Geldspritze

IWF verlangt Vorleistungen von Ungarn

András Szigetvari, 13. Jänner 2012, 21:48
  • Artikelbild
    foto: epa/mike theiler

    Unter Druck: Ungarns Unterhändler Tamás Fellegi.

Während der Währungsfonds Budapest in die Zange nimmt, steigen die Risikoaufschläge erneut an

Wie sehr die Stabilität Österreichs von den Entwicklungen in Ungarn abhängt, hat S&P am Freitagabend deutlich gemacht. Die Turbulenzen in Ungarn gelten als einer der Gründe dafür, dass Österreich sein Triple-A bei Standard & Poor's verloren hat. Österreichische Banken und Versicherungen haben rund 40 Milliarden Euro an Krediten im Nachbarland vergeben. Die gute Nachricht: Selbst bei einer Staatspleite Ungarns wäre nur ein Teil dieser Ausleihungen betroffen, weil es sich größtenteils um Darlehen an Private handelt.

Die schlechte: Mit einer schnellen Entspannung ist im Nachbarland nicht zu rechnen. Nach der EU-Kommission hat inzwischen auch der Internationale Währungsfonds (IWF) den Druck auf Budapest erhöht. Der IWF fordert als Vorbedingung für den Start der Verhandlungen über einen neuen Hilfskredit für Ungarn die Rücknahme umstrittener Reformen ein. Dabei geht es vor allem um die neuen Bestimmungen für die Notenbank.

Tamás Fellegi, der in Budapest zuständige Minister für die EU/IWF-Gespräche, hatte sich Donnerstagnacht in Washington mit IWF-Chefin Christine Lagarde getroffen. Lagarde hat bei der Unterredung klargemacht, dass sie vor dem Start von Verhandlungen "handfeste" Schritte von Budapests sehen möchte, hieß es in einer IWF-Stellungnahme am Freitag. Das Vorgehen ist ungewöhnlich und nur durch das schlechte Verhältnis zwischen Ungarn und dem Währungsfonds zu erklären. In der Regel stellt der IWF keine Vorbedingungen, sondern legt Auflagen erst bei den Kreditverhandlungen mit dem betroffenen Land fest.

Am Dienstag hatte bereits die EU-Kommission mit der Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Budapest gedroht. Die Brüsseler Behörde stößt sich neben dem Notenbankgesetz an der Frühpensionierung von Richtern und an der Entmachtung des Ombudsmannes für Datenschutz.

Angesichts des verstärkten Drucks hat Ungarn zumindest rhetorische Bereitschaft zum Einlenken signalisiert. Am Freitag sagte Premierminister Viktor Orbán in einem Radiointerview, dass er damit einverstanden sei, einigen Forderungen der EU nachzukommen. Dabei erwähnt er das Notenbankgesetz. Konkrete Änderungen kündigte er aber nicht an. Zudem meinte der Regierungschef, dass die Kommission bei der Herabsetzung des Pensionsalters der Richter von 70 auf 62 Jahre keine Kompetenzen habe, um sich einzumischen. Kritiker meinen, der Premier wolle mit dem Gesetz unliebsame Richter entfernen.

Aufgrund der Aussagen des IWF gab der Forint am Freitag erneut nach. Auch die Zinsen für zehnjährige ungarische Staatsanleihen näherten sich wieder der Zehn-Prozent-Marke an. (András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14.1/15.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
Olaf König
11
Orban ist ein Held

Wer sich das Treiben der Finanzmärkze anschaut, ohne zu handeln; wer die permanenten Medienmanipulationen hinnimmt, und sich davon hetzen läasst, und wer nicht versteht, dass er fast nichts weiss, sollte mit den Hinterfragungen beginnen. Orbán war der Weltpolitik schon immer einen Schritt voraus. Als Erster forderte er den Rückzug der Sowjettruppen öffentlich, als erster bemängelte er die Überschuldung Ungarns durchj die Opposition, und als Erster peangert er nun die Misstände in der EU sowie im globalen Finanzwesen an. Wer soviel Mut aufbringt, braucht unsere Unterstützung. Das wohl organisierte Ungarn-Bashing zeigt nur, wie verflochten unsere "Weltenlenker" bereits sind. Wer sich ihnen nicht unterwirft, erfährt die große Treibjagt.

Oddo Wolf
00
17.1.2012, 06:17
Unterhändler

-
Diese Bezeichnung ist mir vertraut im Zusammenhang mit Kidnapping und Lösegeldforderungen.

