Brüssel - Nach zweieinhalb Jahren wird der Präsident des Europäischen
Parlaments, Jerzy Buzek aus Polen, sein Amt am Dienstag an Martin Schulz
übergeben. Der 56-jährige Deutsche ist seit 2004 Chef der Fraktion der
Sozialdemokraten in Straßburg. Neben ihm stellen sich die britische
Liberale Diana Wallis und der britische Konservative Nirj Deva der Wahl.
Die Kür von Schulz gilt aber als sicher.
Gemäß einer Parteienvereinbarung der stärksten Fraktionen, Volkspartei
und SP, wird das Präsidentenamt untereinander aufgeteilt und nach Ablauf
der Hälfte der Legislaturperiode übergeben.
Mit Spannung wird die Wahl des Nachfolgers von Schulz an der Spitze der
SP-Fraktion erwartet. Die besten Chancen werden Hannes Swoboda aus
Österreich zugeschrieben. Seine Hauptkonkurrentin ist Catherine
Trautmann, ehemalige französische Kulturministerin und
Ex-Bürgermeisterin von Straßburg (siehe Interview). Dem Briten Stephen
Hughes wird keine Chance vorausgesagt. Swoboda kündigte im
Standard-Interview an, eine harte, sozialdemokratische Linie fahren zu
wollen.
SP-Fraktionschef wäre die politisch einflussreichste Funktion, die ein
österreichischer Abgeordneter in der Union je errungen hat. Aber auch
aus der ÖVP steht mit Othmar Karas ein weiterer Österreicher vor einem
Karrieresprung: Er kandidiert für die Funktion eines (von 14)
Vizepräsidenten des Europaparlaments. (tom, DER STANDARD-Printausgabe, 16.01.2012)