Vertragsverletzung

EU geht rechtlich gegen Ungarn vor

17. Jänner 2012, 17:19
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    foto: apa/jaeger

    Die Nachbarn stehen auch finanziell unter Druck - aber nicht nur.

Wegen der Gesetze zu Zentral­bank, Richter-Pensionierung und Datenschutz steht ein Vertragsver­letzungsverfahren bevor

Straßburg - EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat am in Straßburg drei Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn angekündigt. Dabei geht es um die Unabhängigkeit der Zentralbank, die Datenschutzbehörde und die umstrittene Herabsetzung des Pensionsalters von Richtern von 70 auf 62 Jahre.Die EU-Kommission sendet an Ungarn neben den drei Mahnbriefen eine Informationsanfrage in Sachen Unabhängigkeit der Justiz. Dies sei das Ergebnis einer sorgfältigen rechtlichen Analyse der Kommission, so Barroso.

"Wir hoffen, dass die ungarischen Stellen die notwendigen Änderungen durchführen, um die Achtung von EU-Recht zu garantieren. Dies war bisher nicht der Fall, deshalb haben wir entschieden, die Vertragsverletzungsverfahren zu starten", erklärte Barroso. "Die Entscheidungen, die wir heute getroffen haben, spiegeln unsere Entschlossenheit sicherzustellen, dass EU-Recht sowohl im Buchstaben als auch im Geiste voll respektiert wird, und dass es in allen unseren Mitgliedstaaten ein stabiles rechtliches Umfeld gibt."

In Ungarn erwartet

Ungarn hat auf die am Dienstag verkündete Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU-Kommission gelassen reagiert. Diese gebe Budapest die Möglichkeit, "die Debatte auf fachlicher Grundlage, auf dem Boden der Fakten, durchzuführen, und zwar mit der dafür vorgesehenen Institution, der Europäischen Kommission, die als Hüterin der Verträge gilt", hieß es in einem am Dienstag auf der Homepage der Regierung veröffentlichten Kommunique.

In der Aussendung wird zudem betont, dass "auch Ungarn die Unabhängigkeit von Notenbank, Justiz und Datenschutzbehörde für sehr wichtig hält". Deshalb gebe es "keinen Dissens mit den Institutionen der Europäischen Union weder bezüglich der Grundprinzipien, noch der Bedeutung der europäischen Werte und Errungenschaften". Ziel Ungarns sei es nun, alle strittigen Fragen zu klären, "wenn möglich ohne Durchführung des gesamten Vertragsverletzungsverfahrens".

Vize-Ministerpräsident Tibor Navracsics hat schon vorher am Dienstag im ungarischen Fernsehen bestätigte, dass es keine Bereitschaft zu Zugeständnissen gäbe, die ein Verfahren noch in letzter Minute verhindern hätten könnten. Das Verfahren - so wird vermutet - wird das von der Pleite bedrohte Land bei seinem Bemühen um neue Finanzhilfen in Bedrängnis bringen. Die EU-Kommission kann die Angelegenheiten vor den EU-Gerichtshof bringen.

"Bei den Punkten Zentralbankgesetz und Datenschutz stehen wir kurz davor, möglicherweise in naher Zukunft eine Lösung zu finden", hatte Navracsics im Fernsehen noch gemeint. Er werde einer stärkeren Unabhängigkeit der Datenschutzbehörde sicher nicht im Weg stehe. In der Frage des Pensionierungsalters von Richtern gebe es aber noch Diskussionsbedarf.

Mangelnde Zugeständnisse

Die EU wirft Ungarn Kreisen zufolge mangelnde Zugeständnisse vor, um die Bedenken der EU auszuräumen. Die Regierung des Konservativen Viktor Orban streitet seit Wochen mit der Kommission darüber, ob die beanstandeten Gesetze gegen EU-Recht verstoßen. Durch eine Umstrukturierung der Zentralbankführung ist nach Befürchtung der EU die Unabhängigkeit des Instituts von politischer Einflussnahme nicht gesichert. Gleiches gilt für die Datenschutzbehörde. Auch die Unabhängigkeit der Richter sieht die Behörde in Gefahr, da durch eine befristete Herabsetzung des Pensionsalters viele Richter vorzeitig in Rente geschickt und durch der Partei Orbans nahestehende Juristen ersetzt werden können.

