Österreichs Downgrading

AAA-Verlust als Turbo für Reformen

Interview | Regina Bruckner, 16. Jänner 2012, 13:55

Ökonom Harald Badinger würde den Ratingriesen Auf­merksamkeit entziehen und glaubt an das Vertrauen der Investoren

Aus Österreichs AAA wurde übers Wochenende ein AA+.  Ob die zweitbeste Note für die Republik Folgen hat und was nun auf die Bürger zukommen könnte, erklärt WU-Ökonom Harald Badinger im derStandard.at-Interview.

***

derStandard.at: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Investoren Österreich nach dem AAA-Verlust weiter trauen?

Harald Badinger: Ich halte die Herabstufung nicht für eine besonders dramatische Entwicklung, insbesonders weil die beiden anderen Rating-Agenturen Österreich weiterhin mit Triple-A raten. Fitch hat die Top-Bonität vor kurzem noch bestätigt. Standard&Poors dürfte im Moment am strengsten sein. Bei Investoren sehe ich überhaupt keine Konsequenzen. Was Investitionen in Staatsanleihen betrifft, so kann das gewisse Auswirkungen haben und die Zinskosten leicht erhöhen.

derStandard.at: Wie könnte sich das in Zahlen ausdrücken?

Badinger: Es wäre unseriös zu sagen, jetzt wird es um einen halben Prozentpunkt teurer, sich zu refinanzieren. Es ist ja auch nicht so, dass sich Österreich jetzt in diesem Jahr 100 Prozent der Staatsschuld neu finanzieren muss. Das ist ja immer ein rollierendes Umschichten der Schulden, sodass nur ein Teil der gesamten Staatsschuld dann zu höheren Zinskosten refinanziert werden müsste. Insofern schlägt das nicht auf die gesamte Schuldenlast durch.

derStandard.at: S&P-Analyst Moritz Krämer vergleicht in einem Interview das Downgrading mit dem Schulnotensystem. Demnach wäre das ein harmloser Abstieg von einem 1+ auf eine 1. Hält der Vergleich?

Badinger: Das ist tatsächlich noch auf sehr hohem Niveau. Entscheidend ist, dass die Reformmaßnahmen durch die Regierung tatsächlich umgesetzt werden, dass die Budgetentwicklung auf einen nachhaltigen Pfad gebracht wird. Wenn man jetzt agiert, haben wir nicht wirklich ein Problem. Es ist genug Zeit. Wenn Griechenland vor zehn bis 15 Jahren begonnen hätte, hätte man eine Konsolidierung relativ langsam einleiten können. Weil man so lange gewartet hat, ist es ziemlich brutal, wenn man die gesamten Reformen in ein, zwei Jahren umsetzen muss. Österreich ist da noch in einer vergleichsweise bequemen Position.

derStandard.at: Gemütlichkeit muss man den Österreichern wohl nicht extra verordnen?

Badinger: Jetzt ist es an der Zeit, die richtigen Schritte zu setzen. Ich habe den Eindruck, dass auch verstanden wird, dass Handlungsbedarf besteht. Das muss aber auch umgesetzt werden. Schuldenbremse in die Verfassung zum Beispiel. Nachdem Österreich eine relativ hohe Abgabenquote hat, werden die wichtigsten Maßnahmen auf der Ausgabenseite liegen müssen. Der Rechnungshof hat hier 600 Vorschläge gemacht - es gibt also hohes Einsparungspotenzial. Wenn man nur einen Teil davon umsetzt - wie die Verwaltungsreform, über die wir seit 20 Jahren diskutieren - da liegt auf jeden Fall großes Einsparungspotenzial. Das Pensionssystem ist wohl auch ein Thema, das weiter diskutiert werden wird. Ich rechne damit, dass das Pensionsantrittsalter sicher nicht 65 sein wird.

derStandard.at: Und was ist auf Steuerseite zu erwarten?

