"Das Rennen war ein Wahnsinn"

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Der Freitag der 13. Jänner war ein historischer Tag. Nicht wegen der teils chaotischen Witterungsbedingungen, die rund um den 960 m hohen Jauerling, seines Zeichens höchste Erhebung der Marillen- und Weinmetropole Wachau, herrschten, sondern weil erstmals der Snowboard-Weltcup in Niederösterreich Station machte. Damit die Veranstaltung überhaupt möglich gemacht werden konnte, musste die weiße Pracht massig aus Lackenhof am Ötscher auf den Jauerling transportiert werden, um optimale Verhältnisse für die Weltelite der Alpin-Boarder zu schaffen...

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Die Zuschauer ließen sich auch von den Wetterkapriolen nicht abschrecken und strömten zu Tausenden auf den Hügel nördlich der Donau, der eine nicht allzu anspruchsvolle Piste samt dazugehörigem Schlepplift zu bieten hat.

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Die frische feucht-kühle Luft im Zielraum war mit verführerischen Düften gewürzt.

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Selbst in der Gulaschkanone brodelten wärmende Alkohol-Getränke vor sich hin.

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Ein zwischen Qualifikation und Entscheidung kaum als Startbereich zu identifizierender Ort.

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Ein Blick von der monströsen Startrampe während eines deftigen Schneegestöbers.

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Die mit über 40 Grad ungewöhnlich steile Startrampe beschleunigt die Rennfahrer innerhalb kürzester Zeit auf eine Geschwindigkeit von 70 km/h.

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Unter dem künstlichen Starthügel geparkt: die geilen Rennmaschinen.

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Ein gut ausgestattetes Depot für Selbstversorger am Pistenrand.

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Minuten vor Beginn der Entscheidung besserte sich das Wetter rapide und ermöglichte so kurz vor Einbruch der Dunkelheit einen Blick in das Alpenvorland.

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Schwups und schon war das luftgefüllte Starthaus aufgeblasen und bereit für das Comeback der ehemaligen Skirennläuferin Michaela Dorfmeister (links) die als Vorläuferin quasi eine Snowboard-Weltcup-Premiere feierte.

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Stilistisch tadellos, jedoch mit leicht angezogener Handbremse unterwegs...

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...erreichte die zweimalige Olympiasiegerin von Turin 2006 (Abfahrt und Super G) gesund und munter den gut gefüllten  Zielraum.

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Dann ging es so richtig zur Sache. Mit rund 70 km/h raste die Weltspitze der Alpin-Boarder dem Ziel entgegen und das stets am Limit.

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An die 5.000 Zuschauer fanden sich am Jauerling ein und sorgten unterstützt von teils ohrenbetäubenden Disco-Beats für eine Bombenstimmung.

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Nach dem Motto "Schleppliftfahren ist langweilig" auf dem Weg nach oben: Marion Kreiner.

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Nicht nach Wunsch lief es für Julia Dujmovits (re), die eine Attacke auf die Weltcupführende Fränzi Maegert-Kohli aus der Schweiz plante, stattdessen aber bereits im Achtelfinale mit der Russin Tudgeschewa kollidierte und vorzeitig ausschied.

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"Ich habe riskiert, hab die Spur nicht ganz genau erwischt, dann hat es mich ausgehoben und ich bin in den anderen Kurs rein geflogen. Es war von Beginn weg nicht das perfekte Finale für mich. Ich habe im ersten Lauf schon am Start viel verloren, habe das Startsignal nicht gehört, weil die Lautsprecher am Start so extrem laut waren.  Aber diesbezüglich geht es jedem gleich, das soll jetzt keine Ausrede sein.
Nichtsdestotrotz wäre viel mehr möglich gewesen, ich wollte einfach nur Gas geben und nicht anfangen zu taktieren. Ich wusste, dass Tudgeschewa eine starke Gegnerin ist, da muss man immer Vollgas fahren und das habe ich auch gemacht.
Man kann jetzt nichts mehr machen, aber ich weiß, dass ich schnell bin, das habe ich in der Quali gezeigt. Jetzt freue ich mich auf Bad Gastein und auf die restliche Saison, ich bin sicher, dass noch einige Podestplätze folgen werden. Ich finde es cool, dass es so ein super Rennen gibt", berichtete die Schnellste der Qualifikation, Julia Dujmovits.

