Präsident Ma Ying-jeou gewinnt Wahl

14. Jänner 2012, 13:46

Klarer Vorsprung vor Gegenkandidatin - Amtsinhaber betreibt Annäherung an Peking

Taipeh - Bei der Wahl in Taiwan hat Präsident Ma Ying-jeou am Samstag einen überraschend deutlichen Sieg erzielt. Weniger als vier Stunden nach Schließung der Wahllokale verkündete die regierende Kuomintang-Partei in Taipeh den Erfolg, der auch als Bestätigung seiner Annäherungspolitik zu China gewertet werden konnte. "Es liegt viel Arbeit vor uns", sagte Ma Ying-jeou in einer Siegesrede vor seinen jubelnden Anhängern. Er rief zur Aussöhnung mit der Opposition auf, deren Kandidatin Tsai Ing-wen klar unterlegen war.

Nach der Auszählung von 92 Prozent der Stimmen führte Ma Ying-jeou nach Angaben seiner Partei mit 51,8 Prozent. Seine Gegenkandidatin von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) sei nur auf 45,4 Prozent gekommen. Der Vorsprung des Präsidenten betrug 700.000 Stimmen - deutlich mehr als von der Regierungspartei selbst erwartet. Die Wahlbeteiligung, die in Taiwan traditionell hoch ist, lag bei rund 80 Prozent. Größere Zwischenfälle gab es nicht.

Knappes Rennen

Das knappe Rennen wurde doch nicht durch den dritten Kandidaten James Soong von der Volkspartei (PFP) entschieden. Der ehemalige Gouverneur blieb ohne Chancen, wollte aber seiner Partei mit der Kandidatur zu Sitzen im Parlament verhelfen. Erstmals wurden Präsident und Parlament gleichzeitig gewählt, so dass Wähler ihr Votum auch aufteilen konnten. Der genaue Ausgang der Parlamentswahl war zunächst unklar. 113 Sitze stehen zur Verfügung.

Der Präsident kann die Unterstützung der 18 Millionen Wahlberechtigten als Mandat zur Fortsetzung einer vorsichtigen Öffnungspolitik gegenüber China verstehen. Das respektable Votum für seine Herausforderin Tsai Ing-wen, die eindeutig auf Distanz zu China gegangen war, zeigte aber die zunehmende Angst der Taiwanesen vor einer wachsenden Abhängigkeit durch die wirtschaftliche Verflechtung. Die Wahl wurde in Peking und Washington aufmerksam verfolgt.

Die kommunistische Führung in China hatte einen Sieg der Oppositionskandidatin befürchtet, da ihre Fortschrittspartei in der Unabhängigkeitsbewegung verwurzelt ist. Seit dem Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 ist Taiwan ein Konfliktherd in Asien. Die Führung in Peking droht im Falle einer formellen Unabhängigkeit mit einer Rückeroberung. Die USA fühlen sich der Verteidigung der Inselrepublik verpflichtet und liefern Taiwan Waffen.

DPP-Parteichefin Tsai Ing-wen ist die erste Frau, die das Präsidentenamt in Taiwan angestrebt hatte. Es waren die fünften freien Präsidentenwahlen in der Inselrepublik, die sich erst in den 90er Jahren demokratisiert hatte. (APA/AFP)

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11 Postings
Adam Markus
00
15.1.2012, 00:30

Ich find's ganz interessant, dass im Artikel das Wichtigste nicht eindeutig erwähnt wird, nämlich dass der Präsident WIEDERGEWÄHLT wurde.

Warum eigentlich nicht?

Martin Müller10
 
00
14.1.2012, 22:57
Da wird sich weder politisch noch militärisch was tun, wenn es

sein muss leben China und Taiwan noch 100 Jahre so nebeneinander und machen gute Geschäfte miteinander, denn davon verstehen die Chinesen auf beiden Seiten der Strasse von Taiwan was ;-)

Carlito336
46
14.1.2012, 12:57
Warum sollte eine blühende Insel

ihr Schicksal in die Hände von Szessionisten legen, wenn das unweigerlich zu Krieg führen würde?

Insofern sehe ich die Sezessionsbestrebungen der Oppositionspartei als bloße Wahlkampfrhetorik.

Jens Meier
 
10
15.1.2012, 19:00
Krieg?

Als die DPP an der Regierung war, haben sich China und Taiwan zum ersten Mal seit 1949 angenährt. Das sollte bekannt sein. Krieg sieht anders aus. Die letzte KMT-Regierung wurde von China übrigens noch mit Raketen beschossen.

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
21
14.1.2012, 17:56

taiwan ist hochgerüstet und gebirgig. schon aus diesen gründen würde im falle einer unabhängigkeitserklärung china es nicht versuchen, taiwan zu erobern, überhaupt jetzt nicht, seit chinesische firmen in taiwan investieren. wenn durch die unabhängigkeitserklärung eine große gefahr besteht, dann die, dass china taiwanesische investitionen in china beschlagnahmt. aber das hätte auch für china massive negative auswirkungen, weil investitionssicherheit nicht länger gegeben wäre. militär. zwischenfälle könnte es dennoch geben, aber keinen krieg auf taiwan. um die spratleys etc. könnte es zu kämpfen kommen.

Carlito336
11
15.1.2012, 13:17
und jetzt ist es amtlich:

die taiwanesische Bevölkerung will nicht die Sezession, sondern zieht den friedlichen Weg vor, Annäherung und Kooperation.
Nicht weiter überraschend.

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
01
16.1.2012, 14:09
sezession?

nur hardcore-KMTler/innen und chinesische nationalist/innen sehen taiwan als teil chinas (bzw. china als teil taiwans ;-).

Jens Meier
 
10
15.1.2012, 18:57
Sezession?

Schon interessant, dass es die bösen Abspalter der DPP brauchte, die erst nach der Regierungsübernahme in 2000 taiwanische Investments in China erlaubt haben. Studentenaustauschprogramme, Mini-Links, Investments? Alles von den "Abspaltern" eingerichtet.
Davor? Die alte KMT-Garde, die zur Wiederwahl noch von China mit Raketen beschossen wurde.
Wer steht das gleich für Annährung und Kooperation?

Hardcoreboson
14
14.1.2012, 17:18
also

1. bei letzten mal als die republik china in der hand von 'sezessionisten' war, gab es keinen krieg. so ein bloedsinn kommt ueblicherweise nur von leuten auf der anderen seite der strasse taiwans. auch wenn es dort (in festlandchina) tatsaechlich nationlisten gibt die meinen krieg waere voll super (nicht nur in bezug auf taiwan), die mehrheit interessiert sich auch nicht so richtig dafuer.

2. die wahrnehmung als Ma der wiedervereiniger am festland ist ebenfalls ziemlich daneben. tatsaechlich sind die positionen diesbezueglich (wenn man alle 'wahlkampfrhetorik' auf beiden seiten weglaesst mal weglaesst) zwischen DPP und KMT deutlich naeher als zwischen KMT und KP.

3. der kurs der ROC gegenueber der PR war nur ein thema von vielen.

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
11
14.1.2012, 15:59

Taiwan aka Republik China ist zwar de facto ein eigener Staat, de jure allerdings in einer Schwebeposition. Dies hat natürlich im Bereich Handel, Politik und Diplomatie Nachteile. Neben diesem Grund spricht auch der Wunsch der Bevölkerung nach Distanzierung gegenüber der Volksrepublik für eine Neugründung als Republik Taiwan.

A K3
00
16.1.2012, 01:41

Vielleicht als "Chinesische Republik Taiwan"? Es gibt ja auch etliche "Arabische Republiken".

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