Kommentar von Eric Frey

Klüger sparen

Kommentar | Eric Frey, 15. Jänner 2012, 18:41

Die Wiedererlangung der Top-Bonität erfordert auch eine Wachstumsstrategie

Die Herabstufung Österreichs durch die Ratingagentur Standard & Poor's ist weder eine nationale Katastrophe noch ein Grund für einen radikalen Kurswechsel. Die Finanzmärkte haben schon seit Wochen den österreichischen Staatspapieren die Top-Bonität entzogen, indem sie höhere Renditen verlangten. Aber der Hauptgrund dafür ist das wirtschaftliche Umfeld, in dem Österreich liegt: Ungarn im Osten, Italien im Süden und rundherum die krisengeschüttelte Eurozone. Daran kann keine Bundesregierung etwas ändern.

Allerdings steckt in der neuen Bewertung von S&P auch eine gehörige Kritik an der heimischen Wirtschaftspolitik - und eine Orientierung für die Zukunft. Da ist einerseits der Schuldenberg, den Österreich über Jahrzehnte aufgebaut und auch in Zeiten der Hochkonjunktur nicht ausreichend reduziert hat. Wäre die Republik mit einer Staatsverschuldung von unter 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie es die EU-Verträge verlangen, in die Finanzkrise eingetreten, dann wäre das Triple-A-Rating nie in Gefahr geraten.

Aber der Ausweg jetzt kann nicht nur darin bestehen, Ausgaben zu kürzen und Steuern zu erhöhen. S&P warnt ganz konkret davor, wirtschaftliche Reformen auf Sparpakete zu beschränken, weil dies das Wachstum schädigt und die Budgetkrise noch verschärft.

Zwar ist Österreichs Konjunktur weniger von der inländischen Nachfrage als von der Stärke der Exportmärkte abhängig. Aber da diese heuer sicher schwächeln werden, hängt der Erfolg der Haushaltskonsolidierung auch davon ab, ob es gelingt, die Binnennachfrage stabil zu halten.
Das kann nicht dadurch geschehen, dass der Staat - wie es manche nun fordern - weniger spart, sondern dadurch, dass er klüger spart; also dort, wo es das Wachstum nicht beeinträchtigt, sondern möglichst fördert. Das spricht etwa für Vermögenssteuern, die fest gebundenes Kapital belasten - vor allem eine Erhöhung der Grundsteuer. Hier muss man darauf hoffen, dass die ÖVP ihren Widerstand aufgibt.

Noch wichtiger aber wäre, dass die SPÖ bei den Frühpensionen von der Bremse steigt und einer raschen Anhebung des effektiven Antrittsalters zustimmt. Produktive Arbeitnehmer mit unter 60 in den Ruhestand zu schicken kostet nicht nur Geld, sondern auch viel Wachstum. Dabei dürfen die Invalidenpensionen nicht ausgespart werden: Medizinische Berufsunfähigkeit bedeutet nicht immer, dass gar keine Tätigkeit mehr möglich ist.

Im Steuersystem ließen sich durch eine drastische Vereinfachung große Wachstumspotenziale heben. Die Konzepte dafür, etwa die „Bierdeckelsteuer", liegen seit Jahren auf dem Tisch. Auch in der Gesundheitspolitik und bei den in Österreich besonders beliebten Förderungen sind große Einsparungen möglich, die weder das BIP noch den Arbeitsmarkt belasten.

Ob es SPÖ und ÖVP in den kommenden Wochen gelingt, zumindest einen Teil all jener Reformvorschläge umzusetzen, die Experten des Rechnungshofs, des Wirtschaftsforschungsinstituts und anderer Thinktanks Jahr für Jahr vorlegen, ist höchst fraglich. Im Verhandlungsgerangel zwischen den Koalitionspartnern dürfte wieder einmal nur ein platter Kompromiss herauskommen, bei dem bei Ausgaben stur subtrahiert und bei den Einnahmen hinzuaddiert wird. Zur kurzfristigen Beruhigung der Finanzmärkte wird das wohl reichen, für die Wiedererlangung des AAA-Ratings sicher nicht. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.01.2011)

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ichbinsofrei.net
00
18.1.2012, 00:23
a ist einerseits der Schuldenberg, den Österreich über Jahrzehnte aufgebaut und auch in Zeiten der Hochkonjunktur nicht ausreichend reduziert hat.

