Causa Gribkowsky

Zeuge: Bernie Ecclestone verschleierte Zahlungen

16. Jänner 2012, 15:13

Formel-1-Chef soll dafür extra Briefkastenfirma gegründet haben

München - Der Mammutprozess um ungeklärte Millionenzahlungen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone an den früheren Vorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, ist am Montag vor dem Landgericht München fortgesetzt worden. Heute war bereits der 24. Verhandlungstag, zahlreiche weitere sind bis Ende März geplant. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat seine Millionenzahlungen an den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky nach Angaben eines Zeugen bewusst über eine Briefkastenfirma verschleiert.

Ecclestone habe eigens eine Firma gekauft, über die er eine Zahlung von fünf Millionen Dollar (aktuell 3,9 Mio. Euro) an Gribkowsky geleistet habe, sagte der Genfer Volkswirt, der die Überweisung im Auftrag von Ecclestone ausgeführt hatte, am Montag vor dem Landgericht München. "Er wollte einfach nur, dass sein Name nicht auftaucht." Nach der Zahlung an Gribkowsky wurde die Briefkastengesellschaft wieder aufgelöst.

Um den Ausdruck "Kasperltheater" ist in dem Bestechlichkeitsprozess gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand ein Wortgefecht entbrannt. Der Vorsitzende Richter Peter Noll hatte in der vergangenen Woche von einem "Kasperltheater" gesprochen, nachdem die Anwälte einen Antrag aus seiner Sicht zu einem unglücklichen Zeitpunkt gestellt hatten. Gribkowskys Anwälte ärgerten sich über den Vergleich und stellten einen Befangenheitsantrag gegen den Richter. Am Montag lehnte Noll diesen ab: Mit "Kasperltheater" habe er zwar seinen Unmut geäußert, sich aber nicht auf die Verteidigung oder deren Verhalten bezogen.

Gribkowsky hat laut Anklage während des Verkaufs der BayernLB-Anteile an der Formel 1 im Jahr 2006 insgesamt rund 44 Mio. Dollar von Ecclestone erhalten und muss sich dafür seit Oktober wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Wofür er das Geld erhielt, ist immer noch unklar. Gribkowsky sitzt seit seiner Verhaftung am 5. Jänner 2011 in U-Haft, er ist nun also bereits seit über einem Jahr hinter Gittern. Mehrmals legten seine Anwälte Haftbeschwerde ein, blieben damit aber erfolglos. Die jüngste Beschwerde lehnte das Oberlandesgericht erst drei Tage vor Weihnachten ab, weil es Sorge hatte, dass Gribkowsky in Freiheit flüchten oder Taten vertuschen könnte. (APA)

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