ORF ist bestgefördert - und kommt doch nicht aus

16. Jänner 2012, 17:01
  • Medienförderungen des Bundes
    vergrößern 550x649

    Medienförderungen des Bundes

  • "Soko Donau" mit Landesgeldern aus Niederösterreich
    foto: orf/satel/hubert mican

    "Soko Donau" mit Landesgeldern aus Niederösterreich

Transparenz über Fördergelder für Medien ist besonders in den Bundesländern ein Fremdwort - Wie viel Landeshauptleute inserieren, bleibt im Graubereich

Wien - Mit 595 Millionen Euro pro Jahr ist der ORF uneinholbar bestgefördertes Medium im Land - und kommt doch damit nicht aus.

Zu diesen fast 600 Millionen aus Gebühren, die von der EU als staatliche Beihilfen taxiert werden, zapft der Küniglberg eine Reihe weiterer Budgets an. Von der EU-Subvention für Europaberichterstattung bis zum Kärntner Landeszuschuss für die Starnacht am Wörthersee oder Niederösterreichs Landesgelder für Soko Donau und andere Serienproduktionen, in denen schon einmal Landeshauptmann Erwin Pröll in Gastrollen auftaucht. Kärnten buttert bisher etwa satte 230.000 Euro in eine Hauptabend-Mainstream-Sause am Wörthersee.

210.000 Euro bekommt Oberösterreichs nicht kommerzielles Regionalfernsehen Dorf TV für ein ganzes Jahr von der Rundfunkregulierung RTR.

200.000 Euro erhält der Privatsender ATV von der RTR für ein Jahr seiner Kultursendung Highlights; Puls 4 zahlt sie 206.000 Euro für ein Jahr seines Diskussionsformats Pro und Contra. Diese Medienförderung vergibt die RTR für quasi öffentlich-rechtliche Produktionen privater Sender. Weitere 13,5 Millionen Euro jährlich halten die Rundfunkregulierer im Fernsehfilmfonds bereit, um die Produktion von TV-Filmen, -Serien und -Dokus in Österreich zu fördern, auch von ausländischen Sendern. 

Eine Million für Okto, 300.000 für Radio Orange

Alle kommerziellen österreichischen Privatsender zusammen erhalten heuer 12,5 Millionen Euro sogenannter Medienförderung; 2013 sollen es laut Gesetz 15 Millionen werden. Weitere 2,5 Millionen und bald drei kann die RTR nicht kommerziellen Sendern wie Okto zahlen.

Diesen Wiener Community-Sender finanziert vor allem die Stadt mit knapp einer Million Euro pro Jahr. Rund 300.000 zahlt sie Radio Orange.

Diese sogenannten Basisförderungen für sogenannte freie Sender zählen noch zu den transparenteren Medienförderungen der Hauptstadt. Bisher verweigert die Stadtregierung selbst parlamentarischen Anfragen Daten über ihre Werbeaktivitäten und jene der stadtnahen Firmen wie Wien Energie und Wiener Linien.

Branchenkenner schätzen diese Landeswerbebudgets auf 100 und mehr, manche auf an die 180 Millionen Euro jährlich. Bei Boulevard- und Gratiszeitungen wie Österreich und Heute sind solche öffentlichen Inserate zentrale Säulen derer Existenz.

Auch andere Länder und Städte investieren fleißig aus ihren Budgets für Öffentlichkeitsarbeit oder auch Kultur in ihre Medienszene. Graz etwa steuerte 2011 260.000 Euro zum Stadtfest der Krone und zum Faschingsumzug der Kleinen Zeitung bei.

Und auch andere Länder zieren sich, ihre Budgets umfassend offenzulegen, ergab ein Standard-Rundruf. Tirol etwa schweigt sich aus. Niederösterreich und Burgenland halten sich ebenfalls mit Daten zurück. Salzburg spricht selbst von "Graubereichen", wie viel die Landesräte inserieren. Vorarlberg nennt drei Millionen PR-Budget. In der Steiermark lassen sich 10,8 Millionen aus früheren Jahren ableiten. Oberösterreich berichtet von 7,5 Millionen zentralem Budget, 360.000 Euro beträgt die Landespresseförderung. Kärnten vergab 2011 als "freiwillige" Landespresseförderung ein letztes Mal 84.000 an Kärntner Tageszeitung und Kleine Zeitung, die wie die Kärntner Woche (22.400) zur Styria gehört, und 56.000 an die Krone.

Der Zeitungsverband schätzte die Werbetätigkeit von Regierung, öffentlichen Institutionen und Firmen in ihrem Einflussbereich auf rund 100 Millionen Euro Bruttowerbevolumen im Jahr. Diese öffentlichen Stellen buchen weit stärker in Boulevardzeitungen - konkret: Krone, Österreich und Heute - als die werbetreibende Wirtschaft.

