Nach dem dramatischen Absturz der Aktien von UniCredit raten nun wieder mehrere Analysten zum Kauf der Papiere
Die Bank-Austria-Mutter UniCredit sorgt für Überraschungen. Nachdem die Kurse
von UniCredit nach Bekanntgabe der Kapitalerhöhung von 7,5 Milliarden Euro um
rund 50 Prozent auf ein Minimum von 2,2 Euro pro Papier nachgaben, kursieren sie
zu Wochenbeginn wieder bei 2,9 Euro. Gründe für die Erholung gibt es mehrere:
Zahlreiche Analysten, darunter jene von Citigroup, haben zum Kaufen
aufgefordert, nachdem die Aktien auf einen "Ausverkaufswert" sanken. Auch
weitere Analysten internationaler Banken geben sich neuerdings optimistisch. 15
Investmentbanken, darunter Goldman Sachs und Morgan Stanley, haben ein Kursziel
von über fünf Euro genannt. Knapp über ein Drittel der Banken empfiehlt den Kauf
der Papiere.
Die angekündigte Kostensenkung und die internationale Präsenz in 22 Ländern
seien ein Plus, heißt es bei Citigroup. Auch ist die Börsenkapitalisierung
derzeit mit rund fünf Milliarden niedriger als der Wert einer der Tochterbanken,
etwa der polnischen Bank Pekao.
Grund für die Zuversicht sind auch lauter werdende Gerüchte über den Einstieg
des kasachischen Staatsfonds Samruk Kazyna und eines russischen Magnaten.
Analysten schließen auch nicht aus, dass eine der internationalen Großbanken
einsteigen könnte. Namentlich werden Goldman Sachs, HSBC und die spanischen
Santander Bank genannt.
Beteiligungen von mehr als zwei Prozent müssen der Börsenaufsicht Consob
mitgeteilt werden. Consob ermittelt derzeit wegen der Beteiligung der
US-Fondsgesellschaft BlackRock. Der Fonds hat kürzlich wissen lassen, dass er
weiterhin drei Prozent halte. Hingegen war vor der Kapitalerhöhung gemeldet
worden, der US-Fonds habe seine Beteiligung reduziert. Diese Meldung könnte
negative Auswirkungen auf die Kursentwicklung gehabt haben, begründet ein
Consob-Sprecher die gegenwärtigen Ermittlungen.
Zweifellos wird sich die Aktionärsstruktur nach der Kapitalerhöhung verändern
bzw. internationaler werden. Mehrere Bankenstiftungen wollen nicht voll
zeichnen. Hingegen hat der Unternehmer Leonardo Del Vecchio, Großaktionär des
Luxuskonzerns Luxottica, bestätigt, dass er sich anteilsmäßig an der
Kapitalerhöhung beteiligen werde. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2012)