Hypo-U-Ausschuss beendet

Land Kärnten hat bei Hypo versagt

Renate Graber, 15. Jänner 2012, 17:50
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    foto: apa/eggenberger

    Der U-Auschuss meint, dass die Landesaufsicht die Hypo Group stoppen hätte müssen.

Tenor des Entwurfs zum Ab­schlussbericht: Die Landes­aufsicht hat versagt, selbst das Risiko aus den Haftungen wurde nicht erkannt

Wien - Der Untersuchungsausschuss des Kärntner Landtags zum Thema Hypo Alpe Adria ist offiziell beendet; nach 74 Sitzungen und Einvernahmen von 87 Zeugen. Der Endbericht zur Frage der politischen Verantwortung für das Schicksal der Bank soll Ende Jänner stehen. Einen Vorgeschmack bietet der "Entwurf zum Bericht des U-Ausschusses zur Überprüfung des Verkaufs von Anteilen der HypoGroup Alpe Adria durch die Kärntner Landesholding KLH"; ihn hat Ausschussvorsitzender Rolf Holub von den Grünen am Dienstag vorgelegt. Im rund 500-seitigen Entwurf, der dem Standard vorliegt, wird der Schaden fürs Land mit 600 Millionen Euro beziffert.

Einer der Schlüsse: Das Land hat seine Bank ungenügend kontrolliert. Die Landesaufsicht (Aufsichtskommissäre waren Jörg Haider und zuletzt Harald Dobernig) habe "ihre Kompetenzen mangelhaft wahrgenommen". "Seit 1997 wurden von den Prüfinstanzen laufend Schwächen und Mängel der Bank, insbesondere im Risikomanagement festgestellt", die Landesaufsicht habe versäumt, die Behebung einzufordern. Bei Nichteinhaltung der Vorgaben hätte sie die "Aufkündigung der Landeshaftung prüfen müssen".

Haftung "eher theoretisch"

Diese Haftung ist ab 2004 explodiert: von 15 auf 24,7 Mrd. Euro 2006, bei der Notverstaatlichung lag sie bei 19 Mrd. Aus dem Rechnungssabschluss des Landes war ihr voller Umfang aber "erst ab 2004 oder 2005" ersichtlich; bis dahin hatte man sich mit einem grundsätzlichen Verweis darauf, dass das Land Haftungen für die Bank übernimmt, beschieden, sagte ein Landesrechungshofbeamter bei seiner (nichtöffentlichen) Einvernahme aus. Dass die Haftung (Ausfallsbürgschaft) des Landes schlagend werden könnte, hat offenbar kaum jemand ernst genommen. Grawe-Chef und Ex-Hypo-Aufsichtsratsvizechef (bis 2009) Othmar Ederer: "Meine Einschätzung beim Einstieg der Bayern war, dass das Thema Landeshaftung eher ein theoretisches, kein praktisches ist. Dass die BayernLB ihre Tochtergesellschaft fallen lässt, war nicht zu erwarten." Heute weiß man es besser: Die Hypo kollabierte fast (was die Haftung ausgelöst hätte), der Staat musste ran - auch, damit das Land nicht pleitegeht.

"Schwanz wedelte mit Hund"

Wie man in Kärnten die Sache mit der Haftung, die dem Land in Summe 117 Mio. Euro Provisionen einbrachte, sah, beschrieb Zeuge Jörg Schuster (bis 2003 im Bankvorstand) bildhaft so: "Mir ist die Landeshaftung immer so vorgekommen, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt. Die Bilanzsumme der Bank war ja immer um ein Viel-, Vielfaches größer als das Budget des Landes. Und weil die Provision budgetär nicht so eine große Rolle gespielt hat, ist man auf die Idee gekommen, sie im Voraus zu kassieren. " Was regelmäßig geschah.

Viel Raum widmete der U-Ausschuss dem Einstieg der "Investorengruppe Berlin" Ende 2006, die ihre Hypo-Anteile 2007 mit viel Gewinn an die BayernLB verklopfte. Diese Kapitalerhöhung wäre fast noch am Geldmangel der Berlin-Truppe gescheitert, wäre Hypo-Mitaktionär Grawe nicht via Tochter Capital Bank eingesprungen. Wie Grawe-Chef Ederer vor dem Staatsanwalt in München als Zeuge sagte, hat die Capital Bank der Berlin & Co. S.a.r.l. sechs Mio. Euro Kredit gegeben sowie "einen kurzfristigen Kredit von zehn Mio. Euro an die Dr. Weiss Beteiligungsgesellschaft". Erhart Weiss war später kurz Gesellschafter und Geschäftsführer der Agroeast rund um Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer. An ihr sind auch die Ex-Berlin-Investoren Herbert und Friederike Koch beteiligt.