Presseförderung, ORF-Gebühren

"Für den Werner" Faymann, heute Kanzler und SPÖ-Chef, soll der heutige Medienstaatssekretär Josef Ostermayer etwa bei den ÖBB Werbebudgets eingefordert haben. Für 2012 kündigte Faymann weniger Werbung öffentlicher Institutionen an. Das dürfte nicht nur an Schuldenbremsversuchen liegen - in diesem Jahr müssen öffentliche Stellen ihre Schaltungen erstmals offenlegen.

Über die Konsequenzen der Sparverhandlungen auf Medienförderungen äußert sich Medienstaatssekretär Ostermayer noch nicht. Die Presseförderung für Tages- und Wochenzeitungen wird schon seit 2010 jährlich gekürzt. 2012 stehen 12,12 Millionen Euro an, 5,6 Prozent weniger als 2010. Die höchsten Summen erhalten der Standard und Die Presse. Eine Reform der Presseförderung steht im Regierungsübereinkommen, sie soll etwa auch Onlinemedien zukommen.

"Kein Thema" ist für Ostermayer derzeit, dem ORF Gebührenbefreiungen über das Jahr 2013 hinaus aus dem Bundesbudget abzugelten, 2012 und 2013 immerhin 30 Millionen. Für den Fall drohte der ORF, wie bereits mehrfach gehabt, mit Einschränkungen öffentlich-rechtlicher Angebote von Untertiteln bis zur Filmproduktion. (fid, juh, hei, ker, neu, ver, jub, stein, mue, wei, DER STANDARD; Printausgabe, 17.1.2012)

Share if you care
15 Postings
frau/man kann

schon was tun - zum beispiel gegen das neue ORF-gesetz protestiert haben und dagegen dass jetzt alle österreichischen haushalte mit fernseher für diesen staatsfunk zahlen, aus wenn sie keine orf-karte haben. alle die eh wissen warum der ORF nicht funktioniert, warum schreibts ihr nicht den zuständien vertretern, nämlich den politikern, die diese gesetze beschliessen? das gibt druck, nicht jammern und nur posten ...

75.000 DurchschnittJahresBruttoEuro

vielleicht liegts einfach daran

ORF zusperren!

kein Mensch braucht mehr diesen ORF!

Eine Million Euro für einen Sender wie Okto,...

...der fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf amateurhafte Weise, sozialistische und marxistische Inhalte unters Volk bringen will.

Das ist ja sogar hoch effizient - denn der ORF braucht für dafür schon über 600 Millionen Euro.

es werden...

ausschüsse gebildet
die evaluieren...
und synergien nutzen....

und am ende kommt, wie immer, eine gebührenerhöhung raus.

Wie macht das eigentlich die BBC?

Öffentlich-rechtlicher Sender, aber wenig Werbung, hochqualitatives Fernsehen auf mehreren Kanälen, viele gute Eigenproduktionen, teils äußerst kritisch/neutral, von parteipolitischer Einflußnahme hätte ich jedenfalls noch nix gehört, und last but not least: offenbar keine derartigen Geldprobleme wie "unser" ORF.

Wie moch'n die des?

Größenverhältnisse bei Einnahmen & Werbemarkt berücksichtigen.

very british

indems 150 pfund pro jahr und teilnehmer kassieren, radio ist in england frei.

weiters vermarktet die bbc ihre formate über bbc worldwide

zahlen von 10/11 (gj juni-mai) :
3,5 mrd pfund licence fee
1,5 mrd aus sonstigem

was den knapp 23k beschäftigten einen etat von fast 5 mrd pfunderl bringt :)

und ausserdem

arbeitet das management von bbc höchst professionell.
dort bekommt man einen job wenn man etwas kann,
nicht weil man jemanden kennt!

Ein neues Argument für meinen Vorschlag

Landesstudios sofort an Billa & Co verkaufen

Damit sparen wir nicht nur den Länderbeauftragten und Stellvertreter sondern auch gleich 9 x Kameraleute, Moderatoren, Nichtstuer usw.

Dann können die Landeshäuptlinge zwar nicht mehr so oft im Fernsehen sein aber das halte ich aus.

und BITTE BITTE BITTE

eine NÖ heute sendung, ohne dass diese unsägliche glatze zwei mal einen auftritt bekommt

oje da droht er uns aber ganz böse, der orf.
weniger von dem selbst produzierten müll aufgezwungen zu bekommen werde ich kaum erstragen können ;-)
Hoffe so sehr das dieser korrupte parteiensender endlich ex geht, oder zumindest die gis abgeschafft wird, was dann aufs selbe hinauskommt.
Ich will einfach nicht für gefühlte 60% sportsendungen zahlen müssen die mich nicht im Ansatz interresieren. Und nur das "keine werbung in filmen" argument anzuführen ist zu wenig. das rechtfetigt nicht die existenz vom orf.

Wir müssen dem ORF mehr zahlen damit es dem Pelinka besser geht.

90 Euro pro person, vom säugling bis zum greis....
immerhin....
gibts dazu internationale vergleichswerte?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.