Formel-1-Chef soll dafür extra Briefkastenfirma gegründet haben
München - Der Mammutprozess um ungeklärte
Millionenzahlungen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone an den
früheren Vorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, ist am Montag vor
dem Landgericht München fortgesetzt worden. Heute war bereits der 24.
Verhandlungstag, zahlreiche weitere sind bis Ende März geplant.
Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat seine Millionenzahlungen an den
ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky nach Angaben eines
Zeugen bewusst über eine Briefkastenfirma verschleiert.
Ecclestone habe eigens eine Firma gekauft, über die er eine
Zahlung von fünf Millionen Dollar (aktuell 3,9 Mio. Euro) an
Gribkowsky geleistet habe, sagte der Genfer Volkswirt, der die
Überweisung im Auftrag von Ecclestone ausgeführt hatte, am Montag vor
dem Landgericht München. "Er wollte einfach nur, dass sein Name nicht
auftaucht." Nach der Zahlung an Gribkowsky wurde die
Briefkastengesellschaft wieder aufgelöst.
Um den Ausdruck "Kasperltheater" ist in dem
Bestechlichkeitsprozess gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand ein
Wortgefecht entbrannt. Der Vorsitzende Richter Peter Noll hatte in
der vergangenen Woche von einem "Kasperltheater" gesprochen, nachdem
die Anwälte einen Antrag aus seiner Sicht zu einem unglücklichen
Zeitpunkt gestellt hatten. Gribkowskys Anwälte ärgerten sich über den
Vergleich und stellten einen Befangenheitsantrag gegen den Richter.
Am Montag lehnte Noll diesen ab: Mit "Kasperltheater" habe er zwar
seinen Unmut geäußert, sich aber nicht auf die Verteidigung oder
deren Verhalten bezogen.
Gribkowsky hat laut Anklage während des Verkaufs der
BayernLB-Anteile an der Formel 1 im Jahr 2006 insgesamt rund 44 Mio.
Dollar von Ecclestone erhalten und muss sich dafür seit Oktober wegen
Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Wofür er das Geld erhielt,
ist immer noch unklar. Gribkowsky sitzt seit seiner Verhaftung am 5.
Jänner 2011 in U-Haft, er ist nun also bereits seit über einem Jahr
hinter Gittern. Mehrmals legten seine Anwälte Haftbeschwerde ein,
blieben damit aber erfolglos. Die jüngste Beschwerde lehnte das
Oberlandesgericht erst drei Tage vor Weihnachten ab, weil es Sorge
hatte, dass Gribkowsky in Freiheit flüchten oder Taten vertuschen
könnte. (APA)