Wegen der Auseinandersetzung steht Ungarn auch finanziell unter Druck. Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) weigerten sich bisher, den Antrag des Landes auf Finanzhilfen zu behandeln. Ihr Argument: Ohne gesicherte Unabhängigkeit der Zentralbank sei die Finanzstabilität Ungarns gefährdet. Die Zeitung "Nepszabadsag" berichtete am Wochenende unter Berufung auf regierungsnahe Kreise, Ministerpräsident Orban sei zur Aufgabe des umstrittenen Umbaus der Notenbankführung bereit, wenn dies der Preis für neue Finanzhilfen von EU und IWF sei.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban begibt sich am kommenden Dienstag jedenfalls nach Straßburg, um den EU-Abgeordneten selbst seine Politik darzulegen. Barroso sagte, er sei erfreut darüber, dass Orban sich bereiterklärt habe, "über unsere Sorgen zu sprechen".

Barroso betonte, Ungarn sei "wichtiges Mitglied der europäischen Familie. Wir wollen nicht, dass über dem Land weiterhin ein Schatten von Zweifel an der Achtung demokratischer Prinzipien und Werte bleibt. Je früher das gelöst ist, desto besser". (Reuters/red, derStandard.at, 17.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 176
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schösi
00
19.1.2012, 09:23
was heisst hier eigentlich immer "konservativ"?

Die meisten Medien bezeichnen VO und seine Regierung als konservativ. Kann mir mal einer erklären, was an solchen Holzhacker-Methoden mit Zügen eines Amoklaufes konservativ/bewahrend sein soll?

E_Rybin
11
17.1.2012, 19:38
na im forum tummelt sich wieder eine bunte mischung aus dumpfen eurogegnern und ewiggestrigen

Adams, 42 Adams
00
17.1.2012, 18:31
Faschisten gehören bis auf das Blut bekämpft!

sie glauben im Besitz der einzig richtigen Lebensweise zu sein, was sie mit religiösen Fanatikern eint!

Pumparahhh
01
17.1.2012, 18:21
Barroso betonte, Ungarn sei "wichtiges Mitglied der europäischen Familie.

Gibt es den auch unwichtige Mitglieder der europäischen Familie Herr Baroso?

Die Aufklärung
 
00
17.1.2012, 18:33
Ja

Ja, die Länder, die immer nur nehmen wollen und nichts beitragen werden. Z.B. Ungarn

DerRoland
00
17.1.2012, 18:03
Die Worte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

"...wir kurz davor, möglicherweise in naher Zukunft eine Lösung zu finden."

Mac McMack
12
17.1.2012, 17:48
na super

das ganze endet dann unter anderem mit einer strafzahlung. diese wird dann sicher mit einer hilfszahlung aus dem eu rettungsfond (also von uns)beglichen.

Tildy
22
17.1.2012, 17:55
Nein, nicht ganz...

Das Ganze endet dort, dass auch Oesterreich irgendwann mal dran ist und die internationale Geldelite wird auch mit Oesterreich nicht anders umgehen als sie es mit Ungarn tut. Nur ist es noch in "weiter Ferne" fuer die meisten Oesterricher.

Der vierte Lemming von links hinten
22
17.1.2012, 18:45
Da schau her, eine Weltverschwörungstheorie

Franz Bruckner
00
18.1.2012, 01:13

Nein, nein - die Verschwörung richtet sich nur gegen Euroland. Daran wird zwar kein gutes aber dafür sehr viel Geld verdient.

Über Ungarn ist der Himmel aber schon länger Grau.

Poldi Fesch
00
17.1.2012, 18:34
was ja, objektiv

gesehen, nicht schlecht waere

Tildy
78
17.1.2012, 17:36
Die Grossfinanz will jede Art von Selbstaendigkeit und Unabhaengigkeit im Keim ersticken.

Sie mischen sich mit aller Kraft in innenpolitische Angelegenheiten eines Landes um ihre Agenten und Handlanger an den Spitzen der Notenbanken und in ihren sonstigen Frontorganisationen zu stuetzen.

Die Ziele sind klar:
materielle Ausbeutung durch Zinssklaverei, Ausbeutung der Bodenschaetze, allgemeine Verdummung der Bevoelkerung, Vernichtung der nationalen Identitaet, Erziehung zum Konsumidioten, Reduzierung des wahren Informationsgehalts durch kontrollierte Medien, Reduzierung sozialer Leistungen, Abschaffung der Familie etc.

Ungarn spielt nicht mit.

Und glaubt nicht, dass sie mit Oesterreich anderes umgehen werden wenn es soweit ist.

GreenTwig
00
18.1.2012, 08:55
Sklaventreiber

Warum nehmen Sie dann Zinsen für Ihr Sparbuch?