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Damit die Konkurrenten bei dem permanenten Auf und Ab nicht den Überblick verloren, wurden Paarungen und Laufzeiten auch per Hand notiert.

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Ansturm der Autogrammjäger

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Verdammt schnell unterwegs, leider im Viertelfinale um eine hundertstel Sekunde am späteren Sieger gescheitert: Siegfried Grabner, der am Ende Siebenter wurde.

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Prost Sigi Grabner!

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Lokalmatador Benjamin Karl demonstrierte seine Extraklasse leider nur kurz. Im Viertelfinale war Endstation für den Weltcup-Führenden.

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"Irgendwie zipft mich das jetzt schon an, aber das Leben geht weiter. Diese Veranstaltung ist das großartigste Snowboard-Event, das ich je erlebt habe. In Bad Gastein oder am Kreischberg sind vielleicht 500 bis 1.000 Besucher. Die Kulisse ist nicht vergleichbar, ich bin noch nie vor mehreren tausend Leuten gefahren. Dafür müssen wir nach Niederösterreich kommen. Ich bin so froh, dass das Rennen hier stattfinden hat können. Es ist unglaublich, dass sich so viele Leute für unseren Sport begeistern, da kann man nur danke sagen an das Land Niederösterreich, an alle Organisatoren und die Helfer, die Tag und Nacht reingehakelt haben, damit das hier was wird", erzählte Benjamin Karl.

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"Die Piste ist relativ wandlig, schlagig tät ich nicht sagen.
Das habe ich heuer noch nicht trainiert, deshalb ist es mir auch schwer gefallen. Das sind nicht unbedingt meine Verhältnisse. Ich bin kein Spezialist für Wannen. Aber es ist, wie es ist, so ist der Sport. Man kann nicht immer oben stehen.
Es soll jetzt keine Ausrede sein, aber ich habe in den letzten Tagen schon etwas Stress mit den Medien gehabt. Das hätte ich gern öfter so, damit ich mich daran gewöhnen kann. Die Bedingungen auf der Piste waren sehr gut, es wäre mir zwar lieber gewesen, wenn es härter gewesen wäre, aber das Leben ist kein Wunschkonzert", so Karl.

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Marion Kreiner carvte als Dritte unter tosendem Beifall auf das Podest. "Es war spannend und hat mir voll getaugt. Ich würde gern noch zweimal fahren. Es war etwas ungewöhnlich, weil doch sehr viel Trubel war. Das war jetzt der dritte dritte Platz heuer, das ist ein bisschen bitter. Jetzt könnte schön langsam einmal der Einser herunterlachen. Es waren gute Läufe dabei, aber gegen Tudgeschewa ist es immer schwierig zu fahren und heute hat es einfach nicht sein sollen. Es wäre mehr drinnen gewesen, aber ich freue mich irrsinnig über den dritten Platz. Es war eine coole Veranstaltung, da ist es doppelt lustig zu fahren.
Es war relativ anspruchsvoll zu fahren, darum sind auch andere Spitzenfahrer schon bald ausgeschieden. Man hat eine gute Linie finden, bei manchen Toren dosieren und dann wieder Vollgas geben müssen. Man schenkt sich eben nichts im Weltcup.
Die Veranstalter haben perfekte Arbeit geleistet und alles in Bewegung gesetzt, damit der Weltcup hier stattfinden konnte. Den Zuschauern hat es getaugt, uns hat es getaugt und das Wetter kann man nicht ändern", so Kreiner.

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Nicht zu biegen war an diesem Freitag, dem 13. Andreas Prommegger.

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Der Salzburger profitierte im Finale von einem Ausrutscher des Russen Andrej Sobolew.

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Nach zehn Läufen lag er als Triumphator im Schnee und feierte seinen ersten Weltcupsieg auf heimischem Boden..