Bei der Frage, "ob auch Politiker indirekt an der Investorengruppe Berlin" beteiligt waren, kommt natürlich die Ferint AG rund um die Schwiegermutter von Karl-Heinz Grasser ins Spiel (investierte 500.000 Euro). Er selbst entschlug sich bei dem Thema der Aussage (die Justiz hegt den Verdacht, der damalige Finanzminister habe selbst investiert, was er bestreitet). Wie Berlins Unterlagen bei Grasser landeten, ist aber erwiesen.

Am 22. Dezember 2006 schickte eine Mitarbeiterin Berlins eine E-Mail - an Grasser-Freund Walter Meischberger: "Sehr geehrter Herr Grasser, im Auftrag von Dr. Berlin übermittle ich Ihnen den Zeichnungsschein samt Genussschein." Plus: Kontonummer.

Ministerpost via "Meischi"

Berlin erklärte die Mail mit "unserem Engagement", über das "wir den Finanzminister letztlich auch informiert haben. In dem Zusammenhang gab es die Bitte, ihm diese Unterlagen neu zu schicken, wohl primär aus dem Interesse, als Finanzminister zu wissen, wie diese Dinge funktionieren." Warum das über "Meischi" lief? Er, Berlin, sei damals unterwegs gewesen und habe sein Sekretariat beauftragt, "wahrscheinlich wurde dem mitgeteilt, dass die Adresse meischi@mac.com ist".(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.1.2012)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 104
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Seria
00
18.1.2012, 21:27

"Jörg Haider und zuletzt Harald Dobernig) habe "ihre Kompetenzen mangelhaft wahrgenommen":
einer hat sich ja verabschiedet, gegen den Zweiten sollte Anklage erhoben werden auch wenn er wie sein Chef, Dörfler, wegen Dummheit für nicht schuldfähig erklärt wird.

Sternchen100
00
16.1.2012, 12:37

Immer die üblichen Säugetiere bei jeder aufgedeckten Gemeinheit in Österreich.

Bäwägung klingt akademischer als Bewegung
00
16.1.2012, 12:35
FPK/BZÖ - Kärnten - ein Desaster? - net wirklich!

Die vielen erfolgreichen Projekte unseres geliebten verstorbenen Landeshauptmannes, wie z. B. das Fußballstadion, Schlosshotel Velden oder die Beteiligung an einer Fluggesellschaft, vor allem die umsichtige Wirtschaftspolitik und das hohe Maß an Verantwortungsbewusstsein und sozialer Kompetenz haben Kärnten zu einem aufblühenden und finanziell gesunden Bundesland gemacht. Die Parteibuchwirtschaft gehört der Vergangenheit an. Hätten wir nicht rechtzeitig beim Bund interveniert und darauf hingewiesen dass die rot/schwarze Proporzbank Hypo Alpe Adria finanziell hilfsbedürftig ist, ja - das hätte schlimm ausgehen können.

Nicht wahr Hr. Dörfler, Hr. Bucher, Hr Stadler, ... so ist's doch gewesen?

m g
00
16.1.2012, 12:32

Blöd nur, dass man "das Land Kärnten" nicht zur Verantwortung ziehen kann.

BFR_strikes_back
01
16.1.2012, 09:41
Land Kärnten hat bei Hypo versagt?

Thank you, Captain Obvious!

boro boros
 
01
16.1.2012, 09:39

versagt ist ja lieb ausgedrückt. da werden schon die 'richtigen' dran verdient haben, da schaut man dann halt ein bissal weg.

Seria
00
16.1.2012, 09:27

Bundesländer abschaffen, daß nicht jeder Vereinigung von Almtodeln einen einen Landstrich ruinieren kann!

Knochenmann
00
16.1.2012, 09:26
You don't say?

Seria
02
16.1.2012, 09:25

was erwartet man? Soll was gelingen wenn ein Land von Haider, Dörfler, Scheuch , Martinz u Kumpanen regiert wird? Inkompetenz, Gier u Raffsucht der Politmischboche beschreibt die Politik des Landes. (So sieht es aus der Ferne aus)

Kontrahent1
01
16.1.2012, 11:29
Sie reden, als ob das Land im Handstreich

von diesen Leuten übernommen wurde.- (Fast) Jedes Land hat die Regierung, welche die Bevölkerung durch Wahl legitimierte.