Badinger: Hier ist es sicher sinnvoll, sich gewisse Umschichtungen zu überlegen, den Faktor Arbeit zu entlasten. Abgaben wie Vermögenssteuern haben auch verteilungspolitische Konsequenzen. Richtig oder falsch: So eindeutig kann man das nicht sagen, hier muss auch eine politische Entscheidung getroffen werden.

derStandard.at: Im Endeffekt darf man die Herabstufung also als Warnschuss sehen, der Österreich in Schwung bringen könnte?

Badinger: Ich würde das so sehen. Die Ratingagenturen haben aber in letzter Zeit zu viel mediale Aufmerksamkeit bekommen. Vor fünf Jahren hat sich kaum jemand so wirklich damit beschäftigt, jetzt hört man beinahe in allen Kurznachrichten ein Statement zu irgendeiner Agentur. Große Investoren machen sich ihre eigenen Gedanken und folgen sicher nicht blind den Ratings. Der Informationsstand für Österreich hat sich über das Wochenende nicht geändert.

derStandard.at: OenB-Gouverneur Ewald Nowotny hat S&P geradezu unterstellt, politisch motiviert zu handeln. Sehen Sie dafür irgendein Indiz?

Badinger: Nowotny hat sich schon ein paar Mal kritisch dazu geäußert. Man hat natürlich schon ein bisschen den Eindruck, dass die USA hier relativ freundlich behandelt werden, weil die Schuldenquote der USA ist sogar marginal höher als die der Eurozone insgesamt. Also man könnte vermutlich den Zustand der USA wesentlich kritischer sehen - auch aus Sicht der Rating-Agenturen. Man müsste auch wissen, welches Modell dieser Länderbewertung genau zugrunde liegt und ob es auf die USA und auf Europäische Länder unterschiedlich angewendet wird. Das ist alles ein bisschen intransparent. Es ist schwer zu beweisen, dass eine systematische Besserbewertung der USA stattfindet.

derStandard.at: Ein Wifo-Forscher hat jüngst gemeint, die Rating-Agenturen agieren ein bisschen wie die berühmte Schafherde: Eine gibt ein Signal, die nächste folgt in ihrer Einschätzung. Hat Österreich weitere Herabstufungen zu befürchten?

Badinger: Die Gefahr besteht natürlich. Aber nachdem Fitch Österreich jüngst Top-Bonität attestiert hat, werden die nicht sofort mit einer Herabstufung nachziehen. Damit würden sie ja selbst ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Wenn Österreich jetzt wirklich rasch und glaubwürdig Reformen umsetzt, dann ist die Einschätzung durch die anderen Ratingagenturen nicht in Gefahr. Es könnte sogar relativ bald schon wieder eine Aufstufung bei S&P kommen. Aber wie gesagt: Dem wird ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit beigemessen. Wichtig ist, dass tatsächlich Reformen kommen und nicht, dass man irgendwelche Ratingagenturen befriedigt, damit die wieder bessere Schulnoten vergeben.

derStandard.at: War die Lage in Österreich - als uns Ökonom Krugman nahe an der Pleite verortete - nicht schon einmal prekärer?

Badinger: Ich schätze Paul Krugman sehr als brillanten Außenhandelsökonomen. Was er in letzter Zeit in Sachen Makroökonomie von sich gegeben hat, ist auch in der Community sehr umstritten. Selbst in den USA gibt es viele Makroökonomen, die extrem kritisch seinen diesbezüglichen Aussagen gegenüber stehen. Ich glaube auch nicht, dass Krugman ein Österreich-Experte ist. Aber das große Engagement der heimischen Banken in den mittel- und osteuropäischen Ländern war natürlich bekannt, und dass da gewisse Risiken und Gefahren bestehen. Aber selbst diese Darstellung war wohl etwas übertrieben. (Regina Bruckner, derStandard. 16.1.2012)

HARALD BADINGER ist Experte für Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik und Vorstand am Institut für Internationale Wirtschaft an der WU Wien.