Oddo Wolf
00
17.1.2012, 06:07

Schmeiss ma uns mit de Paprika auf a packl und loß ma de habsburga no a moi probian.

Gummi
 
24
15.1.2012, 10:11

... Ungarn wertet (auch aufgrund seiner politschen Entscheidungen) schon länger ab. DADURCH steigt auch der Druck auch die vielen Fremdwährungskredite. So ist die ART der Politik für Schieflagen der vielen Kredite (mit)verantwortlich. Diese Verantwortung schiebt man dann den Banken zu. DANN möchte man jedoch am Finanzmarkt, dass diese Banken / Versicherungen / Institutionen weiter ungarische Staatsanleihen kaufen um diese (Schulden)Politik weiter zu finanzieren. WELCHER Investor privat, institutionell ... will hier noch sein Geld invstieren? So bleibt HU nur der IWF, dem man aber auch "seine Politk & Konditionen" aufdrücken möchte. Zurücklehen und Abwarten ... dann soll Orban erklären was sein Plan ist???? ausser: "Die Anderen sind schuld"

Oddo Wolf
01
17.1.2012, 06:33
Geld investieren?

-
Die europ. Banken haben bei der EZB 480Mrd. liegen.
500Mrd. hat Geldgott Dragi (von den Supermarios) per Knopfdruck am 8. Dezember (Mario Empfängnis) erschaffen. Davon sind die Geschäftsbanken erst 20Mrd. losgeworden.
Ich glaub die haben einen Anlagenotstand.

hazafi
12
15.1.2012, 16:36

Ihr werdet di Sache erst begreifen, wenn die Spekulanten auch Euch ruinieren.
Das Ziel ist es, die - aus der Sicht der Wucher - überflüssige soziale Kosten in jedem Land abzubauen.
Da komt Ihr auch dran.

globetrottel
31
15.1.2012, 12:09

Achtung, im Standard-Forum kommt es nicht gut, wenn einer es wagt, NICHT die Banken und den IMF als die Bösen zu bezeichnen ;-)

Vollkommen einverstanden !

Olaf König
11
Die bösen Banken

Wer nach alldem, was sich abspielt, die Banken verteidigt, dem kann man nur als blind bezeichnen.

globetrottel
11

Soso.

WAS spielt sich denn ab ?

Wohlgemerkt - bei den Banken IN UNGARN, nicht irgendwo anders !

Ach ja - auch der Akkusativ ist dem Dativ sein Feind ;-)

Olaf König
01
Occupy

Wenn Sie nicht über die Finanzmafia international bescheid wissen, dann kann ich Ihnen nicht helfen. Die Banken in Ungarn sind alle Ableger internationaler Banken. Wenn wir das diskutieren wollen, brauchen wir einen eigenen Forenbeitrag.

Im Übrigen: Der Dativ ist dem Akkusativ sein Freund ;)

globetrottel
10

Nun, man kann natürlich eine (auch in vielen anderen Fällen durchaus zu hinterfragende) drastische Einschätzung ohne viel Differenzierung verallgemeinern. Ist doch schön, sich nicht um etwas konkretes kümmern zu müssen, sondern so richtig schön einfache , schwarz-weisse Beurteilungen der Welt zur Hand zu haben, nicht wahr ? So eine Vorgangsweise werfen wir zwar sonst den Rechtspopulisten vor, aber selber ist man ja ganz was anderes, gell ?

Ich wiederhole : Was haben die Banken in UNGARN verbrochen, weswegen sie nicht gegen Übergriffe einer autokratisch agierenden Regierung verteidigt werden dürfen ?

Olaf König
11
Banken sind Engel

Gut, dann antworte ich nochmal:

1. Was habe ich verbrochen, dass ich Steuern zahlen muss? Eigenartigerweise ist Orban der Einzige, der es wagt, Banken zu besteuern. Diese hatten ihm unverzüglich den Krieg erklärt, damit das nicht international Schule macht.

2. Die Banken haben der Bevölkerung unter massiven Werbekampagnen, und unter Kenntniss der enormen Risiken, Fremwährungskredite angeboten. Während diese in allen anderen osteuropäischen Ländern limitiert wurden, ließ es die (Pseudo-) Linke Vorgängerregierung einfach geschehen. Die jetzige Regierung konnte diesem Treiben nicht länger zusehen, denn eine Massenpleite wäre das Ergebnis gewesen. Das alte ungarische Gesetz erlaubt solche Maßnahmen ausdrücklich.

globetrottel
00

Es dürfte wohl relativ sinnlos sein, dass wir beide über dieses Thema weiterdiskutieren ;-)

Einer von uns beiden hat wohl eine leicht gefärbte Sicht der Realität - lassen wir es dahingestellt sein, wer....