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"Bei mir ist es einfach gelaufen, auch dank des Publikums, sie haben mich förmlich runtergetragen. Es war einfach wunderwunderschön, hier ein Rennen zu fahren. Man hat im Vorfeld nicht gewusst, welche Pisten-Bedingungen es hier geben wird. Wetterbedingt haben wir mit schlechten Verhältnissen gerechnet. Das Rennen war ein Wahnsinn, der Hang ist prädestiniert für den Parallelslalom. Das Publikum war unbeschreiblich. Ich war froh, dass ich hier zehn Läufe zeigen durfte. Und jetzt den ersten Heimweltcupsieg zu schaffen ist einfach unglaublich", so Prommegger.

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"Die Belastung bei einem Heimrennen ist natürlich groß, weil das Publikum doch einiges erwartet, aber andererseits motiviert das auch unheimlich. Benjamin Karl hat sicher mehr Druck gehabt, er hat uns sicher einige Last abgenommen.
Ich mag es generell lieber etwas härter, aber es hat mir heute getaugt. Es war super zu fahren und es ist mir sehr gut gelungen, die Löcher in der Piste zu umfahren. Von dem her bin ich wohl ein würdiger Sieger", mutmaßte der stürmisch umjubelte Sieger am Jauerling.

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In den Startlöchern für die Siegerehrung: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (Mitte), der Herrn Karl zuvor noch lautstark mit "Benniie, Benniiie, Benniiiiie..." über die Audioanlage angefeuert hatte.

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Eine zünftige Siegerehrung stand an.

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Die besten drei Damen am Jauerling: Tudgeschewa (RUS), die siegreiche Schweizerin Kummer und Österreichs Stockerlbeitrag Kreiner.

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Anstelle von funkelnden Pokalen überreichte der Landeshauptmann rot-weiße Snowboarderfiguren aus Keramik.

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Am Siegerpodest der Herren: der zweitplatzierte Russe Sobolew, Sieger Prommegger und der drittplatzierte Südtiroler Fischnaller, der die "Congratulations" von Pröll mit einem "Danke" erwiderte und den Landeshauptmann spontan  antworten ließ: "Achso, eh einer von... eh einer von uns, haha!" (derStandard.at, 14. Jänner 2012)

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9 Postings

isf? - killed.
ttr! - rebirth.
fis - accept, but who need it?

http://www.youtube.com/watch?v=mYQZSDOWwww

Krone, Raiffeisen, Red Bull und Pröll... hab ich leider verpasst.

nöm und milka auch ;-)

schon irgendwie schad, dass rennboardn nahe am aussterben ist. das herumdodln mit freestyleboards ist zwar ganz lustig, aber mit einer rennlatte den berg runter zu bolzen hat eine ganz spezielle, faszinierende qualität.

die großartige Ignoranz...

auf Freestlyeboards herumdodln ??? ganz ehrlich, wenn man mit den heutigen Boards nur herumdodln kann, dann wird das auf dem Raceboard nicht besser aussehen.
Snowboardbauer sind in Wirklichkeit die Motoren der Skiindustrie denn ohne sie wären die letzten Skiinnovationen nicht geschehen, Carver, Rocker oder Fishshape werden von den Skifirmen als neu angepriesen und sind sowas von nicht neu... Schade, dass der Standard wie immer den überwiegenden Teil des Snowboardwettkampfes ausblendet, und nur FIS orientiert kollaboriert...

ja herumdodln, triffts bei den

meisten die glauben das sie dann eh ganz cool fahren, leider am Punkt. Und herumdodln beinhaltet für mich auch herumliegen (und das meisten mitten auf der Piste!)

Jaja diese Vorurteile

gegenüber den Ostösterreichern und den Holländern. Aber im Ernst, bitte einmal in der Hochsaison einmal die Pisten genau beobachten, es liegen noch immer doppelt soviele Skifahrer rum

sind inzwischen auch doppelt so viele skifahrer (wieder) unterwegs.

aber du hast recht. das vorurteil der herumliegendenen snowboarder (besonders gern hinter geländekanten) ist einfach nur abgedroschen. aber über solche unsinnigkeiten sinnieren eh nur leute, die den sport nicht wirklich kennen/betreiben.

Sehr wahr!

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