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Posting 1 bis 25 von 67
1 2
videoopa
00
17.1.2012, 10:54
jetzt ist er aber da, der crash...

http://www.youtube.com/videoatta... 0sWpjEMBIA

Illuminator1
02
17.1.2012, 10:43
also Raiffeisen und Erste

machen Riesenverluste im Osten und wir zahlen wiedermal die Zeche.....
blödes Wahlvolk wach auf!!!
und schmeiss diese Rot-Schwarzen Falotten aus dem
Parlament

Systemsklave
01
17.1.2012, 10:24
Ich dachte...

...dass schon 2010 alles menschenmögliche getan wurde um das Budget fit für die Zukunft zu machen:

http://www.youtube.com/watch?v=zB_L1wkiccU

...oder doch nicht???

mardi gras jr.
00
17.1.2012, 09:28
immerhin Diplomatenpässe für Adabeis sind weg

Österreich tut also was und beschämt die Rating-Agenturen.

Francesca
00
17.1.2012, 08:41
Der hat wohl auch wieder einer nicht gelesen, warum

Austria runter geratet wurde
http://www.standardandpoors.com/ratings/a... 5327296787

Alexander Phoenix1
00
17.1.2012, 09:40

Ich würde vorschlagen dass Österreich einfach ein nicht rückzahlbares Rettungspaket in der Höhe der seit Beitritt geleisteten Nettozahlungen erhält und die Bankmanager die Kredite an die notleidenden Länder gewährt haben strafrechtlich belangt werden.

Francesca
00
17.1.2012, 08:35
Wenn Amis den in europa grassierenden Sparwahn

mit seinen auswirkungen kritisieren, kann das natürlich nur ein politisch motivierter angriff sein.

Ganymede
00
17.1.2012, 08:11
Was kümmert uns das Rating, die Hauptsache ist, dass unsere Parteibuchzecken incl. Verwandt- und Seilschaften gut versorgt sind. Der Rest ist egal.

lessismore
00
17.1.2012, 00:23

O-Ton S&P: “[T]he financial problems facing the eurozone are as much a consequence of rising external imbalances and divergences in competitiveness between the eurozone’s core and the so-called “periphery.” As such, we believe that a reform process based on a pillar of fiscal austerity alone risks becoming self-defeating, as domestic demand falls in line with consumers’ rising concerns about job security and disposable incomes, eroding national tax revenues.”

lola1234
10
17.1.2012, 00:34
Tjo, genau deswegen ist die 'Schuldenbremse' völliger Mumpitz.

Ein hilfloser Populismus, mit dem den ÖsterreicherInnen einmal mehr das Hirn zugekleistert werden soll.

Freigeist
02
17.1.2012, 00:16
turbo? bestenfalls in den abgrund

tatsächlich eher Schlafmittel für unsere Regierung.

frei nach dem Motto: "jetzt haben wir die bestnote schon verloren, da brauchen wir auch nicht mehr reformieren. erhöhen wir einfach die steuern, dann werden wir die Amtsperiode schon finanziell überleben"

lola1234
01
17.1.2012, 00:10
Den Satz des Jahres hat Kanzler Faymann geliefert.

"Wir brauchen unabhängige Ratingagenturen, die berechenbarer sind".

deja vu
01
16.1.2012, 23:29

Was hat das österr. Fußballteam mit unserer Regierung gemein?

Große Sprüche, verdienen viel Geld, aber nix dahinter.

Superfrau2
01
17.1.2012, 08:01
Regierung

Typisch oesterreichische Politik: was nicht sein darf darf nicht sein. Als Zuschauer von 'Im Zentrum' letzten Sonntag: die oesterreischen Unternehmen sind nicht wegen der Politik sondern trotz dieser Politiker erfolgreich! Dieses unsympathische Gestammel von Fekter und das Genuschel von Schieder sind die inverse Abbildung von Faymann und Spindlegger und es kann ja niemand glauben, dass solch eine Ankündigungspolitik international geglaubt wird: die Umsetzungen werden wie immer verwässert und viel zu spät erfolgen und die wahren Probleme nur zum Teil geloest: Pensions- und Gesundheitssystem, Verwaltung in Verbindung mit Banken die viel zu nah bei der Politik agieren (dürfen). Es ist eine Länder- und keine Unternehmensbewertung.

