere ist lotto.
ein beispiel: bmw hat eine sehr gute entwicklungs und forschungsabteilung, und wenn ich bmw aktien kaufe bin ich ja an der beteiligt! gewaltiger irrtum, diese abteilung wurde bereits vor jahren mittels sell and lease back ausgelagert, gehört also nicht mehr zu bmw.

große obacht im aktien casino

Ohne Gurt im Ionensturm
20
17.1.2012, 16:15

Man ist am unternehmenserfolg beteiligt, nur das zählt.

higgs - wozu?
02
17.1.2012, 17:47

welcher sich wieder in geld bemisst - oder dadurch, daß man ganz viel geld bekommen, und ganz wenig ausgegeben hat, weil man zb. die produktion von kindersklaven erledigen läßt - da wird dann gejubelt.
wenn man dann aber arbeitslos wird, weil die aktionäre drauf bestehen, daß fleissige kinderhände für die arbeit eingestzt werden, damit sie noch mehr verdienen, an der ausbeutung - tja, dann hat man pech gehabt.

wie gesagt, große obacht

Zarathustra
00
17.1.2012, 17:26
Der in einer inflationär gelösten Schuldenkrise...

...äußerst schlecht ist. Die meisten hier verwechseln eine inflationär gelöste Schuldenkrise mit einer Inflation aufgrund starker Kreditaufnahme.

hoba goas
09
17.1.2012, 13:11
Man stelle sich vor...

... es ist Finanzkrise und keiner geht hin!

mike sierra
00
17.1.2012, 21:27
Und wenn ...

... die dann zu uns kommt?
:o

asdf 1234
01
17.1.2012, 13:07
Wie war das?

EZB-Chef kritisiert Draghi derstandard.at

Und dabei dachte ich, Mario Draghi ist Chef der EZB, hmmmmmmmmmmm;-)))))

0815-Kommentar
00
17.1.2012, 13:17

endlich mal ein selbstkritischer mensch an der spitze!

zimbo
 
03
17.1.2012, 13:06
Also müssen wir doch nicht den Iran angreifen.

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