Dass Martinz vorerst nur als Landesrat und nicht als ÖVP-Chef zurücktritt, ist lächerlich
Dieser Rücktritt war längst überfällig. Dass sich Josef Martinz überhaupt so lange halten konnte, war verwunderlich genug. Jetzt hat eine Anklageerhebung in der Causa Birnbacher zur Konsequenz geführt, dass sich Martinz aus der Kärntner Landesregierung zurückzieht.
Dass Martinz vorerst nur als Landesrat und nicht als ÖVP-Chef zurücktritt, ist im Grunde genommen lächerlich, aber das Problem der ÖVP, die er damit weiter beschädigt.
Die Hintergründe sind Grundlage für bestes Politkabarett. Da braucht es keine Pointen, für Verblüffung sorgen Fakten: Martinz beauftragte als Aufsichtsrats-Chef der Kärntner Landesholding seinen Freund und Steuerberater Dietrich Birnbacher mit einem Gutachten zum Verkauf der Hypo-Alpe-Adria-Bank. Honorar: zwölf Millionen Euro. Zur Rechtfertigung legte "Birni" , wie er jovial genannt wird, immerhin sechs Seiten Gutachten vor - im Nachhinein.
Unter dem Druck der Öffentlichkeit wurde das Honorar auf sechs Millionen halbiert. "Birni" wäre auch mit zwei Millionen zufrieden gewesen, aber es hat ihn ja keiner gefragt. Wert dürfte das Gutachten keine 200.000 Euro sein.
Eine jämmerliche Provinzposse. Passend dazu: Wer folgt Martinz jetzt als Aufsichtsrats-Chef der Kärntner Landesholding nach? Man kann es sich frivoler nicht ausdenken: Uwe Scheuch. Jener Scheuch, der eben wegen Amtsmissbrauchs erstinstanzlich verurteilt wurde. Eine jämmerliche Posse, im Kabarett praktisch nicht mehr zu toppen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.1.2012)