Freiwirtschafter
 
02
16.1.2012, 22:50
Rating-Agenturen und ihre Meinungen ^^

Eigentumsverhältnisse Ratingagenturen:
- Standard & Poor’s, McGraw Hill Verlagsgesellschaft, ferner die Spekulanten der Welt und der Wall Street: Blackrock, Capital World Investors, Fidelity, Vanguard, State Street, Morgan Stanley,
- Moody’s, Haupteigentümer ist Multimilliardär Warren Buffet, ferner teilweise dieselben wie bei S&P: Capital World Investors, Fidelity, Vanguard Group, State Street und die Investmentbank Morgan Stanley,
- Fitch gehört im wesentlichen dem US-freundlichen Großkapital Frankreichs, Konzern Fimalac von Marc Ladreit de Lacharrière (enge Verbindung zu Frankreichs reichster Frau Liliane Bettencourt von L'Oreal).

smeexseus ...
 
02
17.1.2012, 01:58

na vorallem :

Im Juli 1975 setzte die US-Börsenaufsicht (United States Securities and Exchange Commission) fest, dass die Rating-Agenturen die einzigen sein sollten, die die gesetzliche Verpflichtung der Unternehmen erfüllen dürfen, sich bewerten zu lassen, ehe sie für den amerikanischen Kapitalmarkt zugelassen werden. Dies musste von mindestens zwei zugelassenen Rating-Agenturen geschehen. Zugelassen wurden dafür ausdrücklich nur Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings.

vorallem deswegen spielen da ganz viel usamerikanische politische interessen mit

zuerst verursacht die finanzindustrie eine weltweite finanzkrise und jetzt muss österreich deren vertrauen erlangen , na gehts noch ??

tho_mi
00
17.1.2012, 15:27

Anfang der 80er gab es allerdings sieben Rating-Agenturen die dieser Aufgabe nachgehen durften und heute sinds neun.

quantity quality
 
00
16.1.2012, 22:19
stell dir vor

eine us-ratingagentur rülpst und keiner hört hin....
und was tut euler-hermes? nasenbohren?

Vera Rschung
 
00
16.1.2012, 21:12
AAA-Verlust absehbar und überfällig

Lt der chinesischen Ratingagentur Dagong ist Österreich übrigens längst schon auf AA+ herabgestuft. Nämlich seit 2010 bereits. Die österreichische Politik war gewarnt und tat genau nichts!

http://diepresse.com/home/wirt... e-Eurozone

kfd
02
17.1.2012, 07:32
Nichtstun

Faymann wird weiter nichts tun ausser das Problem
klein zu reden und seinen Job als Regierungschef
weiter nicht wahrnehmen. Unisono mit seinem
Schieder und dem Ex OeBBler Muhm.

Vera Rschung
 
00
17.1.2012, 21:51

Genau! Dem ist so.
Der Mann ist unzumutbar!

carbonara
01
16.1.2012, 20:17
Turbo? In Österreich?

Hahaha, der war gut !

Wolperdinger
02
16.1.2012, 20:10
Turbo für Reformen ?

Was ist denn das ?
Das gleiche Ist das Wort "Schuldenbremse "
Nur Bullshit !

thatslife
00
16.1.2012, 19:52
turbo für reformen? eher rückwärtsgang

auf einmal heisst sogar dass ausgeglichene budget wird 2016 ODER 2017 errecht, hallo? jetzt schiebt man das sogar noch nach hinten, dabei verläufts eh schon schleppend genug.
hätten wir eine vernünftige regeirung würdens sagen 2013 haben wir ein ausgeglichenes budget, 2014 bereits einen überschuss um erstmals schulden zurückzuzahlen.

fex1
00
16.1.2012, 19:22

Was heisst hier Turbo? Laut Faymann hat Österreich eh noch Zeit. Was immer er damit meint, bedeutet dies nur das der Ernst der Lage nicht erkannt wurde. Mit dieser Regierung wird das nix mehr...

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