Seria
00
18.1.2012, 21:28

ja, es wirft kein gutes Bild auf das Urteilsvermögen der Kärntner. Es gibt sicher einen Grund warum sich FPBZÖK das Schulressort vorbehalten

Fux220385
00
16.1.2012, 09:23

Guter Titel. Das ist aber höchstens demonstrativ gemeint oder hat Kärnten etwa nur bei der Hypo versagt? :D

Fux220385
03
16.1.2012, 09:27

PS: Dass der Name Grasser auftaucht, wenn ums viel Kohle und undurchsichtige Geschäfte geht, überrascht mich eigentlich wieder mal gar nicht :D

cipf
 
00
16.1.2012, 09:14
Land Kärnten hat bei Hypo versagt

*kicher* - no geh, wasd nicht sagst!
Und Bayern hat auch versagt. Und die externen Kontrollen auch - und eigentlich alle haben versagt.

Das kömmt davon, wenn Politiker - von der eigenen Wichtigkeit geblendet - glauben, sie könnten mitmischen im großen Geschäft.

Dann kömmt raus, wie blöd sie eigentlich wirklich sind.
Ob das jetztn die Hypo is, die BAWAG, die Intertrade...
Egal, die die zahlen müssen, das sind immer wir und die Verursacher des Problems werden aus der Öffentlichket auf einen unsichtbaren Aufsichtsratspräsidentenposten weggelobt.
Widerlich.

Cato der Ältere1
00
16.1.2012, 09:06
..den Länderfinazausgleich für Kärnten sofort einfrieren...

..sollen diese Randlagenparanoide selbst für ihre gewählte Unfähigkeit geradestehen.

der stachel
03
16.1.2012, 08:43
nach 74 Sitzungen und Einvernahmen von 87 Zeugen

diese erkenntnis? das hättens von mir schneller und billiger haben können.....

Bäwägung klingt akademischer als Bewegung
16
16.1.2012, 08:24
Landeshaftung

Eine Haftung über 15 Mrd., die dann auf 24,7 Mrd Euro steigen, einzugehen ist eine wirkliche "Meisterleistung". Und das mit einem Landesbudget von ca. 1,5 Mrd. Euro.
Die FPK/BZÖ hat also faktisch ein ganzes Bundesland in den Ruin getrieben. Ich will mir gar nicht vorstellen, wenn das auf Bundesebene passiert wäre.

Sternchen100
01
16.1.2012, 12:50

Die wussten genau, dass die Republik ihrerseits für die Schulden des Bundeslandes haftet. Die FPÖ/BZÖ hat sich dort schamlos bedient, zahlen darf es ganz Österreich.

Und wenn man inkompetente (aber willige) Bubis in solche Ämter hebt, haftet man als Landeshauptmann und Parteichef auch persönlich für deren Fehler. Ich wünschte, auch für die finanziellen!

Koalitionist Schüssel packelte ja mit Haider; daher haftet auch Schüssel als Bundeskanzler für Grasser, Strasser, Gorbach und Co.

Würden die Politiker persönlich mit ihrem eigenen Geld haften, wenn sie die Republik schädigen, würde wenigstens ihre Angst ihren Machthunger drosseln!

Sternchen100
01
16.1.2012, 12:43

Warum enteignet und pfändet man all diese Schuldigen nicht als Regress am Schaden, den sie in ihren Ämtern der Republik und dem Land angetan haben? Die Gesamthöhe der Schäden können die eh nimmer ersetzen!

Wie gut dass die Leute anonym ihre Wahlstimmen abgeben, sonst könnte man auch deren Wähler zur Schadenswiedergutmachung heranziehen: warum sollen die mitblechen, die diese Korruptionisten gar nicht gewählt haben???

The Chaos Path
01
16.1.2012, 09:10
der konjunktiv ist unangebracht...

...denn wenn man sich die staatsverschuldung während schwarz/blau ansieht, bemerkt man recht schnell, dass diese sich kaum verändert hat. obwohl die konjunktur damals gut war und man massenweise staatsbetriebe privatisiert hat, hat sich das kaum in der staatsverschuldung niedergeschlagen. ergo, das stukturelle defizit wurde keineswegs verkleinert, sondern höchstens umgeschichtet. andererseits muss man sich ernsthaft fragen, wohin eigentlich das geld aus den privatisierungen geflossen ist - offensichtlich in die eigenen taschen.

rr772
00
16.1.2012, 10:16
BAWAG ist ein schlechtes Beispiel,

hat ausser dem Strafprozess gegen Elsner&co. nicht einen einzigen EURO Steuergeld gekostet...

Doc Steel
17
16.1.2012, 07:52
wo hat das land kärnten

denn nicht versagt?

Seria
00
18.1.2012, 21:30

das LAND ist unschuldig und schön.
Die frustrierten Nichtwähler in KTN bringen das FPBZKÖ an die Macht

Marlon62
02
16.1.2012, 09:07
Beim Sonnenuntergang

Seria
00
18.1.2012, 21:31

sie meinen als mal die Sonne vom Himmel gefallen ist?

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