Die Kuratorin und Kulturmanagerin Angela Glechner löst Szene-Salzburg-Intendant Michael Stolhofer ab
Salzburg - "Es gibt so viel Neues zu entdecken", freut sich Angela
Glechner. Sie ist die designierte neue Intendantin der Szene Salzburg.
Anfang Juni dieses Jahres beerbt die gebürtige Oberösterreicherin den
langjährigen Szene-Leiter Michael Stolhofer, der im Juli sein letztes
Sommerszene-Festival zeigen wird.
Für die 43-Jährige bedeutet der neue Job die Rückkehr nach Österreich.
Über drei Jahre lang war sie Programmkuratorin des Internationalen
Sommerfestivals Hamburg unter der Intendanz Matthias von Harz'. Dieser
wird nun das Tanz- und Theaterfestival der Berliner Festspiele
übernehmen, und Glechner hätte mit ihm in die deutsche Hauptstadt
übersiedeln sollen.
Dass sie nun die Abzweigung nach Salzburg nimmt, um hier eigenständig
programmieren und kuratieren zu können, ist dem Reiz der größeren
Herausforderung geschuldet. Als Motto für ihren Einstand hat sich die
Liebhaberin der englischen Theatergruppe Forced Entertainment den Titel
des jüngsten Stückes der legendären Company aus Sheffield ausgesucht:
"Tomorrow's Parties". Glechner: "Für mich stehen Zukunftsszenarien für
gesellschaftspolitische Fragestellungen im Vordergrund und weniger
theaterästhetische Problematisierungen."
Als künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin übernimmt sie die
Verantwortung für das ganzjährig aktive Republic-Haus am
Anton-Neumayr-Platz, in dem Clubbings, Lesungen oder Konzerte ebenso
stattfinden wie Performances. Und eben das jährliche Festival
Sommerszene, das seit den 1980er-Jahren zu den einflussreichsten
Präsentationsformaten für zeitgenössische Bühnenkunst in Österreich
gehört.
Angela Glechner kennt den Veranstaltungsbetrieb. So war sie vor ihrer
Hamburger Zeit unter anderem Mitglied des Wiener Off-Theater- und
Tanzkuratoriums, Projektleiterin eines internationalen
Veranstalternetzwerks, Managerin des österreichischen Choreografen
Philipp Gehmacher sowie Produktionsverantwortliche beim Brüsseler
Kunstenfestival und im Tanzquartier Wien.
Für ihre Pläne für das Festival ab 2013 lässt sich Glechner möglichst
viele Optionen offen. "Es wird sicher kein kleinteiliges
Spezialistenprogramm und auch kein reines Tanzfestival sein", sagt sie
im Gespräch mit dem Standard.
Dass die Arbeit von Forced Entertainment künftig in Salzburg präsent
sein wird, kann als gesichert gelten. Zu den Favoriten der
entscheidungsfreudigen Neo-Intendantin mit Vorliebe für hochqualitative
Arbeiten mit herausragender Dramaturgie gehören aber auch große
internationale Namen wie Alain Platel und William Forsythe.
Ihr künftiges Festival könne thematische Aspekte haben, sagt sie, aber
es habe keinen Sinn, sich von Themenstellungen zu sehr eingrenzen zu
lassen. Für den künstlerischen Nachwuchs optiert sie auf kleinere
Formate zwischendurch, die ebenso interdisziplinär sein können wie das
Hauptfestival.
Ihr Vorgänger, Michael Stolhofer, übernimmt nun die Leitung des
europäischen Veranstalternetzwerks Apap, und es treibt ihn in Richtung
Bundeshauptstadt: Er wird ab dem Sommer für Sonderprojekte beim Wiener
Impulstanz-Festival verantwortlich sein. (Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe 17.1.2012)