Rating-Echo I

"Krieg gegen europäische Völker"

15. Jänner 2012, 17:37

Kritik an Ratern, EU-Agentur kommt nicht vom Fleck

Die deutlichsten Worte nach der Herabstufung von neun Euroländern durch S&P fand Gregor Gysi: "Wir haben es gegenwärtig mit einem Krieg der Banken und der amerikanischen Ratingagenturen gegen die europäischen Völker zu tun", wetterte der Chef der deutschen Linksfraktion am Samstag in Berlin. Kritik an S&P wurde quer durch Europa laut. Währungskommissar Olli Rehn sprach von einer "ungereimten" Entscheidung. Die französische Regierung kritisierte den Zeitpunkt der Abstufung, Zyperns Finanzminister Kikis Kazamias sprach von einer "willkürlichen" Aktion (Zypern wurde um zwei Noten abgestuft).

In Deutschland wurden zudem neue Vorschläge laut, wie sich die Macht der Rater begrenzen ließe. CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Meister regte an, dafür zu sorgen, dass Banken und Versicherungen künftig weniger auf Ratings achten müssen. Versicherer sind etwa bei Produkten rund um die Altersvorsorge verpflichtet, in top-geratete Anlagen zu investieren. Das ließe sich ändern, Banken und Versicherer könnten verpflichtet werden, alle Beurteilungen selbst vorzunehmen, sagte Meister.

Neu sind solche Vorstöße in Europa nicht. Seit 2009 wurden in der EU zwei Verordnungen zu Ratingagenturen erlassen. S&P, Moody's und Co müssen sich seither in der EU registrieren lassen. Eine dritte Verordnung, die den Wettbewerb am Markt beleben soll, wurde von der EU-Kommission im November vorgelegt. Das Papier ist in Begutachtung.

Die Bereitschaft, neben neuen Gesetzen auch Geld in die Hand zu nehmen und Alternativen zu den marktdominierenden US-Ratingagenturen zu schaffen, ist in Europa aber eher gering. Das hat sich erst vergangene Woche wieder gezeigt: Die Unternehmensberatung Roland Berger hatte im Sommer 2011 einen Vorstoß zur Schaffung einer europäischen Ratingagentur angekündigt.

Der Vorstoß galt als vielversprechend, weil schon einige Investoren mit an Bord waren. Gemeinsam mit Hessens Landesregierung warb Roland Berger um Unterstützung bei Regierungen und privaten Investoren. Bis Ende 2011 sollte die Startfinanzierung von 300 Millionen Euro stehen. Wie die Financial Times Deutschland nun berichtete, liegt das Projekt aus Mangel an Geldgebern hinter dem Zeitplan zurück. Aufgeben will Roland Berger noch nicht, drei bis vier Monate Zeit gibt man sich noch. (szi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 47
1 2
computermaster
00
23.1.2012, 18:26
EU vergisst, dass sie keine Weltwährung hat,

weshalb sie als erste untergehen wird.

käptn iglo's rache
01
16.1.2012, 16:05
ja es herrscht ein wirtschaftskrieg ...

... zwischen den usa und europa. bzw eigentlich führt nur eine partei krieg: die usa mit ihrem werkzeug, den amerikanischen ratingagenturen. europa lässt sich eine watsche nach der anderen verpassen, ohne sich zu wehren. jeder aufgeklärte bürger weiß, dass die usa wirtschaftlich und gesellschaftlich viel hoffnungsvoller in der sch**sse sitzen als europa.

Oddo Wolf
01
18.1.2012, 00:26
Man möchts vielleicht nicht glauben

-
Was die Ratingagenturen alles zur Bewertung heranziehen. Auch das Klima, die Geburtenrate, die militärische Stärke eines Landes (speziell in der USA) beeinflussen das Rating.

soamist
00
16.1.2012, 12:02
hängen wir den boten

morgen war gestern
01
16.1.2012, 10:58

einerseits duerfte das einen(!) punkt im kern des problems treffen.

andererseits zeichnet es das bild vom "guten" europaeischen investor, der sich der front der "spekulanten" im ausland ("volksfremde"?!) gegenueber sieht. und so eine aehnliche teilung hatten wir ja auch schon mal.

toni hungerer
02
16.1.2012, 10:00
Europa soll endlich den Iran boykottieren

das ist der wahre Zweck des downgradings.