Franz Bruckner
00
18.1.2012, 01:17

"...Ungarn spielt nicht mit..."

Bei diesem Punkt:
"...Reduzierung des wahren Informationsgehalts durch kontrollierte Medien..."
spielt Ungarn nicht mit, sie haben das Spiel neu erfunden und die EU war die Erste die genau das krisiert hat.

Salz Burger
00
17.1.2012, 23:30

Interessant Aufzählung. Aber eines interessiert mich: Wie soll man die Familien abschaffen? Ich wüsste jetzt keinen Staat in der EU, der sich in diese private Angelegenheit einmischen würde.

Übertreiben Sie es nicht etwas mit Ihrem Verfolgungswahn?

Der vierte Lemming von links hinten
01
17.1.2012, 18:52
Nicht schon wieder

Merken sie nicht, dass sie nur einem Populisten nachplappern.
Aber trotzdem witzig zu lesen, dass genau die Punkte, die sie da unten aufzählen und der Großfinanz/Geldelite andichten, mittlerweile zum "Schutz" des ungarischen Volkes bereits unter Orban durchgeführt wurden.
Kontrollierte Medien, allgemeine Verdummung - damit sie nicht ihre nationale Identität verlieren, können sie sich ja noch immer bei der ungarischen Garde melden.

Die Aufklärung
 
11
17.1.2012, 18:35
Schulden

Schulden über Schulden machen, Milliarden ausleihen und nicht zrückzahlen wollen, mit Gegröle wie der angeblichen Großfinaz, die schuld sei.

Irgendwie sind viele Orban-Csurka-Ungarn samt ihren Kampfpostern nicht ganz dicht.

politisch verfolgt
10
17.1.2012, 19:31
quatsch

ungarns verschuldung beträgt aktuell 82% gemessen am bip. österreich liegt offiziell bei 73%, inoffiziell inklusive der superschlauen auslagerungen wie zb. öbb bei ebenfalls rund 80%.

Ronald Regen
01
17.1.2012, 20:04

Und diese Zahl wird stark steigen, wenn die Ungarn weiter abwerten, weiterhin so eine tolle Wirtschaftspolitik fahren und am freien Markt 10% für frisches Geld zahlen müssen (der Markt scheint Ungarn nämlich nicht so positiv und fundiert zu beurteilen, wie Sie mit der vielsagenden Kennzahl von 82%).
Schuld werden dann die bösen (Nicht-)Investoren sein die ihr Geld nicht mit ungarischen Staatsanleihen verheizen wollen und nicht der brave orban der die Notenpresse und die Goldreserven am besten real time von seinem PC aus bedienen will.

3dGeist
44
17.1.2012, 17:29

Die Mehrheit hier regt sich immer über das Diktat der EU und den Einfluss der Amerikaner("Imerpialisten") auf den IWF &Co auf.
Aber wenn sich mal jemand wirklich gegen diese Mächte auflehnt ist das böse und faschistisch, obwohl Orban doch genau das macht was die meisten hier normal fordern.

Morandi
33
17.1.2012, 18:07

als würden die von orban verabschiedeten gesetze und verfassungsänderungen sich gegen den iwf, eu, die amerikaer richten. wie unterbelichtet muss man sein um das zu glauben. der typ versucht gerade die demokratie abzuschaffen und die opposition auszuschalten und einzusperren, darum geht es. du vollidi..!

politisch verfolgt
10
17.1.2012, 19:38
wie unterbelichtet muß man sein

um orbans aktion vom letzten herbst, in der er zum schaden ausländischer banken die wechselkurse von häuselbauer-krediten festgelegt hat, nicht zu kennen?

Morandi
00
18.1.2012, 08:11

natürlich kenne ich das. auch dieses gesetz ist mehr als fragwürdig und wird von der EU überprüft. aber leute ihres schlages erfinden gerne dolchstoßlegenden dieser. der große orban gegen die bösen der finanzwelt. sie glauben ja auch noch an einen polnischen angriff des senders gleiwitz.

Tintininafrica
010
17.1.2012, 17:17
Barroso

"Die Entscheidungen, die wir heute getroffen haben, spiegeln unsere Entschlossenheit sicherzustellen, dass EU-Recht sowohl im Buchstaben als auch im Geiste voll respektiert wird...."
zB: No-bail-out, EZB darf keine Staatsanleihen kaufen usw.

Tildy
02
17.1.2012, 17:30
Barroso, der Mann an der Spitze,

ein ehemaliger "passionierter" Maoist.
Einfach unglaublich.

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