Kabarett

Der Warentrennstab als Symbol

16. Jänner 2012, 17:59

Die Gebrüder Moped üben absurd Gesellschaftskritik

Wien - Im bürgerlichen Leben betreut der eine Behinderte, der andere Flüchtlinge. Als Kabarettisten nennen sich die beiden Gebrüder Moped. Das klingt nach ziemlich seichter Unterhaltung. Doch der eine heißt wirklich Moped, Martin Moped. Wie Brüder sehen sie zudem nicht aus. Aber sie reanimieren die klassische Doppelconférence - und können ihr sogar neue Facetten abgewinnen: Der eine, eben Moped, ist ein typischer, eher wortkarger Grantler Altwiener Ausprägung. Und Franz Joseph Stanzl verkörpert den heillosen Optimisten, der sich gerne um Kopf und Kragen redet.

In ihrem dritten Programm, das kürzlich im Niedermair Premiere hatte, setzen sie sich mit den Auswirkungen von Fundamentalismus und Manipulation auseinander: Die "KFP", die kalorienfreie Partei, tritt mit einem völlig absurden, dennoch überzeugenden Programm an. Stanzl brilliert als Spitzenkandidat Stuhl, der eine Rede in der Diktion Jörg Haiders hält. Er fordert unter dem Slogan "Genug gegessen!" z. B. die Abschaffung der Schulmilch - und die Ausdehnung der Fastenzeit vom Aschermittwoch bis zum Faschingsdienstag. Die Partei hat keine Jausengegner, wie der Titel lautet, sondern ist ein Gegner der Jause.

Die Gebrüder Moped können der Idee, nichts mehr zu essen, zunächst einiges abgewinnen: Nie mehr Anstellen im Lebensmittelgeschäft! Nie mehr eine Raunzerei, weil etwas nicht gepasst hat mit der Kocherei! Doch die Lust auf ein "Cordon" ist stärker - und so begeben sich die beiden in Zeiten der Prohibition auf die Suche nach einem illegalen Schnitzel.

Nicht jeder eingestreute Sketch gelingt, aber Stanzl rappt grandios über Otto Brusatti, und Moped sinniert fulminant über die Warentrennstäbe beim Billa. Zum Schluss engagiert Gott den einen als Messias, denn sein Sohn weigert sich: Jesus will eine Rating-Agentur gründen - "dann hört man wieder mehr auf ihn". Und der andere soll Büroleiter werden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 17.1.2012)

Nächste Termine: 20. und 21. 1. im Niedermair, 3. 2. im Kulturhofkeller Villach, 6. 2. in der Kulisse

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