Dr. Ehrlich
00
16.1.2012, 17:04
na, dann tun wir uns am besten mit dem iran zusammen.

und zeigen den amis den finger!

</ lustig>
10
16.1.2012, 09:56
Europa ist aufgrund demokratisch legitimierter Beschlüsse

zu Gereatriezentrum der Welt geworden.

Ausblick negativ. - Überraschend?

phantomas phantomas
01
16.1.2012, 08:51
Ratingagenturen

... das Timing der Ratingagenturen ist fast immer völlig daneben (Immokrise USA, Eurokrise,..). Europäische Politiker wettern seit zwei Jahren gegen die Ratingagenturen, fordern die Einschränkung ihres Einflusses, fordern eine europäische Agentur.... Geschehen ist natürlich nichts.

Robert Alexander
00
16.1.2012, 10:41
Richtig.

Und das ist eigentlich schon das einzig ernsthafte Problem das wir haben. Alles Andere ist auch nicht ohne aber wäre zu bewältigen, wenn nicht globale Inkompetenz der handelnden Personen (PolitikerInnen und deren Berater wie z.B. Felderer) gegeben wäre.

Dr. Seltsam
 
05
16.1.2012, 05:40

http://diepresse.com/home/wirt... ern.portal

Hier wird die Situation sehr schön zusammengefasst.
Das aktuelle System der Staatsfinanzierung in Europa ist ein gewaltiges Umverteilungsprojekt von unten nach oben. Der Ruf nach Europäischen Ratingagenturen ist aber reine Symptombekämpfung. Wir müssen den Finanzmärkten die Finanzierung der Staaten entziehen. Das ist ein unabdingbarer Paradigmenwechsel, ohne den der Crash unabwendbar ist.

August Hoffmann
00
16.1.2012, 09:20

"Wir müssen den Finanzmärkten die Finanzierung der Staaten entziehen."

Gut gebellt! Wann legen "wir" los? Sie haben sicher einen Plan?

Dr. Seltsam
 
00
16.1.2012, 13:43

Es gibt keinen sachlichen Grund, warum die EZB bei der Finanzierung der Staaten den Umweg über den Bankensektor nimmt. Das kostet die Staaten nur unglaublich viel Geld für Zinsen!
Würde die EZB direkt Staatsanleihen kaufen, könnten die Staaten von den niedrigen Kreditzinsen profitieren und ihre Haushalte sanieren.

Enrico Furioso
00
16.1.2012, 14:25
Und ob es dafür einen sachlichen Grund gibt.

Die Finanzierung der Staaten direkt über die EZB - was wären die Folgen? Griechenland & Co. würden die Bemühungen um einen ausgeglichenen Haushalt über Bord werfen und sich lustig immer höher und höher bei der EZB verschulden. Dadurch würde die Geldmenge flott ansteigen, die Folge wäre eine galoppierende Inflation.

Zwar stimmt es, dass die EZB zur Zeit indirekt Staatsfinanzierung via Notenpresse betreibt. Persönlich meine ich, dass damit nur Zeit gewonnen wird. Man müsste mit der gewonnenen Zeit etwas tun das Staatsverschuldungsproblem zu lösen. Fragt sich nur: was? Auf diese Frage geben 100 Experten 100 verschiedene Antworten. Und welche die richtige ist, ja, ob es überhaupt eine richtige Antwort gibt, weiß in Wahrheit niemand so genau.

Dr. Seltsam
 
00
17.1.2012, 10:25

Das Argument der Schuldenbremse durch die Märkte ist ein schwaches. Gerade den wirtschaftlich schwächsten wird es durch die Marktmechanismen besonders schwer gemacht, den Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen.

Es könnte natürlich auch bein einer Staatsfinanzierung durch die EZB klare Regeln geben, die eine gewisse Haushaltsdiziplin einfordern.

Österreich zahlt für seine Schulden ziehmlich genau so viele Zinsen, wie das Budgetdefizit ausmacht. D.h. wir könnten einen ausgeglichenen Staatshaushalt haben, wenn es eine kostengünstige Staatsfinanzierung gäbe.

Eine Staatsfinanzierung durch die EZB wäre auch ein Schutz für die Sparer, da das Risiko von Staatsbankrotten und daraus folgenden Bankenpleiten wegfällt.