Eric Frey 2008:

ielleicht wird man sich in zwei oder drei Jahren, wenn die ganze Welt dann unter den gewaltigen Budgetdefiziten stöhnt, die zur Überwindung der Finanzkrise angehäuft wurden,...

Aber allein die Gefahr einer solchen Entwicklung ist Grund genug, für den Augenblick hohe Defizite und wachsende Schuldenberge zu akzeptieren.

Wenn es um die Rettung des Finanzkapitalismus geht, ist Frey immer fürs Defizit:
http://194.116.243.26/122728846... ikaGroup=8

StringerBell
00
16.1.2012, 18:12

Wow, das ist ja tatsächlich ein grundvernünftiger Artikel! Merci!

David Riebel
03
16.1.2012, 14:16
?

Spanien hatte vor Beginn der Krise um die 40 %, Österreich hatte 2008 gerade mal 63,8 %. Die Aussage, dass diese Schuldenstände so unglaublich hoch sind weil sie über Jahrzehnte angehäuft wurden ist schlichtweg falsch. Die Hilfspackete für unsere Banken, besser gesagt deren Bestreben ihre Schulden zu sozialisieren sind verantwortlich für unsere jetzige Situation!

Hr. Frey bitte überprüfen sie ihre Daten, es ist mancher Hinsicht schlicht verantwortungslos solche Aussagen zu tätigen ohne sie ordentlich zu überprüfen.

Gobi Todic
01
16.1.2012, 13:05
Wieso Sparen?

http://www.standardandpoors.com/ratings/a... 5327305715

Begründung Deutsch:
Daher glauben wir, dass ein Reformprozess der einseitig auf fiskalischen Sparmaßnahmen beruht, unwirksam sein könnte, indem die Inlandsnachfrage in gleichem Maße sinkt wie die Sorge der Verbraucher um ihre Arbeitspläte und ihre verfügbare Einkommen steigt - und damit die nationalen Steuereinnahmen erodieren.

RichardRoe
04
16.1.2012, 12:40
Vor dem Schreiben - informieren!

Österreich hat das AAA NICHT wegen seiner Staatsschulden verloren. Ein Märchen, mit dem man uns die Sparpolitik und höhere Steuern verkaufen will.

Wir haben das AAA verloren, weil
a - unsere Banken mit ca 32 Mrd Euro in Ungarn 'engagiert' sind. Wenn Ungarn pleite macht, dann muss Österreich diese Banken 'retten' und das ist eben ein Risiko für Anleihenkäufer.
b - wenn Ungarn pleite geht, dann wird das auch die österr. Wirtschaft treffen. Und aus einer schwachen Konjunktur eine Rezession 'zaubern'.
c - weil unsere Banken auch auf griechischen Anleihen sitzen und die demnächst ..
d - weil Italien ein prominenter Wirtschaftspartner Österreichs ist.

Bei dem Szenario können wir uns dumm und dusselig sparen - es nutzt uns nix.

sandor gjalski
00
16.1.2012, 13:44

eh klar allen aussen den mit IQ unter der raumtemperatur

Rächer der Enterbten1
01
16.1.2012, 12:34
...lieber Herr, was nützt es, wenn...

...sie das alles wissen, die Schuldenbremse von mir aus in der Verfassung steht, wenn die Firmen um DEREN Bilanzen zu verbessern, Leute um 50 ins ASVG und damit die Kosten dem Staat umhängen, um dann noch über die hohen Pensionskosten zu lästern, und das Antrittsalter anzuheben zu wollen.
Und der Leitl will alle Subventionen abdrehen, nur für die Leistungsträger in der WKÖ und ILV nicht...
Und warum zahlen Ruttenstorfer, Treichl, Konrad für ihren 13 und 14 Bezug nur 6% ?
Wissen tut mans seit Jahren, aber die Partei der Leistungsträger hat was dagegen.....

Keyser
00
16.1.2012, 11:40
Die Frage ist doch - was würde sparen ändern?

