Mit Skiern auf einen Sprung zum Eishockey

David Krutzler, 15. Jänner 2012, 18:13
  • Die 15-jährige Ski-Freestylerin Elisabeth Gram springt in der Halfpipe zum ersten Gold für Österreich.
    foto: reuters/ebenbichler

    Die 15-jährige Ski-Freestylerin Elisabeth Gram springt in der Halfpipe zum ersten Gold für Österreich.

Die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele passen genau zur Sportstadt Innsbruck. Ein Schimpfwort bei der Eröffnungs­feier hat nichts daran geändert

Innsbruck - Man hat die Antwort der Zuschauerin zwar verstanden, fragt sicherheitshalber aber nochmal nach: Wie gefallen Ihnen bisher die Eishockey-Spiele? "Die Burschen sind viel zu brutal", wiederholt Eva Prosenz in der Innsbrucker Olympiaworld. "Die Mädchen gehen mir dagegen auf dem Eis viel zu sanft miteinander um."

Eva Prosenz ist 75 Jahre alt, und die bisher fehlende Action beim Mädchen-Turnier ist ihr nur im Vergleich mit den Burschen aufgefallen. "Unglücklich", auf diese Feststellung legt die extra aus Wiener Neustadt angereiste Pensionistin wert, ist sie keinesfalls darüber. Schließlich spielt auch ihre Enkelin Noemi im österreichischen Team mit.

Die 17-jährigen Mädchen gestalteten ihren Auftritt am Samstag gegen Kasachstan (8:1) jedenfalls souverän. Körpereinsatz war praktisch unnötig, und deuteten die Gegnerinnen einen Check an, waren die technisch überlegenen Österreicherinnen stets einen Schlittschuhschritt voraus. Schon am Freitag waren die Jugendlichen gegen die Slowakei (8:0) erfolgreich. Gelingen am Montag gegen Deutschland und am Dienstag gegen Favorit Schweden ebenfalls Siege, ist eine Medaille in Griffweite. Die 15-jährigen Burschen mussten sich hingegen nach Finnland (0:3) am Samstag auch den USA (2:7) geschlagen geben.

Würdiger Veranstalter

Dass die Premiere der Jugend-Winterspiele mit Innsbruck einen würdigen Veranstalter gefunden hat, wurde auch von den 1000 Zuschauern in der Olympiaworld unter Beweis gestellt. Manch einer kam in voller Montur mit seinem Snowboard oder seinen Skiern in die Halle, um direkt nach den Eishockey-Spielen mit dem Bus selbst noch in eines der umliegenden Skigebiete zu fahren.

Zum Beispiel auf den Patscherkofel: Dort sorgte am Samstag die 16-jährige Tirolerin Christina Ager mit Platz drei im Super-G für die erste österreichische Medaille. Siegerin wurde Estelle Alphand, Tochter des französischen Gesamtweltcupsiegers Luc Alphand, der 2006 auch die Rallye Dakar, damals noch in Afrika, gewinnen konnte.

Für den wohl erinnerungswürdigsten Moment der Spiele hatte Christina Ager aber schon am Freitagabend am Bergisel gesorgt. Die Eröffnungsfeier war durchgestylt bis zum finalen Feuerwerk, davor sollte die 16-Jährige stellvertretend für alle Athleten den olympischen Eid sprechen. Allein - mitten im Satz wollte ihr der Text nicht mehr einfallen. "Scheiße", sagte sie unüberhörbar ganz gegen das Protokoll ins Mikrofon. Und 15.000 Zuschauer johlten ob des sympathischen Fauxpas, der die Spiele erst so richtig zu Jugendspielen machte.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) nützt die Veranstaltung auch als Plattform, um neue Sportbewerbe zu testen. Snowboarder lässt das IOC schon olympisch in der Halfpipe springen. Freestyle-Skifahrern blieb die Ehre noch verwehrt. Der Österreichische Skiverband wird seit Sonntag für eine Aufnahme stimmen. Die 15-jährige Tirolerin Elisabeth Gram gewann in Kühtai die Premiere und sorgte für das erste österreichische Gold bei den Spielen. In der herkömmlichen alpinen Skifahrt siegte der 16-jährige Kärntner Marco Schwarz in der Superkombination.

Sportliche Erfahrungen sollen aber nicht das Einzige sein, das die 1059 Jugendlichen aus 70 Nationen aus Innsbruck mitnehmen werden. Ein Kulturprogramm samt Musikkonzerten begleitet die Spiele, Athleten und interessierte heimische Jugendliche können sich zu so unterschiedlichen Workshops wie Schuhplattln, Social Media, unmittelbare Wettbewerbsvorbereitung, Kochen oder Sicherheit am Berg anmelden.

Dritter olympischer Einsatz

Ab Montag koordiniert auch die bald 64-jährige Innsbruckerin Brigitte Zerlauth als eine von vielen Volunteers die Workshops im Kongress. Es ist ihr bereits dritter olympischer Einsatz. Schon 1964 war sie als Helferin bei den Olympischen Spielen dabei und unter anderem als Würstelverkäuferin im Einsatz. 1976 arbeitete sie im Eisstadion. Bei den Jugendspielen war die Ärztin eigentlich dafür eingeteilt worden, dem Team aus Monaco in Pressefragen beiseitezustehen. Das war Zerlauth zu langweilig, sie bat um Versetzung. "Ich will mich mit Jugendlichen unterhalten. Dafür habe ich mich doch als Volunteer angemeldet."(David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, 16. Jänner 2012)

Berichterstattung

Es ist wirklich traurig, dass in der österreichischen Medienlandschaft das Thema so wenig Beachtung findet. Zusätzlich sollten die österr. Schulen einen Schulfreien Tag einlegen und zu den Bewerben fahren. Aber Schulsport und Begeisterung unserer Jugend ist ja nicht mehr.

Die einzige, wohl ausführlichere Berichterstattung

fand ich bis jetzt auf

tt.com/sport
(dort auf olympische Jugendwinterspiele klicken)

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