1116er
21
15.1.2012, 00:31
ist ungarns situation nicht genau jene,

die eu/euro-skeptiker (wie auch ungarn) für griechenland forderten:
zurück zur drachme, abwerten und von allein gesund werden.

nun: ungarn hat eh seine eigene währung, -->abwerten,...

mir scheint, dass das eine etwas verspätete falsifizierung der eh (noch) nicht gewählten methode in gr ist.

Olaf König
11
Ungarn besser als Deutschland

Deutschland, hat gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr Schulde, als Ungarn (82% vs. 81%). Die Griechen liegen bei über 140%. Über was reden wir hier eigentlich?

frenkyfix
10
14.1.2012, 20:34
unauffälltiger peppi!!

sandokan55
96
14.1.2012, 12:54
Nach 56 Jahren muss Ungarn wieder für seine Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung kämpfen!

Milliarden in EUR Schaden wurde Ungarn dadurch verursacht, dass die EU(soz) und EZB mit der „unabhängigen“ -wovon? - ung. Nationalbank die Betrügereien der Soz-Lib Regierungen gedeckt
bzw. bei FWK-Krediten nichts gegen die übermäßige Vergabepraxis der Banken unternommen haben.

Die Konsequenzen wollen die nicht tragen.
Was sie wollen:
gg Pensionierung von RichterInnen –Hunderte aus der jüngeren Generation warten auf solche Jobs-

Unabh. der ung. NB –keine Gehaltskürzung für Hrn Simor von 40Tsd p.M. auf 7-8Tsd p.M was als Obergr. für alle Beamten gilt.

Verbot für den Ankauf von ung. Staatspapiere durch die ung. Nationalbank!

Budgetdefizit, die machen sich Sorge deshalb, weil i.M.n im 2013 mit 3.25%(!) zu rechnen ist.

Irre!

Olaf König
10
Stimm!: Nach 56 Jahren muss Ungarn wieder für seine Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung kämpfen!

Schön, dass es hier auch noch klar denkende Leute gibt. Ungarn war schon immer eine Bastion der Freiheit.

fipps
12
15.1.2012, 17:18
Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung

...schon wieder werden die als alles rechtfertigende Floskel bemüht, inklusiv nationaler Schulterschluss. Die andere Hälfte Ungarns sieht "Freiheit" etwas anders, falls Ihnen das entgangen ist. Für die geht Orban Viktor Richtung Diktatur, und mit sehr grossen Schritten. Hat damals schwarzblau in Ö auch eingefordert, hat auch nicht geklappt. "Selbstbestimmung" ist auch nicht Selbstbedienung, und Ungarn wird gerade zum Fidesz Selbstbedienungsladen mit automatischem Wahlausgang gemacht.

Olaf König
11
absolute Mehrheit

Welche andere "Hälfte"? Wo finden Sie denn nach 2/3.-Mehrheit noch eine "Hälfte"? Orban war die letzte Hoffnung der ausgebeuteten Ungarn. Dass das ein kluges Völkchen ist, sehen wir aus der jüngsten Geschichte (1956, 1989). WIR lassen uns Stück für Stück versklaven, und schimpfen über jene, die sich noch wehren. BRAVO!

Bagolyvár
22
15.1.2012, 22:21
Die andere Hälfte

habe Sie auf einer Hand gezählt oder war die zweite auch nötig?

Oddo Wolf
11
17.1.2012, 06:04
Die andere Hälfte

-
Zwei Hälften sind immer gleich groß, aber die kleinere Hälfte will das nicht verstehen. Sie will die demokratische Mehrheit stürzen und die Pressefreiheit schreit laut: "Diktator, Diktator"

Und daß eine Minderheit mit ausländischer Hilfe demokratisch gewählte Regierungen zu stürzen versucht, ist modern geworden im 21.Jhdt. Mir fallen da sofort 10 Länder ein.

fipps
02
16.1.2012, 00:56
wieso?

sind schon so viele geflohen?

lichaot
00
15.1.2012, 12:12
Find ich gut

Mit dem bösen ausländischen IWF sollten die gar nicht erst reden.

Olaf König
10
Mit dem IWF sollte keiner reden!

Dieser IWF wurde gegründet, um der USA zuv dienen (das haben nur alle vergeesen). Ungrn will sich nicht beherrschen lassen, und Orban war dabei sehr mutig (wie immer). Der IWF war noch nie ein guter Freund, ist aber leider zu mächtig geworden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.