"Otello" an der Staatsoper

Souveräne Eifersuchts-Blicke und -Töne

16. Jänner 2012, 18:00

Peter Seiffert gibt die Partie mit Coolness und erstaunlicher Selbstverständlichkeit

Verdi hat ja lange überlegt, ob er sein letztes Musikdrama "Otello" oder "Jago" nennen soll - bezüglich der Version an der Staatsoper kann man sagen: Otello passt hervorragend. Denn Peter Seiffert gibt die Partie - abgesehen von vokaler Souveränität - mit einer Coolness und erstaunlichen Selbstverständlichkeit, wie man es auf einer Opernbühne nur alle Jubeljahre mal erleben darf.

Seine Blicke, Bewegungen und Befindlichkeiten kramt der wagnergestählte Heldentenor nicht aus der muffigen Kiste der schablonisierten, hohlen Opernposen, er spielt Real Life: In der rabenschwarzen Mielitz-Inszenierung rückt er den rasend Eifersüchtigen in die Nähe eines prolligen Gangsterbosses. Ausgerechnet durch kraftbetontes Agieren sucht hingegen Franco Vassallo den negativen Helden, "dessen Intelligenz und Gründlichkeit über die Maßen schrecklich sind" (Ingeborg Bachmann), darzustellen, und auch vokal verleiht der verwechselbare Schönklang seines Baritons der Gnadenlosigkeit Jagos nur unzureichend Ausdruck.

Krassimira Stoyanova punktet mit ihrer perfekten Gesangskunst, ihr Timbre ist leicht abgedunkelt wie das Haar Desdemonas und glänzend wie das negligéartige Kleid, das sie in den ersten zwei Akten mit merkbarem Unwohlsein trägt. Verdis "ebenso großartige wie sinnlose Musik" (George Bernard Shaw) koordiniert Dan Ettinger sicher, er leitet die "Orgie von Klang und jagendem Rhythmus" (Shaw) mit Verve und Übersicht; das Staatsopernorchester gibt Schmackes. (end, DER STANDARD/Printausgabe 17.1.2012)

18., 22., 26. 1.

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