Der Serbe Novak Djokovic, der im Vorjahr die Tenniswelt regierte, startet bei den Australian Open frohgemut in die Saison
Melbourne - "2011 war das bisher beste Jahr meiner Karriere. Es wird
schwierig, es zu wiederholen. Aber ich habe es einmal geschafft. Warum
sollte ich es nicht ein zweites Mal schaffen?" Fragt sich Novak Djokovic
(24) vor den am Montag anhebenden Australian Open, bei denen er wie bei
neun anderen Turnieren 2012 als Titelverteidiger aufschlägt.
Als Erstrundengegner wurde dem Serben aus Belgrad ein Italiener aus Rom,
der 30-jährige Paolo Lorenzi, zugeteilt, die Nummer 108 der Welt.
Djokovic gewann im Vorjahr zunächst 41 Spiele en suite, ehe Roger
Federer, der 16-fache Grand-Slam-Sieger aus der Schweiz, im Halbfinale
von Paris die Siegesserie beendete. Am Jahresende standen für Djokovic,
der in Wimbledon den Spanier Rafael Nadal an der Spitze der
Weltrangliste ablöste, 70 Siege und sechs Niederlagen zu Buche. Neben
Melbourne, wo er schon 2008 triumphierte, gewann er im Vorjahr noch die
Grand-Slam-Turniere in London und in New York.
Djokovic, dem zum Saisonende ein wenig die Luft ausging, vergnügte sich
zuletzt nicht bei den Vorbereitungsturnieren, sondern legte eine
dreiwöchige Pause ein. "Diese Zeit habe ich dringend gebraucht. Auch um
die vergangene Saison zu reflektieren. Ich war zwar sehr stolz auf meine
Erfolge, aber ich hatte ja kaum Zeit, mich darüber zu freuen."
Die Rekordjagd
Abgesehen davon gehen die Australian Championships heuer zum 100. Mal in
Szene, zum 44. Mal hören sie auf den Namen Australian Open. Insgesamt
werden umgerechnet 21 Millionen Euro ausgespielt, Siegerin und Sieger
lukrieren jeweils 2,3 Millionen. Und neben Djokovic, der die Gelegenheit
hat, den Startrekord von John McEnroe (42 Siege en suite anno 1984) zu
knacken, jagen auch die Doppelspieler Bob und Mike Bryan eine Bestmarke.
Die US-Zwillinge, die im Vorjahr in der Wiener Stadthalle gewannen und
mit insgesamt 75 Turniersiegen Weltrekordler sind, halten wie die
bereits pensionierten Australier Todd Woodbridge und Mark Woodforde bei
je elf Grand-Slam-Titeln. Die Weltranglistenersten könnten als erste das
Dutzend voll machen.
Österreichs Beiträge heißen Jürgen Melzer, Patricia Mayr-Achleitner und
Tamira Paszek. Melzer bekommt es am Montag mit dem Kroaten Ivo Karlovic
zu tun, den er bisher bei fünf Versuchen fünfmal besiegt hat,
Mayr-Achleitner mit der Weißrussin Olga Goworzowa, der sie noch nie auf
der Tour, aber zweimal im Fed Cup begegnet ist (1:1).
Paszek hat noch bis Dienstag Zeit, sich auf ihr erstes Duell mit der
US-Amerikanerin Serena Williams einzustimmen, sie wird aber
Außenseiterin bleiben gegen die fünffache Melbourne-Siegerin, die es
bisher auf 13-Grand-Slam-Titel brachte. (Reuters, bez, DER STANDARD Printausgabe, 16. Jänner 2012)