Die Politiker streiten, es werden neue Steuern erdacht, um Löcher zu stopfen. Sparen mag angebracht sein - "Krise" - doch was ändert sich insgesamt an den der Situation Zugrunde liegenden Problemen? Diese sind dadurch nicht gelöst, und es wird mit allen Mitteln, von allen möglichen Seiten verhindert - dass etwas passiert. Vor allem in den Causen, wo eventuell noch Geld zu erwarten wäre.

Solange das nicht passiert, sehe ich ehrlich gesagt schwarz, da brauchen sich die Politiker nicht wundern - wenn es zu weiteren Abstufungen käme. Die Lösung ganz am Ende der Geschichte, wird jedenfalls eine Österreichische sein - niemand war es, es lief alles super sauber, und Schuld - waren die bösen Agenturen.

slow motion
00
16.1.2012, 10:39
"Klüger sparen" ????

Typisch sinnentleerte Politfloskel, die nur dazu dient, die unumgängliche Grausamkeit zu vertuschen ....

Pauli Feuerstein
00
16.1.2012, 11:55
Wie kann die Rücknahme eines strukturelle Defizits grausam sein

es ist eine Notwendigkeit, mehr nicht! ;-)

alpentiger
00
16.1.2012, 10:31
Das ist in Österreich so wie in Griechenland ...

Die Regierung setzt seit 30 Jahren mehr oder minder die Grundrechnungsarten für eine moderne Volks- und Staatswirtschaft aus Populismus ausser Kraft und erklärt sich stets als kompetent als Treuhänder für die nächsten Generationen.

Die Ursachen und die Gutachten darüber werden einfach verdrängt.

Jetzt haben wir die "seichteste" Regierung seit Jahrzehnten mit Parteien, die an Qualtität des Personals nicht interessiert sind, sondern nur den eigenen Filz pflegen wollen.

Jetzt ist es halt - wie es absehbar war - wie in den meisten EURO-Ländern FÜNF NACH ZWÖLF und die Parteischwafler erklären alles entweder nicht für schlimm oder schimpfen auf alle, die dieser niederträchtigen Sichtweise nicht folgen können oder wollen.

Tu felix A..

Ernst Dorfner
00
16.1.2012, 10:12
Deficit spending plus Profit collecting

„Ich bin darauf gefasst, dass der Staat .... eine immer wach¬sende Verantwortung für die unmittelbare Orga¬nisation der Investition übernehmen wird.“ Diese Aussage von Keynes bildet die Grundlage für die sgn. keynesianische Wirtschaftspolitik des Deficit Spending. Die ganze Organisation der Investitionen besteht aber nicht nur im kreditfinanzierten Geld-Ausgeben, sondern, wie jeder Unternehmer weiß, auch im Zurückzahlen der Kredite. Genau da aber haben die Staaten bisher fürchterlich geschlampt. Auch ein Unternehmen wird seine Bonität für neue Kreditaufnahmen nur dann halten können, wenn es zeigt, dass es seinen Verpflichtungen laufend nachkommt. Neue Kredite wird es nur bekommen, wenn es die alten tilgen kann. Auch wenn die Unternehmensb

Thomas turnbichler
00
16.1.2012, 09:47
Der entscheidende Satz fehlt

Nämlich die Auflösung des Euros. Denn diese Wähung kann nur funktionieren bei wirtschaftlicher, politischer und kulturellen Gleichheit Europas.

Europa wird dies aber Gott sei Dank nie sein, denn Europa ist stark und gross, wenn sie die Verschiedenheit in allen Aspekten respektiert und damit umzugehen lernt. Eine Gleichung Euro=Gleicheit existiert nicht und aberkannt unsere Vielfältigkeit auf eklatante Weise. Sie widerspricht gar dem europäischen Geist.

Mary F.
02
16.1.2012, 09:32
Die Loesungsinkopetenz der Regierung ist schon beeindruckend

Wie Frey richtig schreibt, glauben beide Regierungsparteien, dass sie jeweils 100% der Mandate besitzen und deswegen jedesmal protestieren und blockieren, wenn ein Vorschlag des Koalitionspartners kommt.

