Analyse

Lieber Regenbogen als Bestrafung

16. Jänner 2012, 17:20

Interdisziplinäre Forschungsgruppe und der mechanische Türke vermessen die Positivität des Englischen

Schlägt man eine beliebige Seite eines amerikanischen Magazins auf oder schaltet man sich in irgendeine Talkshow ein, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man über das Wort "Fun" stolpert. Nichts scheint so wichtig zu sein wie der Spaß.

Was bloß subjektive Wahrnehmung des Sprachgebrauchs sein mag, wurde nun durch eine empirische Untersuchung des Englischen untermauert. Ein Team von Mathematikern, Physikern und Computerexperten der Universität von Vermont in Burlington analysierte die "Positivität" seiner Muttersprache. Die Forscher maßen das "emotionale Spektrum" aus, um festzustellen, welche Färbung überwiegt.

Dabei gingen sie von der Hypothese aus, dass Sprache ein pro-soziales Bindeglied in einer von eigennützigen Motiven beherrschten Welt ist und dass daher positiv gefärbte Wörter im Alltagsgebrauch überwiegen. Bisherige Untersuchungen, so die Autoren der Studie in der Open-Source-Publikation Public Library of Science, haben unterschiedliche Ergebnisse erbracht. Mit einer großangelegten Durchforstung von Texten wollten sie Klarheit schaffen.

Als Quellen dienten die Archive des Google-Buchprojekts und der New York Times, Twitter-Inhalte und Liedtexte. Die 10.000 häufigsten Wörter wurden an 50 Bewerter verschickt (mithilfe übrigens von Amazons Mechanical Turk, einem Crowdsourcing-Programm, das die Arbeiten vieler Computernutzer koordiniert; benannt wurde der Service nach dem berühmten, angeblich Schach beherrschenden "mechanischen Türken" aus dem 18. Jahrhundert).

Spaßgesellschaft anderswo

Die 500.000 Bewertungen ergaben, dass Wörter mit positiv besetzten Bedeutungen (Liebe, gewinnen, Komödie, Feier etc.) signifikant überwiegen gegenüber dem andere Ende der Skala (Krieg, Krebs, Mord, Terrorist etc.). Die allerhäufigsten Nennungen waren dementsprechend auch viel eher positiver Natur.

Zwischen den vier Textkörpern zeigten sich keine großen Unterschiede in Bezug auf die "Positivität", lediglich spezifische Häufigkeiten waren auszumachen. So war "Bestrafung" als besonders häufiger Begriff lediglich in der von Google archivierten Literatur zu finden, "Regenbogen" und "Küssen" hingegen, wenig überraschend, in den Liedtexten.

Die Auswertung erfolgte rein numerisch, ohne Beachtung des semiotischen Umfelds oder äußerer aktueller Umstände. Wie die Autoren zudem einschränkend feststellen, fehlt der Vergleich mit anderen Sprachen und Kulturen. Liegt es nur an der amerikanischen Kultur, dass das Positive so stark überwiegt? Schließlich hat man auch im deutschsprachigen Raum eine "Spaßgesellschaft" konstatiert. Andererseits gilt Österreich als Hochburg des Grantelns und Miesmachens. Ob der mechanische Türke dies bestätigen würde? (mf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. Jänner 2012)

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15 Postings
byron sully
00
17.1.2012, 14:41

damit also das gegenteil von latein, wo es z.b. für "töten" unzählige wörter gibt...

super Typ
00
17.1.2012, 21:34

Was aber nichts darüber aussagt, wie oft diese vielen Wörter für "töten" in Texten auftreten.

Ich könnte zum Beispiel auch hundert Wörter für "töten" kennen und trotzdem ein Buch schreiben, indem Töten nicht vorkommt.

byron sully
00
18.1.2012, 14:16

bei cäsar sehr oft (und der ist immerhin schullektüre).

glückliches Sein - unsägliches Haben
01
17.1.2012, 14:03
Wolfgang von Kempelen hätte sicher seine Freude

an Amazons Benennung gehabt. Vorausgesetzt das Programm ist eine schöne Kulisse, hinter deren Firewall in Wirklichkeit ein paar hervorragende, indische IT-Spezialisten online werkeln, ohne das es der User an seiner Oberfläche erkennen könnte.

Zinsenfeger
00
17.1.2012, 13:59
bin ich hier der einzige

der noch nie etwas vom Mechanischen Türken gehört hat? (kenne nur den Schachspielenden Türken von anno 1800)

Nick Tameer
00
11.2.2012, 10:13

Nach Befragung meines Zauberspiegels ergeht auf Ihre Anfrage vom 17.01.2012 folgender Bescheid:

Hinter den sieben Googeln gibt es sogar 62.800 Fundstellen, die alle viel klüger sind als Ihr, weshalb ich vermute, Herr Zinsfeger, dass Ihr sogar hier in der Tat der einzige sein könntet.

byron sully
00
17.1.2012, 14:40

ich auch noch nicht, ehrlich gesagt.

glückliches Sein - unsägliches Haben
00
17.1.2012, 14:04
quisquam
218
17.1.2012, 01:57
österreich eine hochburg des grantelns und der miesmacher?

so ein unsinn! wie mich das ärgert! da kriegt man ja magengeschwüre, wenn man sowas liest! und überhaupt, dieser standard, was der alles schreibt, giften kann man sich da! und gestern morgen war der kaffee zu dünn und der toast nur lauwarm und überhaupt paßt mir die jahreszeit nicht. ich mag den winter nicht, genauso wenig wie frühling, sommer und herbst. alles ist viel zu teuer und zu schlecht und morgen wird alles noch mieser sein als heute und überhaupt und so weiter...

Nick Tameer
00
11.2.2012, 10:03

Wie nennt man so etwas eigentlich? Self-fulfilling analysis? Paradox grantling? Positive negativism?

quisquam
00
11.2.2012, 23:48
granteln macht mich einfach nur grantig.

nicht-granteln macht mich noch grantiger. überhaupt hasse ich es, wenn leute auf meine postings antworten, genauso wie ich es hasse, wenn keiner antwortet. das leben ist einfach nicht lebenswert und der tod geht mir auf die nerven.

Das scheue Reh
00
17.1.2012, 16:13

So ein Schmarren.

Zinsenfeger
02
17.1.2012, 13:57

Wer gibt denn da ein rotes Stricherl? Da muss einer so viel granteln dass ihm das granteln auch nimmer passt ;-

Leonardo Basil
00
17.1.2012, 17:15

Und Sie granteln da jetzt darüber nur weil da einer a rotes Stricherl gegeben hat? Was soll das? Ist doch seine Meinung!

:)

Zinsenfeger
00
25.1.2012, 15:13

jou es is richtig zum granitig wernn :)

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