An die 40 genetische Faktoren für Ichtyosen bekannt
Graz - Eine internationale Forschergruppe mit Grazer Beteiligung hat
eine neue genetische Ursache für die erbliche Verhornungsstörung der Haut, die
kongenitale Ichtyose, entdeckt. Gefunden wurde die Mutation des PNPLA1-Gens
anhand eines Vergleichs mit der Erbsubstanz von ebenfalls an dieser Krankheit
erkrankten Golden Retriever-Hunden. Die Studie wurde in der Jänner-Ausgabe von
"Nature Genetics" veröffentlicht.
Genodermatosen wie die Ichtyose sind Hautkrankheiten, die durch einen
Gendefekt verursacht und vererbt werden können. Während sich die Haut im
Normalfall alle vier Wochen erneuert, geschieht dies bei Betroffenen übermäßig:
Dadurch kann sich die oberste Hautschicht nicht richtig lösen und es bilden sich
größere sichtbare Hautschuppen. Mit intensiver Hautpflege lässt sich die
trockene und verhornte Haut zwar pflegen, die Erkrankung selbst ist bisher
jedoch nicht heilbar. Durch genetische Grundlagenforschung will man genaue
Kenntnis über die spezifischen Ursachen der Erkrankungen erhalten, die letztlich
spezielle Therapieansätze ermöglichen soll.
"Bisherige Mutationsanalysen haben bereits an die 40 genetische Faktoren
ausfindig gemacht, die an den vielfältigen klinischen Formen der Ichtyosen
beteiligt sind. Für einige Formen wurden jedoch noch keine genetische Grundlage
gefunden", so Susanne Grond vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der
Universität Graz, die an der Studie beteiligt war. Das Forschungsteam ist aber einen Schritt
weitergekommen, indem Vergleiche mit tierischem Erbgut gezogen wurden.
Analyse
Die ForscherInnen um Catherine Andre und Judith Fischer von der französischen
Universität Rennes und der deutschen Uniklinik Freiburg nützten die
Zuchtgeschichte von Hunderassen, speziell der Golden Retriever, um den
verantwortlichen Gendefekt für die Hauterkrankung (lamelläre Ichtyosis) in einer
genomweiten Assoziationsstudie (GWAS) herauszufinden. Sie identifizierten im
Genmaterial der Hunde - das sich gut über mehrere Generationen zurückverfolgen
lässt - eine Mutation am PNPLA1-Gen. Daraufhin analysierten sie das Genom
betroffener menschlicher Patienten und fanden dort ebenfalls entsprechende
Mutationen vor.
PNPLA1 gehört zu einer Familie von Proteinen, die eine wichtige Rolle im
Fettstoffwechsel spielen und die Struktur von Lipiden verändern. Der
Fettstoffwechsel scheint wiederum bei der Verhornung und Bildung der
Hautbarriere eine Rolle zu spielen. Welche Funktion PNPLA1 im Lipidstoffwechsel
und speziell in der Haut hat, ist derzeit noch unklar und wird ein Fokus für
künftige Forschung sein. (APA/red)