Dreisatz-Niederlage gegen Kroaten Karlovic - Auch Mayr-Achleitner out
Melbourne - Jürgen Melzer hat bei seinen zehnten Australian Open eine
bittere Erstrunden-Niederlage hinnehmen müssen. Der Achtelfinalist des Vorjahres
unterlag zum Auftakt in Melbourne am Montag dem Kroaten Ivo Karlovic im sechsten
Duell erstmals und wird nach dem 6:7(3),5:7,3:6 in der Weltrangliste von
Position 33 um rund 10 Plätze zurückfallen. Auch Patricia Mayr-Achleitner schied
gegen eine vermeintlich bezwingbare Gegnerin ohne Satzgewinn aus. Die Tirolerin
unterlag der Weißrussin Olga Goworzowa 2:6,4:6.
Damit ist Tamira Paszek der einzig verbliebene ÖTV-Beitrag in den
Einzelbewerben des mit umgerechnet 20,9 Millionen Euro dotierten ersten
Grand-Slam-Turniers des Jahres. Die Vorarlbergerin trifft am Dienstag (2. Match
nach 09.00 Uhr MEZ) erstmals auf die fünffache Melbourne-Siegerin Serena
Williams, die als Nummer 12 gesetzt ist. Melzer muss sich auf das Doppel mit dem
Deutschen Philipp Petzschner und das Mixed-Doppel konzentrieren.
Günstige Vorzeichen, schlechter Ausgang
Die Vorzeichen für Melzer waren günstig gewesen. Der 30-Jährige hatte seine
Rückenprobleme im Griff, war schmerzfrei und hatte in fünf Matches gegen den
2,08-m-Riesen, der in der Weltrangliste 24 Plätze hinter ihm rangiert, noch
keinen Satz abgegeben. Vor der Stärke des Kroaten war Melzer aber gewarnt,
dieser sei "sicher einer der undankbarsten Gegner". Das bewies Karlovic am
Montag, als er 24 Asse und ebenso viele Winner schlug (Melzer nur 2) und nach
nur 2:04 Stunden als Sieger vom Platz ging.
Melzers Matchplan funktionierte im ersten Satz noch recht gut. "Aber er hat
mir da schon 13 Asse und ich weiß nicht wie viele unreturnierbare Aufschläge
serviert. Das ist schon sehr viel. Und im Tiebreak habe ich die wichtigen Punkte
nicht gemacht", resümierte Melzer. Im zweiten Set kassierte er bei 5:5 nach zwei
Doppelfehlern und einem verschlagenen Volley das vorentscheidende Break. "Gegen
so einen Spieler kann man sich keine einfachen Fehler leisten", wusste der
Niederösterreicher, der nicht von hinten spielen, sondern vor seinem Gegner am
Netz sein wollte.
"Das lief ganz gut, nur habe ich ein paar zu einfache Volleyfehler gemacht.
Gegen ihn hat man nur drei, vier Chancen, aber wenn man die nicht nützt,
verliert man eben glatt", sagte der ÖTV-Daviscupper, der aber nie aufsteckte.
"Ich habe es bis zum letzten Punkt versucht und gekämpft, auch im dritten Satz
noch. Es ist ein Grand-Slam-Turnier, da will man alles probieren." Ein Break zum
0:1 im dritten Satz brachte ihn aber bald auf die Verliererstraße.
Karlovic ist kein Spieler, der einem angeschlagenen Gegner den Rhythmus
finden lässt. "Man kann das, was man draufhat, gegen ihn gar nicht zeigen. Er
serviert sich da durch. Und ab Mitte des zweiten Satzes hat er dann auch noch
meinen zweiten Aufschlag viel mehr attackiert, dadurch habe ich mehr Druck
verspürt und auch viel schlechter serviert", bilanzierte Melzer und trauerte der
vergebenen Chance nach. "Es wäre gut gewesen, wenn ich den überstanden hätte.
Das ist mir leider nicht gelungen."
Melzers jüngste Bilanz liest sich nicht gut. Am 31. Jänner 2011 war der
Paris-Halbfinalist von 2010 als Folge der guten Australian Open als Zehnter
erstmals in den Top Ten aufgeschienen, hielt später sechs Wochen lang den achten
Platz (zuletzt am 23.5.), doch danach ging es Schritt für Schritt bergab. Denn
Melzer - bis Dezember gehandicapt durch Rückenprobleme - ist es seit Mitte Juli
2011 in mittlerweile elf Turnieren nicht gelungen, zwei Matches in Folge auf der
ATP-Tour zu gewinnen.
"Ich will so schnell es geht wieder Matches gewinnen und dann möchte ich so
schnell wie möglich unter die besten 20 kommen. Da möchte ich wieder hin",
nannte Österreichs Nummer 1 seine Ziele.
Mayr-Achleitner schwer enttäuscht
Mayr-Achleitner (WTA-Nummer 98) kam gegen Goworzowa nicht an ihre
Trainingsleistungen heran und kämpfte nach der siebenten Erstrunden-Niederlage
in einem Grand-Slam-Turnier in Folge mit den Tränen. "Ich bringe im Match
momentan nur 20 Prozent von dem, was ich kann", ärgerte sich die 25-Jährige, die
im Fed Cup gegen die Weißrussin (WTA-Nummer 114) schon triumphiert hatte. "Das
Match habe ich verloren und nicht sie gewonnen. Ich muss einfach lockerer werden
bei den Grand Slams." (APA)