Kopf des Tages

S&P-Chef Douglas Peterson

15. Jänner 2012, 18:57

Karrieresprung durch Herabstufung

Was es bedeutet, für ein Unternehmen den Kopf hinzuhalten, hat Douglas Peterson 2004 in Japan bereits erfahren. Seinem Arbeitgeber Citigroup war wegen Verstößen gegen Geldwäschevorschriften die Privatkundenlizenz entzogen worden. Vor das japanische Oberhaus berufen, nannte Peterson laxe Kontrollen und "eine aggressive Verkaufspolitik" als Gründe für das Geschehene. Er entschuldigte sich mit tiefer Verbeugung und betonte, dass es sehr wichtig sei, aus Fehlern zu lernen.

Ob Peterson, seit August Chef der Ratingagentur Standard & Poor's, eines Tages die am Freitag erfolgte Aberkennung des Triple-A von Österreich und Frankreich sowie die Herabstufung weiterer europäischer Länder als Fehlgriff bezeichnen wird, wird uns dereinst die Finanzgeschichte lehren. Sicher ist, dass er derzeit einen sehr undankbaren Job ausfüllen muss: der Welt zu erklären, dass Bewertungen der Oberbewerter richtig und sinnvoll sind.

In den wenigen Interviews, die Peterson in den vergangenen Jahren gegeben hat, wirkt der 53-Jährige wie ein besonnener Musterknabe. Und auch seine Karriere liest sich wie der Wunschlebenslauf eines Wirtschaftswissenschaftsstudenten.

Nach einem Abschluss in Mathematik und Geschichte am kalifornischen Claremont McKenna College und einem MBA in Betriebswirtschaft an der Universität von Pennsylvania ging Peterson an die Business-School in New York. Von dort warb ihn die Citigroup 1985 direkt ab und schickte ihn sofort nach Argentinien. 26 Jahre diente er dem Unternehmen, unter anderem in Uruguay, Costa Rica, Japan und zuletzt in den USA.

Seinen Posten als Chef der größten Ratingagentur, den er am 12. September angetreten hat, verdankt er ironischerweise einer anderen Herabstufung: nämlich jener der Topkreditwürdigkeit der USA am 5. August, die sein Vorgänger Devon Sharma verantwortete. Auch wenn Sharma S&P offiziell auf eigenen Wunsch verließ, gilt er als Bauernopfer für den Rating-Schock der Amerikaner.

Flops und andere Niederlagen sind von Peterson nicht überliefert. Weggefährten bescheinigen ihm Welterfahrenheit und umfassende Kenntnisse über Finanzdienstleistungen, Risikomanagement und Kapitalmärkte. Privat ist über ihn nur bekannt, dass er sich für zeitgenössischen Tanz interessiert. Der Tanz auf dem (Rating-) Vulkan wird ihm dafür keine Zeit mehr lassen. Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 161.2012)

Kommentar posten
11 Postings
santa fe
 
00
16.1.2012, 15:10

von der citi group in die rating agentur, die angeblich nichts mit der FI (finanzindustrie) zu tun hat. diese finanzpolitischen verflechtungen haben die westliche demokratie schon fast völlig erstickt.

noch kann sich eine überwältigende gesinnungsdemokratische mehrheit im internet manifestieren und die FI entmachten, da sie von 99% der bevölkerung abhängig ist und nicht umgekehrt. sie ist unsere finanzverwaltung, sie hat unser geld, es gehört ihr nicht, und sie kann sich nicht als unser tyrann halten, wenn wir solidarisch unsere mehrheit beweisen.

die FI hat unser geld an uns zurückzuzahlen, an jeden einzelnen von uns, nicht an korrupte politiker.

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN für alle.

Dalien
 
01
16.1.2012, 09:26
Diese Leute sind so so korrupt

das sie bald auseinander fallen.
Seelenlose Hüllen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
01
16.1.2012, 07:19
Ein Lebenslauf

wie der eines zu gut gewarteten Leasingkaffeeautomaten. Furchtbar fad, solche Typen. Born to be Spaßbremse.

(Btw.: Können Borg hüpfen?)

Bessermacher
00
16.1.2012, 01:31
Wer bitte ist S&P??

Wir leben schon in einer sehr eigenartigen Welt.

Gerhard Polak
01
16.1.2012, 10:55
Suffer & Pay

HookMind
00
16.1.2012, 09:36
Standard & Poor's

vielleicht...

Karlgaard
11
15.1.2012, 21:13

Es ist schon perfide, den Leiter einer Institution lächerlich zu machen, wenn sie für einen unangenehme Entscheidungen trifft. Wenn man dann allerdings so tut, als würde der Chef einer Ratingagentur im Alleingang über die Bewertung von Staaten entscheiden, dann verspielt man seine wirtschaftsjournalistische Glaubwürdigkeit.

shaki1
00
16.1.2012, 00:26

Warum denk ich da an Cellospielen, Karikaturenzeichnen, Schweigen?

haweix
00
16.1.2012, 00:02

Peterson hat trotzdem am Ende des Tages die Verantwortung für eine Abstufung durch seine Institution

John Maynard Meier
02
15.1.2012, 20:37
Liest sich eher wie das traurige erwachen eines jeden Wirtschaftswissenschaftsstudenten.

Nämlich, dass die besten immer Mathematik studiert haben..

haweix
00
16.1.2012, 00:20

Und was ist mit Geschichte und MBA?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.