Öffnung des Arbeitsmarktes am 1. Mai brachte 22.000 zusätzliche ArbeitsmigrantInnen, doch viele bleiben nur kurz
Deutschland wächst wieder: Erstmals seit 2002 scheint sich das Geburtendefizit wieder durch stärkere Zuwanderung auszugleichen. Es sind vor allem ImmigrantInnen aus Polen und Tschechien, die für das Bevölkerungsplus sorgen - dank der Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai 2011. Diese Liberalisierung gab es bekanntlich auch in Österreich. Doch hier dürften die ArbeitsmigrantInnen aus den Nachbarländern nicht so stark zum Bevölkerungswachstum beitragen wie in Deutschland. Denn ein großer Teil erwählt Österreich zwar zum Arbeitsort, aber nicht zum Lebensmittelpunkt. Andere wiederum dürften nur vorübergehend hier arbeiten, etwa zur Überbrückung einer Phase der Arbeitslosigkeit im Herkunftsland.
Laut Zahlen des Sozialministeriums kamen von 1. Mai bis 30. November insgesamt 22.277 zusätzliche unselbständig Beschäftigte aus den 2004er-Beitrittsländern auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Das Wifo hatte mit 25.000 ArbeitsmigrantInnen im ersten Jahr gerechnet.
Bau und Gastgewerbe
Auf den zweiten Blick ist der Anstieg weniger beeindruckend als auf den ersten: Fast die Hälfte dieser Beschäftigten pendelt über die Grenze ins Land und lässt sich nicht hier nieder. Und der überwiegende Teil der Arbeitskräfte arbeite am Bau, im Tourismus und in der Arbeitskräfte-Überlassung (Personalbereitstellung, Personalleasing) - also in "Branchen, die darauf hindeuten, dass es großteils Saisonarbeitskräfte sind", sagt Peter Huber vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. Anders gesagt: Man überbrückt eine Phase der Arbeitslosigkeit mit einem Job im nahen Ausland - und kündigt diesen wieder, sobald sich im Herkunftsland etwas Neues auftut.
Auffallend ist auch die hohe Konzentration im Osten: Der größte Teil der ImmigrantInnen kommt aus Ungarn und ist in Wien, im Burgenland und im Osten Niederösterreichs beschäftigt. Fast 9000 zusätzliche Arbeitskräfte kamen aus Ungarn ins Land - zum Vergleich: Aus der Tschechischen Republik kamen nur 1508 Beschäftigte. MigrantInnen aus Polen stehen an zweiter Stelle: Von hier haben seit 1. Mai insgesamt 5199 Menschen den Weg nach Österreich angetreten, um hier zu arbeiten.
Wie hoch der Saisonniers-Anteil an den "neuen" ArbeitsmigrantInnen ist, werde man erst Ende 2012 sehen, meint Wifo-Experte Huber: "Dann wissen wir, wie viel Kommen und Gehen es gegeben hat."
Nur geringer Anteil
Selbst, wenn alle der 22.777 zusätzlichen Beschäftigten in Österreich einen Wohnsitz gründeten, dann wäre das im Vergleich zur Gesamtzahl der hier lebenden AusländerInnen nur eine winzige Gemeinde: Insgesamt leben 928.000 Menschen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft im Land, 40 Prozent kommen aus der EU, dem EWR oder der Schweiz. Knapp ein Drittel stammt aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens (ohne Slowenien) und rund 12 Prozent haben einen türkischen Pass. (mas, derStandard.at, 16.1.2012)