Dr. Seltsam
 
01
16.1.2012, 05:29

Wann endlich nimmt der Staat in Europa die Staatsfinanzierung in die Hand?
Zur Zeit gibt die EZB den Banken Unmengen von Geld zum Minizins. Diese kaufen damit Staatsanleihen mit einer Verzinsung von 3,6, 10 und mehr %.
Das ist die ultimative Lizenz zum Gelddrucken und eine wesentliche Ursache der Schuldenkrise.
Der Wert des Euro hängt v.a. an der Wirtschaftsleistung Europas. Da sind wir nicht schlecht aufgestellt. Würde die EZB die Staatsfinanzierung übernehmen, könnten die Staaten und damit die Bürger von den niedrigen Zinsen profitieren und es gäbe Spielraum zur Wachstumsföderung.
Was zur Zeit betrieben wird, ist eine sinnlose Abwärtsspirale.

General Cornwell
95
15.1.2012, 22:01
Gysi - Es ist immer das gleiche

wenn ein Ideologe argumentell in der Ecke steht und die nicht mehr wegzuwischende Wahrheit offensichtlich ist (wir können nicht mehr weiter auf Pump leben) und sie ihm absolut gegen den Strich geht, weil sie bedeutet, dass seine tiefste innere Überzeugung ausgehebelt wurde, dann bleibt nur noch ein Ausweg um das weitermachen rechtzufertigen: die Weltverschwörung...

Walter Bimini
02
15.1.2012, 23:25
naja

daß unterschwellig eudssr, uk, japan und die usa darum raufen wer am ende schuld am zusammenbruch des finanzsystems sein wird, ist nicht so abwegig wie sie tun. die usa steht ja zumindest ebenso am abgrund wie griechenland und eine flucht aus dem euro in den dollar - so verhängnisvoll sie für den flüchtenden am ende auch sein wird - kommt den usa sicher nicht ungelegen. das problem der usa ist, daß ein absturz der eudssr die usa mitreißt.

General Cornwell
103
15.1.2012, 21:56
Die deutlichsten Worte nach der Herabstufung von neun Euroländern durch S&P fand Gregor Gysi:

Kein Wunder, dass ausgerechnet derjenige, der sich am wenigsten auskennt, den größten Unsinn verzapft.

Tja, die Wirtschaft ist nunmal des Linken Expertise nicht...

Contra
15
16.1.2012, 00:38

hm, aber der monti sieht das ähnlich, der ist dem vernehmen nach bei goldmann sachs in die lehre gegangen und unterrichtete auf der wirtschaftsuni.

dem wollen sie aber jetzt nicht ernsthaft auch die expertise absprechen, oder?

</ lustig>
01
16.1.2012, 09:54
Die Expertise nicht,

aber die Aufrichtigkeit.

Italien ist so am Arsch, dass sie ein demokratisch nicht legitimiertes Übergangskabinett an Experten brauchen, weil sonst jede Sparidee im Gewerkschaftsmorast ersäuft.

Trotzdem soll dieses Land Top-Schuldner sein?

Das glauben wohl nur mehr die Allerdümmsten.

stoiker
23
15.1.2012, 21:01

es werden nicht die europäischen völker bekriegt.
das ist nur einer von vielen dummen gysi-sprüchen.

viel mehr nützen spekulanten,nicht nur aus den usa,
den politischen sauhaufen in europa aus.

Gerhard Hofegger
16
15.1.2012, 21:39

aber doch vorwiegend USA um von eigenen Problemen abzulenken. Und ja Österreich hat ein Problem. Ein Problem welches uns Europa eingebracht hat und nicht unsere Pensionisten.

stoiker
00
15.1.2012, 23:47

und welches problem hat uns europa eingebracht?
und was haben pensionisten mit all dem zu tun?

Walter Bimini
00
15.1.2012, 23:30
die eudssr hat unser problem kräftig vergrößert,

aber unser staat schiebt wie mehr oder minder alle westliche staaten einen immer größer werdenden schuldenberg vor sich her, weil er für sich (bürokratie, politiker und verwalter), den sozialindustriellen komplex und dem bildungsindustriellen komplex viel zuviel geld ausgibt.

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