Die Gebrüder Moped üben absurd Gesellschaftskritik
Wien - Im bürgerlichen Leben betreut der eine Behinderte, der andere
Flüchtlinge. Als Kabarettisten nennen sich die beiden Gebrüder Moped.
Das klingt nach ziemlich seichter Unterhaltung. Doch der eine heißt
wirklich Moped, Martin Moped. Wie Brüder sehen sie zudem nicht aus. Aber
sie reanimieren die klassische Doppelconférence - und können ihr sogar
neue Facetten abgewinnen: Der eine, eben Moped, ist ein typischer, eher
wortkarger Grantler Altwiener Ausprägung. Und Franz Joseph Stanzl
verkörpert den heillosen Optimisten, der sich gerne um Kopf und Kragen
redet.
In ihrem dritten Programm, das kürzlich im Niedermair Premiere hatte,
setzen sie sich mit den Auswirkungen von Fundamentalismus und
Manipulation auseinander: Die "KFP", die kalorienfreie Partei, tritt mit
einem völlig absurden, dennoch überzeugenden Programm an. Stanzl
brilliert als Spitzenkandidat Stuhl, der eine Rede in der Diktion Jörg
Haiders hält. Er fordert unter dem Slogan "Genug gegessen!" z. B. die
Abschaffung der Schulmilch - und die Ausdehnung der Fastenzeit vom
Aschermittwoch bis zum Faschingsdienstag. Die Partei hat keine
Jausengegner, wie der Titel lautet, sondern ist ein Gegner der Jause.
Die Gebrüder Moped können der Idee, nichts mehr zu essen, zunächst
einiges abgewinnen: Nie mehr Anstellen im Lebensmittelgeschäft! Nie mehr
eine Raunzerei, weil etwas nicht gepasst hat mit der Kocherei! Doch die
Lust auf ein "Cordon" ist stärker - und so begeben sich die beiden in
Zeiten der Prohibition auf die Suche nach einem illegalen Schnitzel.
Nicht jeder eingestreute Sketch gelingt, aber Stanzl rappt grandios über
Otto Brusatti, und Moped sinniert fulminant über die Warentrennstäbe
beim Billa. Zum Schluss engagiert Gott den einen als Messias, denn sein
Sohn weigert sich: Jesus will eine Rating-Agentur gründen - "dann hört
man wieder mehr auf ihn". Und der andere soll Büroleiter werden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 17.1.2012)
Nächste Termine: 20. und 21. 1. im Niedermair, 3. 2. im Kulturhofkeller
Villach, 6. 2. in der Kulisse