So wird man das Land nicht weiterbringen. Vielleicht sollten die Herrschaften mal darueber nachdenken, ihr Geld in unabhaengige Mediatoren zu stecken anstatt in Expertengutachten, die dann eh nur ignoriert werden, weil es immer ein Gutachten gibt, das einem der beiden Parteien nicht gefaellt und konstruktive Argumente sowieso schon lange nichtmehr zaehlen.

Meinung MEINUNG
00
16.1.2012, 09:17
s & p wollen strukturreformen

im Vergleich zur Bevölkerungsanzahl in Bayern ( ca gleich mit Österr):ca 1100 (iW: tausendeinhundert) % ( iW: Prozent) mehr Sozialversicherungsträger, mehr Landesgesetze, mehr Landespolitiker mehr Landesenergieversorger , etc .

Mary F.
00
16.1.2012, 09:32
Bayern hat rd doppelt soviele Einwohner wie Oesterreich

Meinung MEINUNG
00
16.1.2012, 09:46
wikipedia: Öst 80.000 km2 und 8.5 Mio Leute Bayern: 70.000 km2 und 12 Mio Leute

Mary F.
00
16.1.2012, 09:53
Ok, dann nicht doppelt so viel, aber 3.5 Mio mehr und 9 Regierungen weniger ist auch nicht schlecht ;-)

Sebastian Burger
32
16.1.2012, 08:56
Ein paar Fragen....

Wie hat eigentlich Wirtschaft funktioniert bevor das BIP (v.a. im Verhältnis zu Schulden) gemessen wurde?

Was für Anreizwirkungen hat die Kennzahl BIP für wen? (Banken, int. Unternehmen, Staaten, private nat. Unternehmer)

Ist die Welt eine bessere geworden seit dem das BIP gemessen wird?

Wer schürt Angst? Wer hat Angst?

pluralis modestatis
00
16.1.2012, 11:09
i.A. schlechter

zeitfuchs
42
16.1.2012, 08:07
weg mit den Zinsen,

dann hätten wir auf einen Schlag 8 Milliarden mehr im Sack, die wir für Investitionen und den Konsum ausgeben könnten. Wachstumsfetischismus ist keine Antwort auf das exponentiell verlaufende Zinsen- und Schuldenwachstum. Die Disparität zwischen der Geldmenge im Investmentsystem und der sinnvollen Größe der Realwirtschaft ist das Problem.

pluralis modestatis
02
16.1.2012, 08:40
Weg mit,........

Warum so bescheiden ?

Weg mit KOSTEN, und alles ist ok.

zeitfuchs
00
16.1.2012, 10:17
Levitikus 25,36-37:

"Du sollst nicht Zins von ihm [deinem Bruder] nehmen und sollst dich fürchten vor deinem Gott, damit dein Bruder neben dir lebt. Dein Geld sollst du ihm nicht gegen Zins geben, und deine Nahrungsmittel sollst du nicht gegen Aufschlag geben".
http://de.wikipedia.org/wiki/Zinsverbot

pluralis modestatis
01
16.1.2012, 11:15
Aristoteles / Zins

"Daher denn auch der griechische Name für 'Zins' so viel als 'Junges' bedeutet, denn das Junge pflegt seinen
Erzeugern ähnlich zu sein, und so ist auch der Zins wieder Geld vom Gelde. Und diese Art von Erwerbskunst
ist denn hiernach die widernatürlichste von allen."

Nachdem DAS geklärt ist, steht einer umfassenden Zinsreform nichts mehr im Wege.

zeitfuchs
00
16.1.2012, 12:57
...Junges vom Jungen...

interessanterweise verzeichnet unser Weltbevölkerungswachstum eine ebenso markante Entwicklung, wie das Zinseszins- und Geldschöpfungs-System. Wenn man die diesbezügliche Grafik anschaut, so fällt einem sofort die berühmte Schuldenkurve ein. Wie sollte es auch anders sein, beispielsweise bei der 2er Potenz. Das ganze sogar im Lichte der Ein-Kinderpolitik Chinas. Was aber nützt die Politik eines Landes, wenn der Nachbar Indien nicht mitzieht und nahezu ein explosives Wachstum verzeichnet? Die Natur löst dieses Problem ohnedies automatisch: Hungersnot, Verteilungskampf, Kriege...
http://de.wikipedia.org/wiki/Welt... %B6lkerung

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